Liebe überdauert Gitter

21-Jährige zu einer Geldstrafe wegen Besitzes von Amphetaminen verurteilt

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Vor dem Amtsgericht musste sich eine 21-Jährige wegen des Besitzes von Amphetaminen verantworten.

Liebe überwindet wohl nicht nur alle Distanzen, sondern wie sich bei der Verhandlung im Brucker Amtsgericht zeigte, auch dicke Wände und vergitterte Fenster.

Landkreis – Denn während die 21-jährige Münchnerin wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt wird, wurde ihr Freund bereits zu einer Haftstrafe in einer Jugendvollzugsanstalt verurteilt. Vor Gericht sahen sie sich nun wieder – er in Handschellen, bewacht von zwei Polizisten und sie auf der Anklagebank.

Zwei Polizeibeamte, den verurteilten Freund sowie zwei weitere Zeugen hatte das Gericht geladen – fehlte nur noch die Angeklagte selbst. Dann, mit etwas Verspätung eilt eine junge Frau, bekleidet in grauen Sweatshirt mit Tattoo am rechten Unterarm und auffällig rosa gefärbten Haaren zu ihrem Sitzplatz. Die Verhandlung beginnt.

Amphetamine aus Italien

Die Staatsanwaltschaft legt der Angeklagten zur Last: „Betäubungsmittel ohne erkennbare Erlaubnis besessen zu haben.“ Die Rede ist dabei von Amphetaminen, die sich das Pärchen bei einer gemeinsamen Tour in Italien besorgt hatte, wie die Angeklagte erklärt. „Ich habe sie an mich genommen, damit mein Freund nicht noch mehr Probleme bekommt“, erklärt sie. Gebracht hat es letztendlich wenig. Denn nach der Rückkehr aus Italien, durchsuchte die Polizei die damalige Wohnung des Freundes in Grafrath – warum sie das taten, wurde in der Verhandlung nicht erwähnt – in der sie zusammen wohnten. Auch wusste sie wohl, wo die Aufputschmittel aufbewahrt wurden, nachdem die Beamten sie danach fragten. Die Polizei erstattete Anzeige, ihr Freund landete in der Jugendvollzugsanstalt (JVA) Bernau und sie auf der Anklagebank. „Sie haben bei ihrem Freund gewohnt, damit ist es Besitz“, sieht Richter Johann Steigmayer die Anklage bestätigt.

"Ich liebe dich" Richtung Anklagebank

Nun da die Zeugen nicht länger gebraucht werden, entlässt der Vorsitzende die Polizisten und den Freund der Angeklagten, der noch kurz bevor er durch die Tür verschwindet, ein „Ich liebe dich“ Richtung Anklagebank haucht, welches sie im ähnlichem Tonlaut erwidert.

Langes Vorstrafenregister

Für den Richter stand vor allem im Fokus, wie hoch die Strafe ausfallen soll, da die 21-Jährige weder einer Arbeit nachgeht noch Arbeitslosengeld bezieht. Bei der Durchsicht der Voreintragungen kann die Angeklagte auf eine Reihe von Verurteilungen zurückblicken, wohl mehr als sie an ihren zehn Fingern abzählen kann. Auch hat die 21-Jährige bereits für räuberischen Diebstahl eine einjährige Haftstrafe bis Juli vergangenen Jahres in der JVA Aichach abgesessen.

Leben umkrempeln wohl nicht ganz gelungen

„Wie soll es weiter gehen?“, will Steigmayer wissen. Die Angeklagte erzählt, sie hätte während dieser Zeit versucht ihr Leben in den Griff zu bekommen. Auf die schiefe Bahn geraten sei sie mit 15 Jahren, nachdem ihre Mutter gestorben sei. „Ich bin froh, dass ich nach Aichach gekommen bin, sonst würde ich heute wohl nicht mehr hier sitzen“, sagt sie. Sie hätte ihr Leben umgekrempelt und auch ihren Freundeskreis gewechselt. Letzteres zweifelt Steigmayer jedoch an, angesichts der Tatsache, dass sowohl der Bekannte bei dem sie derzeit unterkommt, als auch ihr Freund, beim Richter Erinnerungen wecken.

Frage nach der Höhe der Tagessätzen

Ihr Traum wäre es, eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau zu machen, was sich jedoch nicht nur durch einen fehlenden Schulabschluss, sondern auch durch besagte einjährige „Lücke“ im Lebenslauf als schwierig gestaltet. „Bis jetzt gab es nur Absagen“, sagt sie.„Wenn Sie einen freundlichen Eindruck erwecken, keinen Alkohol und kein Gift zu sich nehmen, dann gibt es auch Arbeit“, entgegnet Steigmayer. Zwar will der Vorsitzende angesichts der privaten Situation der Angeklagten– kein Geld, kein Job – mit der Tagessatzhöhe herunter gehen, bleibt jedoch weiterhin bei 90 Tagessätzen. Die Staatsanwältin zeigt sich einverstanden: „Die Angeklagte hat glaubhaft dargelegt, dass 40 Euro nicht angemessen sind.“ Sie reduziert ihre Forderung auf 15 Euro. Schlussendlich verurteilt Richter Steigmayer die 21-Jährige zu 90 Tagessätzen in Höhe von zehn Euro, mit dem Hinweis, dass sie, wenn sie das Geld nicht auftreiben kann, um eine 90-tägige Gefängnisstrafe nicht herumkommen werde.

Felix Hamann

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