Arbeiten zum Ausbau der A96 gestartet

Drei Jahre Baustelle

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So soll die Lärmschutzgalerie einmal aussehen.

Germering – Zwei neue Fahrspuren und eine Lärmschutzgalerie: Die Arbeiten zum Ausbau der A 96 bei Germering und Gilching haben begonnen. Bis 2020 werden fast 100 Millionen Euro verbaut.

Selten war der Sitzungssaal im Rathaus so gut besucht wie am Dienstagabend. Mehrere Dutzend Germeringer waren zur Sitzung des Umwelt-, Planungs- und Bauausschusses gekommen, um aus erster Hand zu erfahren, wie sich das Gesicht der Lindauer Autobahn in den kommenden Jahren verändern wird. Die Autobahndirektion Südbayern hatte gleich fünf Mitarbeiter entsandt, um den lärmgeplagten Anwohnern im Süden der Stadt die Pläne für den sechsspurigen Ausbau und den geplanten Lärmschutz zu erläutern. 

Es ist ein wahres Mammutprojekt. Auf einer Länge von fast neun Kilometern bekommt die bedeutende Ost-West-Verbindung zwischen den Anschlussstellen Oberpfaffenhofen und Germering Süd zwei neue Fahrstreifen. Zusätzlich errichtet die Autobahndirektion bei Germering und Gilching zwei Lärmschutz-Galerien. Auch außerhalb dieser Bauwerke soll der Krach der Autobahn durch eine Kombination von Wällen und Wänden gemindert werden. „Das wird uns und Sie die nächsten drei Jahre beschäftigen“, sagte Olaf Weller, Leiter der zuständigen Autobahndirektion in Kempten. 

Gleichzeitig betonte der Baudirektor die Notwendigkeit des Ausbaus. Die Zunahme des Verkehrs auf der A96 mache die Erweiterung unumgänglich. Laut einer Verkehrszählung waren im Bereich von Germering 2010 im Schnitt gut 71 000 Fahrzeuge unterwegs. Fünf Jahre später waren es demnach bereits 78 300. Für das Jahr 2025 rechnen die Experten mit 84 500 Autos und Lastwagen pro Tag. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt liegt bei rund 45 000 Fahrzeugen pro Tag. 

Trotz dieses drastischen Anstiegs sollen die Germeringer bald nicht mehr viel mitbekommen von der Blechlawine, die sich Tag für Tag an der Großen Kreisstadt vorbeischiebt. Das liegt vor allem an den geplanten Lärmschutzmaßnahmen. Kernstück ist die rund 900 Meter lange Galerie – ein nach Süden offener Tunnel, der die Fahrbahn Richtung Lindau überspannt und einen Großteil des Lärms schlucken soll. Das Bauwerk soll auch den Krach von der Gegenfahrbahn weitgehend aufnehmen. Die Konstruktin wird sich von der Pestalozzistraße bis zur Brücke der Otto-Wagner-Straße erstrecken.

Auch westlich und östlich der Galerie will die Autobahndirektion den Lärmschutz verbessern. Im Westen soll eine rund 350 Meter lange Wall-Wand-Kombination errichtet werden, östlich ein etwa 800 Meter langes Pendant. Insgesamt soll der Lärmschutz 14 Meter über die Fahrbahn ragen. Zusätzlich wollen die Experten außerhalb der Galerien einen speziellen offenporigen Fahrbahnbelag aufbringen – den so genannten Flüsterasphalt. Allein dieser soll die Lärmbelastung um fünf Dezibel reduzieren. In Kombination mit den anderen Maßnahmen soll sich der Lärm insgesamt um 17 Dezibel verringern.

Bis es so weit ist, müssen Auto-fahrer und Anwohner die nächsten drei Jahre mit Einschränkungen klar kommen. Der Bauablauf ist genau getaktet: Noch heuer startet der Bau der Galerie bei Germering. Dazu wird der Verkehr über ein Provisorium über die nördliche Fahrbahn gelenkt. Im kommenden Jahr soll mit dem Bau der Galerie bei Gilching begonnen werden. Auch die nördliche Fahrbahn soll in diesem Zeitraum angelegt werden. Zudem wird mit der Errichtung der Lärmschutzwände begonnen. 2019 startet der Bau der südlichen Fahrbahn. Dann soll auch die Ausstattung der Galerien beginnen. Im Jahr 2020 sollen dann die Galerien fertiggestellt, und der Fahrbahnbelag aufgebracht werden. Bedeutende Auswirkungen haben die Baumaßnahmen auch auf die Nutzer des ehemaligen Kasernengeländes südlich der Autobahn. Die Brücke, die in der Verlängerung der Otto-Wagner-Straße die Schnellstraße überspannt, wird Ende April abgerissen. Die Zufahrt soll während der Arbeiten aber von Süden her weiter möglich sein. Die neue Brücke soll dann in die Lärmschutz-Galerie integriert werden und bereits nächstes Jahr fertig sein.

Um die Anwohner vor dem Baulärm zu schützen, sollen die bestehenden Wälle während der Bauzeit bestehen bleiben – sie werden lediglich teilweise abgetragen und durch Spundwände gestützt. „Ohne Lärm, Staub und Erschütterungen geht es aber nicht“, sagte Weller. Speziell die Erschütterungen sollen während der Bauzeit dokumentiert werden.

Die Autofahrer werden während der gesamten Bauzeit immer zwei Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung haben – diese sollen allerdings immer wieder umgelegt werden. 2020 soll der knapp neun Kilometer lange Autobahn-Abschnitt dann komplett ausgebaut sein. Die Kosten für das Projekt taxiert die Autobahndirektion mit knapp 100 Millionen Euro. Dass sich der Aufwand auch für die Germeringer lohnt, davon ist Baudirektor Weller überzeugt. „Der Ausbau wird ein deutlicher Gewinn für Germering.“ tog


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