So will Germering attraktiver für Radler werden

Strampelnd durch die Stadt

Verkehrsplaner Thiemo Graf, der Fahrradbeauftragte der Stadt, Thomas Wieser und Grafs Kollegin Hannah Thiemann (v.li.) verschaffen sich einen Eindruck von der Situation für Radler in Germering.

Radeln ist in. Galt der Drahtesel früher lediglich Sportlern oder Öko-Aktivisten als Fortbewegungsmittel der Wahl, steigen heute Menschen aus allen Schichten aufs Fahrrad. Dieser Entwicklung trägt auch Germering Rechnung. Mehrere Projekte sollen das Radeln komfortabler, schneller und sicherer machen.

Germering – Zäh schiebt sich die Blechlawine durch die Untere Bahnhofstraße. Am Kreisel kurz hinter der Bahn-Unterführung staut es sich mal wieder – und auch die Ampel am Kleinen Stachus bremst die Autos aus. Es ist einer der neuralgischen Punkte in der Planung von Thomas Wieser. Denn genau an dieser Stelle, dort wo sich die Frühling- und die Südendstraße treffen, soll künftig eine Fahrradstraße die Untere Bahnhofstraße kreuzen. Ist das eine gute Idee? Um diese Frage zu beantworten, hat sich der Fahrradbeauftragte der Stadt Hilfe von außerhalb geholt. Zusammen mit Verkehrsplaner Thiemo Graf und dessen Kollegin Hannah Thiemann steht Wieser jetzt an der viel befahrenen Kreuzung und schaut sich an, wie sich Autofahrer, Radler und Fußgänger verhalten.

Germering hat beim Thema Fahrradverkehr Großes vor.

Es ist nur einer von vielen Punkten auf der Agenda des Trios. Mehrere Stunden strampeln die drei an diesem sonnigen Donnerstag durch die Große Kreisstadt. Denn Germering hat Großes vor: Eine Fahrradstraße soll die Stadt von West nach Ost durchziehen. Sie ist einer der Vorschläge des „Runden Tischs Radverkehr“, der seit seiner Gründung 2015 bereits sieben Mal getagt hat und bereits diverse Vorschläge zur Verbesserung der Situation von Radfahrern gemacht hat. Doch die neue Radroute, die über die Wiesen-, Frühling-, Südend,- Eisenbahn- und Stegmairstraße verlaufen und ein „deutliches Signal“ zugunsten des Radverkehrs sein soll, birgt auch Probleme. So können etwa die Rechts-vor-Links-Regelungen in der Tempo-30-Zone nicht einfach außer Kraft gesetzt werden. Am Runden Tisch, an dem Vertreter der Verwaltung, der Fraktionen, der Bürgerschaft und der Polizei sitzen, kam man auch deswegen zu keiner Einigung. Deshalb hat sich die Stadt jetzt die Hilfe des Verkehrsplaners aus dem mittelfränkischen Röthenbach geholt.

Für Thiemo Graf ist Germering kein unbeschriebenes Blatt. „Meine Großeltern haben hier gelebt, deshalb kenne ich die Stadt bereits seit Jahrzehnten“, sagt der Verkehrsexperte. Auch deshalb war es für ihn etwas ganz Besonderes wieder einmal durch die Stadt zu strampeln. „Das ist aber auch sehr wichtig, um sich ein Bild aus der Perspektive des Radfahrers zu machen“, sagt der 34-Jährige. Um die Situation in seinem Fachbüro auswerten zu können, hat Graf seine Radltour zudem mit einer Kamera aufgezeichnet.

Neben der geplanten Fahrradstraße haben die Verkehrsplaner auch die Landsberger Straße unter die Lupe genommen. Die hat nicht nur für Radler in Germering große Bedeutung sondern auch für den überörtlichen Fahrradverkehr. Das Problem: Wer von Westen aus Geisenbrunn kommt, muss die Straße zwei Mal queren – einmal am Kreisverkehr an der Salzstraße und ein weiteres Mal an der Streiflacher Straße. Ein Augenmerk haben die Verkehrsplaner auch auf die problematische Kreuzung Landsberger- Untere Bahnhofstraße gelegt. „Diese Kreuzung ist für alle Verkehrsteilnehmer eine echte Herausforderung“, sagt Graf. Und auch Wieser gefällt die derzeitige Lösung an dieser Stelle gar nicht. „Das brennt uns schon lange unter den Nägeln“, sagt er.

Jetzt müssen Thiemo Graf und seine Kollegin die gewonnenen Germeringer Daten auswerten. „In den nächsten Wochen werden wir die Situation analysieren und unsere Schwerpunkte in der Planung legen. Im April will Graf dann noch einmal für zwei Tage nach Germering kommen um weitere Daten zu sammeln. „Erst dann können wir sukzessive Lösungsvorschläge erarbeiten.“

tog"

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