Dr. Gerd Müller sprach über die Obergrenze und Solidarität mit den Herkunftsländern

"Probleme vor Ort lösen"

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Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller, CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, Bürgermeister Erich Raff und der CSU-Ortsvorsitzende Andreas Lohde (von links).

Fürstenfeldbruck – Die Bewältigung der Flüchtlingskrise war das beherrschende Thema beim Neujahrsempfang der Brucker CSU im Churfürstensaal des Klosters Fürstenfeld. Mit halbstündiger Verspätung und leicht erkältet sprach der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, vor 160 Gästen über Obergrenze und Solidarität mit den Herkunftsländern. Musikalisch gestaltet wurde der Neujahrsempfang durch Mitglieder des Posaunenchors der Erlöserkirche.

Der Ortsvorsitzende der Brucker CSU, Andreas Lohde, dankte nach der Begrüßung der Ehrengäste der CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, die den hochrangigen Gastredner „besorgt“ hatte. „Spätestens mit der Eröffnung der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Brucker Fliegerhorst ist das Weltgeschehen näher an uns herangerückt“, sagte Lohde. Während zu Beginn der Flüchtlingsbewegung die Hilfe und unbürokratische Unterstützung im Vordergrund stand, sei inzwischen Ernüchterung eingetreten. Warum machen sich Millionen von Menschen auf den Weg und verlassen ihre Heimat? Der ehemalige Bundespräsident Köhler habe einmal gesagt, wenn nicht ein gewisser Wohlstand nach Afrika kommt, dann kommt Afrika zum Wohlstand. Wenn alle Menschen auf der Erde nach westlichem Standard leben, dann bräuchten wir vier Erden. Bevor Müller seinen Festvortrag hielt, wurde den Gästen ein kurzer Film aus dem Ministerium gezeigt, der die Herausforderungen anriss, „denen wir uns stellen müssen“. Um die Flüchtlingskrise in den Griff zu bekommen, bedürfe es gemeinsamer Schritte Europas und der internationalen Gemeinschaft. Europa habe in den vergangenen Monaten ein skandalöses Bild abgegeben. Müller appellierte, dass sich der unkontrollierte Zustrom von Flüchtlingen nicht wiederholen darf. „So einen unkontrollierten Zustrom können wir in dieser Dimension nicht mehr bewältigen.“ 

Er erklärte warum Probleme vor Ort in den Herkunftsländern der Flüchtlinge gelöst werden müssen und zwar mit Hilfe von Deutschland, aber nicht nur von Deutschland allein, sondern auch von anderen Ländern, vornehmlich von der EU. Die Bevölkerung in Afrika werde sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln, so Müller, „das bedeutet, es werden zwei Milliarden Babys geboren. „Diese Menschen brauchen Nahrung, Wasser, Energie und Arbeitsplätze.“ Für den Minister gebe es nur eine Lösung: mit diesen Ländern zu kooperieren und vor allem die Entwicklung vor Ort voranzutreiben. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, brauche man laut dem Entwicklungsminister auch Privatinvestment und fairen Handel, Globalisierung müsse gerechter gestaltet werden. Müller erinnerte an die Ausbeutung der Weber vor 120 Jahren in Augsburg. „Genau diese Situation haben wir heute in Bangladesch und in den afrikanischen Ländern. 

Es kann nicht sein, dass eine Näherin in Bangladesch eine Markenjeans für fünf Euro herstellt, die eine Woche später bei uns in einem Laden für 100 Euro hängt und die Näherin nur fünf Cent die Stunde erhält.“ Man müsse eine faire Wertschöpfungskette schaffen. „Obergrenze ja“, sagte Müller, „aber Solidarität mit den Ländern und eine faire Globalisierung.“ In Zeiten, in denen der Terror vor unserer Haustüre nicht halt mache, sei ein guter Zusammenhalt aller demokratischen Parteien erforderlich, sagte Hasselfeldt bei ihrem Grußwort. Sie werde sich nicht zurücklehnen, sondern sie werde sich mit aller Kraft für ihr Land einsetzen, dass „wir rotrot- grün verhindern, dass wir die Populisten verhindern, und dass wir ein optimales Ergebnis für die gesamte Union bei der Bundestagswahl bekommen.“ Auch im Wahlkreis werde sie sich für Katrin Mair einsetzen, damit sie eine Chance für ihre Nachfolge erhält. Ein dickes Lob erhielt der Brucker Bürgermeister Erich Raff von Hasselfeldt. „Seit eineinhalb Jahren vertritt Erich Raff den erkrankten Oberbürgermeister mit großem Engagement, Fingerspitzengefühl und politischen Geschick.“ 

Dieter Metzler

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