Auch Germeringer Schüler betroffen

Abifahrt 2020: Über 1.000 Abiturienten wegen Corona um Geld betrogen?

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Für viele Abiturienten des Max-Born-Gymnasiums überschattet Corona alles - auch ihre ersehnte Abifahrt.

Germering – Es hätte alles so schön sein können, die Abiturprüfungen sind geschrieben, die Wochen des Lernens vergessen und vorbei – ein neuer Lebensabschnitt beginnt und das am besten mit einer großen Fete, einer Abschiedsfahrt mit all den Freunden und Klassenkameraden, die einem in den letzten Jahren ans Herz gewachsen sind und die man so vielleicht nie wieder sieht. Abifahrt, das bedeutet für viele Freiheit, endloses Feiern und Unabhängigkeit.

Das in diesem Jahr alles anders läuft hat der Coronavirus mit sich gebracht. Nicht nur das reguläre Leben vieler ist zwischenzeitlich völlig zum Erliegen gekommen, auch besondere Festivitäten wie Hochzeiten, runde Geburtstage oder eben auch Abiturfeiern und -fahrten laufen anders ab, als es in den vergangenen Jahren war. Diese Erfahrung müssen nun auch die Abiturienten der beiden Germeringer Gymnasien machen. Während der Veranstalter der Abifahrt am Carl-Spitzweg-Gymnasium unter anderem zu einer kostenlosen Stornierung aufgrund der aktuellen Lage bereit ist, gestaltete es sich bei den Schülern des Abschlussjahrgangs am Max-Born-Gymnasium (MBG) etwas anders. „Die Enttäuschung ist groß“, so sagen es Schüler und Eltern, als ihnen bewusst wurde, dass die gebuchte Fahrt nach Korfu zwar nun stattfinden soll, aber das in einer anderen Form als gedacht. Lange war nicht eindeutig wie es mit Gruppenreisen aussehen würde, nachdem die bayerische Regierung eine Durchführung von Reisen unter der Einhaltung eines Hygienekonzeptes jedoch wieder zustimmte, war auch klar, dass die Abifahrten wieder durchgeführt würden. Und am Montag soll es bereits losgehen.

Corona verursacht Ärger

„Alle Beteiligten können die zwingende und rigorose Durchführung dieser Reise nicht verstehen“, so beschreiben es die Eltern, die sich mittlerweile in der Causa „Abifahrt“ zusammengeschlossen haben, da sie sich mit dem seit Jahren mit dem MBG zusammenarbeitenden Veranstalter Crystal Tours nicht einigen können, was die Stornierungsgebühren betrifft. Die Reisebedingungen haben sich in den Augen der Abiturienten und ihrer Eltern drastisch durch die Corona-Bestimmungen geändert. Die Charakteristik der Reise sei nicht mehr die, die sie einst gebucht haben. So fällt eine Fährfahrt, die bereits Teil des spaßigen Partyprogramms sein sollte, aus und verlängert die Anfahrt mit dem Bus enorm. Wenn auch keine Abstandsregelungen im Bus mehr herrschen, so müssen Masken getragen werden – und das auf einer Fahrt, die die 24-Stunden-Marke deutlich überschreitet, die Insel Korfu (Griechenland) ist ja nicht um die Ecke. Corona verändert alles. Das sagt auch Geschäftsführer Marco Lucarelli, der versucht Schadensbegrenzung zu betreiben. In seinen Augen habe er möglichst schnell auf die Corona-Bestimmungen reagiert und den betroffenen Abiturienten mehrere Möglichkeiten aufgezeigt. „Da es sich um eine privat gebuchte Reise und keine Klassenfahrt handelt, springt auch das Kultusministerium nicht für die Stornierungsgebühren ein“, so der Münchner Veranstalter Lucarelli. Die Veranstaltungsbranche leide im Moment enorm und sie versuchen denjenigen, die die Reise dennoch unternehmen wollen eine gute Zeit zu verschaffen, alle anderen Dinge werden da zunächst hinten angestellt, so auch die Bearbeitung der Stornierungen, wenn eine Kommunikation per Mail auch gegeben sei. 

Crystal Tours bot mehrere Möglichkeiten als Ersatz an

Alle anderen hatten die Möglichkeit frühzeitig zu stornieren, zunächst mit einer Gebühr von 20 und nun 50 Prozent, oder die Reise zu verschieben und einen Gutschein anzunehmen. „Viele haben darauf nicht reagiert und abgewartet – darauf, dass wir die Reise absagen und den vollen Preis erstatten“, so der Geschäftsführer von Crystal Tours. „Wir tun aber alles, damit es eine unvergessliche Zeit wird. Eine Abifahrt sei bereits am 15. Juni, direkt nach der Beendigung der Reisewarnung, gestartet. Und das mit vollem Erfolg“, so Lucarelli. Und genau das wünsche er sich auch für die Germeringer Schüler. Ein Hygienekonzept sowie die Einplanung aller Eventualitäten bestehe, sie als Veranstalter seien vorbereitet. Das jedoch reicht den Abiturienten nicht aus, sie wollen ihr Geld und das am liebsten ganz zurück, immerhin werde nicht die Reise geboten, die sie gebucht hatten. „Unsere Noten werden zudem erst am Freitag bekannt gegeben, wir wissen nicht, ob wir bestanden haben oder uns beispielsweise verbessern wollen“, so sagt es einer der Abiturienten, der sich gegen die Reise entschieden hat. Im ersten Fall greife zwar eine Versicherung, im zweiten Fall jedoch nicht, so Lucarelli. Weit über 1.000 feierwütige Abiturienten sollten ursprünglich bei der Fahrt auf die griechische Insel dabei sein, 70 davon aus Germering – rund 350 seien noch dabei, trotz der Änderungen. Ärger und Unverständnis sind groß, und das auf beiden Seiten, auch wenn der Veranstalter sein Entgegenkommen ankündigte, so hat die diesjährige Abifahrt einen bitteren Beigeschmack. 

Claudia Becker

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