Projekt des Ernährungsrates

Genusswoche soll Lust auf Regionalität machen

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Gisela Schaelow von der Arbeitsgruppe Ernährungshandwerk, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung stellte die Genusswoche und ihre Informationsflyer, die in teilnehmenden Gastronomien ausliegen, vor.

Dampfnudel in Vanillesoße, Bio-Rinderlende in Senf-Zwiebelkruste, Geräucherter Aal mit Röstbrot und Spiegelei – diese und weitere Gerichte wird es bei der regionalen Genusswoche vom 25. bis 31. März in einigen Gaststätten im Landkreis geben.

Landkreis/Fürstenfeldbruck – Das Besondere daran: Der Gast weiß genau was drin ist und von wo beispielsweise das Fleisch oder die Milch herkommt. Denn die Genusswoche – initiiert vom Ernährungsrat des Landkreises Fürstenfeldbruck – möchte mehr Bewusstsein für die Regionalität schaffen.

Erster Ernährungsrat in vier Gruppen aufgeteilt

Der deutschlandweit erste Ernährungsrat für einen Landkreis gründete sich vor gut einem Jahr in Fürstenfeldbruck. Dieser setzt sich aus Erzeugern, Landwirten, Ernährungshandwerkern, Ernährungsbildnern, Gastronomie, Schulen, Vereinen und Verbrauchern sowie Politikern zusammen. Ziel ist es, die Lebensmittelversorgung im Landkreis regional, ökologisch und gerecht zu gestalten. Vier Gruppen arbeiten seit einem Jahr an der Umsetzung dieser Ziele. „Und was wäre besser geeignet, als dem Verbraucher das Thema über den Gaumen klar zu machen“, sagte Richard Bartels, von Slow Food und Mitglied des Ernährungsrates.

Vier beteiligte Gastrobetriebe

So ist die Genusswoche nun eine der ersten Projekte auf dem Weg zu einer flächendeckend regionalen Lebensmittelversorgung: Vier Gaststätten bieten vom 25. bis 31. März in der ersten Genusswoche regionale Gerichte an. Die beteiligten Gastrobetriebe Gasthof Heinzinger in Rottbach, Klosterstüberl Fürstenfeldbruck, Restaurant Fürstenfelder in Fürstenfeldbruck sowie das Landhotel & Gasthof Grätz in Emmering haben ein oder mehrere regionale Gerichte auf ihrer Karte und schreiben offen aus, woher die Hauptkomponenten kommen. 15 Landwirte, Höfe und Lebensmittelerzeuger aus der Region und benachbarten Landkreisen werden damit explizit genannt.

Schlüsselerlebnis eines Kochs

Denis Kleinknecht vom Gasthof Heinzinger erzählt zu seiner Motivation von einem Erlebnis, das ihm die Augen öffnete: „Mir wurde Filet für 16,90 das Kilo angeboten – angeblich bayerische Qualität. Doch diese war schlecht, also habe ich recherchiert und fand heraus, das Tier ist zwar in Deutschland geboren aber in Argentinien zerlegt und dann wieder zurück gebracht worden“. Seitdem beschäftigt er sich explizit damit, woher seine Ware kommt und hat für seine Dampfnudeln ausschließlich regionale Erzeuger gefunden – von der Milch bis zu den Eiern. Zur Regionalität sagt er: „Es ist umsetzbar, man muss es nur wollen.“

Fachkräftemangel stellt Wirte vor Herausforderungen

Einige Beteiligten nennen auch Probleme: „Es braucht nicht nur regionale Erzeuger die Qualität bieten, sondern auch Fachkräfte, welche die Produkte unverfälscht weitergeben und weiterverarbeiten“, sagte Martin Peter vom Klosterstüberl und erwähnte damit den Fachkräftemangel in der Gastronomie. Gerhard Kohlfürst vom Fürstenfelder meint: „Für eine Woche ein regionales Gericht auf der Karte, das mag nach außen hin nach wenig aussehen, aber irgendwo muss man mit einen kleinen Schritt anfangen.“ Zudem wisse schon jeder Wirt, wie er nach dieser Woche weitermacht.

Schulmensa beteiligt sich mit

Die Firma Gröbl Catering, die die Mensa im Gröbenzeller Gymnasium betreibt, beteiligt sich ebenfalls mit zwei Gerichten an dieser Woche, allerdings nur am Freitag, 29. März, ab 18 Uhr. Dafür lädt die Mensa alle Interessierten – also auch Nichtschüler – ein. „Wir heben uns schon immer von anderen Mensa-Anbietern ab, wir wollen Kindern die Regionalität schmackhaft machen“, sagt Christian Klinger von Gröbl Catering. „Die Botschaft kommt langsam bei den Eltern an, sie sind bereit für regionale Qualität etwas mehr zu bezahlen“, ergänzt Dietmar Gröbl.

"Regionalität spart Plastik"

Unter den Unterstützern der Genusswoche war auch ein Kommunalpolitiker anwesend: Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer. „Wir haben einen schönen Wochenmarkt, wo wir die Regionalität fördern“, sagt er. Dennoch sehe er großes Potenzial an dieser zu arbeiten. Ausschreibungen und Bewirtungen von Veranstaltungen nennt er als Beispiel, wo die Kommunalpolitik die Macht hätte, diese zu stärken. Zudem spannte er den Bogen zur Müllvermeidung. Denn Regionalität spare im Idealfall auch Plastik.

Essen vom Hofladen statt Discounter

Gisela Schaelow von der Arbeitsgruppe Ernährungshandwerk, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung ist zuversichtlich: „Für weitere Projekte, werden wir noch mehr Gaststätten gewinnen können.“ Das langfristige Ziel: „Dem Gast schmeckt das Essen, er sieht wo es herkommt und geht nicht zum großen Lebensmittelgeschäft, sondern direkt in den Hofladen des Erzeugers“, formuliert es Gastwirt Martin Peter. 

Kohr

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