Ungleichgewicht der Fronten?

Geothermie-Gegner fühlten sich bei Podium zu wenig berücksichtigt

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Auf dem Podium sprachen (von links): Helmut Mangold, Erwin Knapek, Moderatorin Ramona Weiß, Rainer Zimmer und Florian Faus.

Die Debatte um die Wärme aus dem Erdinneren bleibt in Puchheim hitzig. Beim Podiumsgespräch von Ziel 21 zur Geothermie fühlte sich die Bürgerinitiative (BI) gegen das umstrittene Projekt nicht ausreichend berücksichtigt. Am 22. Juli sollen die Bürger an der Wahlurne entscheiden, ob die Stadt das Vorhaben weiter unterstützt.

Puchheim – Obwohl die Puchheimer einmal mehr Diskussionskultur bewiesen, ging es beim Podiumsgespräch heiß her. Heiß war es aber auch auf der Bühne – für Moderatorin Ramona Weiß offenbar sogar etwas zu heiß. Die stellvertretende Ziel 21-Vorsitzende und Organisatorin der Veranstaltung sorgte für eine Schrecksekunde, als sie beim Interview mit Bürgermeister Norbert Seidl und BI-Sprecher Michal Peukert auf der Bühne plötzlich zusammenbrach.

Kritik an Organisatoren und Stadt

Ziel 21-Chef Gottfried Obermair sprang kurzzeitig ein, aber nach etwas Wasser und einer Erholungspause konnte Weiß das Ruder wieder übernehmen. Zuvor hatte Peukert bereits bemängelt, dass kein Vertreter der BI auf das Podium eingeladen worden war und er stattdessen nur zusammen mit Seidl vorab zum Interview gebeten wurde. Das wurde erst bei der Fragerunde am Ende der Veranstaltung korrigiert, als auch Seidl und Peukert dazu stießen. Zu Wort kam der BI-Sprecher da aber nicht mehr.

Außerdem kritisierte Peukert ein Ungleichgewicht in der jüngsten Veröffentlichung der Stadt. Die Zahl der Beiträge pro Geothermie sei deutlich größer gewesen. „Von der BI war nur ein Beitrag enthalten.“ Seidl begründete dies mit der hohen Zahl an Befürwortern. Im voll besetzten Puc fanden sich beim Podiumsgespräch aber auch zahlreiche Gegner, wie man an der einen oder anderen Missfallensbekundung zu einigen Aussagen hören konnte.

"Mehr Chance als Risiko"

Die Teilnehmer auf dem Podium versuchten indessen, die Bedenken gegen die Wärme aus der Tiefe zu zerstreuen. Helmut Mangold, Geschäftsführer des kommunalen Geothermieprojekts in Pullach, verwies auf die 13 Jahre, die das Projekt in seiner Gemeinde nun schon betrieben wird. „Die Gefahr von Schadensereignissen ist gering“, sagt er. Mangold sieht auch in Puchheim mehr Chancen als Risiken durch die Geothermie.

Angst vor Mikrobeben bleibt

Peukert hatte im Interview zuvor noch einmal die Bedenken erneuert, das durch befürchtete Mikrobeben Schäden an den umliegenden Wohnhäusern entstehen könnten: „Wenn Haarrisse entstehen, kann durch den hohen Grundwasserstand Wasser in die Keller eindringen.“ Das wiederum glaubt Erwin Knapek nicht. Der Präsident des Bundesverbandes Geothermie und ehemalige Unterhachinger Bürgermeister erklärte: „Wenn die Keller vernünftig gebaut sind, kann nichts passieren.“

"Wenn die Stadt nicht bohrt, bohrt vielleicht jemand anderes"

Rechtsexperte Florian Faus erläuterte, dass die Stadt Puchheim und das Unternehmen Geysir Europe als Inhaber der Bohrerlaubnis und Betreiber bei möglichen Schäden gesamtschuldnerisch haften. Zudem sei der Betreiber verpflichtet, eine Versicherung mit einer Schadenssumme von zehn Millionen Euro abzuschließen. Faus erklärte außerdem, dass ein Nein nicht bedeute, dass keine Geothermie komme. „Die Stadt kann nicht verhindern, dass ein Dritter die Bohrrechte bekommt und wahrnimmt.“

Kleinere Beben würden bei jeder Art von Bergbauarbeit auftreten, erklärte indessen Rainer Zimmer vom Bayerischen Wirtschaftsministerium. „Die meisten liegen aber unter der Fühlbarkeitsgrenze.“ Bei 22 Geothermie-Projekten in Bayern sei es nur in drei Fällen – in Poing, Unterhaching und Dürrnhaar – zu spürbaren Ereignissen gekommen. Um in solchen Fällen aus der Haftung genommen zu werden, müsse der Betreiber sehr wahrscheinliche andere Ursachen für mögliche Schäden aufzeigen. „Bloße Vermutungen reichen da nicht“, betonte Zimmer.

Zweifel an Nutzen trotz Zahlen

Uneins waren sich Befürworter und BI auch über den ökologischen Nutzen der Geothermie. Während Peukert die kolportierten hohen Kohlendioxid-Einsparungen anzweifelte, legte Knapek Zahlen des Umwelt-Bundesamtes vor, die diese bestätigen. Bürgermeister Seidl bot bei aller Uneinigkeit an, bei einem etwaigen Ja zum Projekt im Bürgerentscheid mit der BI zusammenarbeiten zu wollen.

Andreas Daschner

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