"Wenn der Himmel schwarz wird"

Germeringer beklagen Anstieg von Saatkrähen-Kolonien

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Während in der Josef-Kistler-Straße sechs Nester zu finden sind, sollen es im Erika Park an die 60 sein – zum Unmut der Anwohner.

Der Gehweg hinter dem Rathaus in der Josef-Kistler-Straße lässt es bereits erahnen – überall ist Vogelkot. Bereits nach wenigen Minuten ziehen die ersten Vögel ihre Kreise über den Köpfen der aufgebrachten Anwohner. Sie alle haben ein Problem: Saatkrähen. Die Population ist in den letzten Jahren exponentiell gestiegen, so beklagen es die Bewohner.

Germering - Ausgehend von einem Besuch eines betroffenen Anliegers der Josef-Kistler-Straße in der Oberbürgermeister-Frühsprechstunde und eines Schreibens von einem Anlieger des Erika Parks mit dem gleichem Anliegen, lud Thomas Wieser, Sachgebietsleiter für Umweltangelegenheiten der Stadt Germering, gemeinsam mit Oberbürgermeister Andreas Haas und Biologin Monika Sepp zu einer Ortsbegehung in die Josef-Kistler-Straße auf Höhe der Hausnummer 5 und 7 ein. 

Bäume sind voller Krähennester

Das Problem sei der Stadt bereits seit Jahren bekannt, erklären Wieser und Haas den aufgebrachten Anwohnern, jedoch seien bisher ergriffene Maßnahmen wie der „Bird Guard“ – eine akustische Vogelabwehr – im Sande verlaufen. Die Tiere seien eben sehr schlau, dies bestätigt auch Biologin Sepp, die bereits als Ansprechpartnerin in Puchheim fungiert, die ein ähnliches Problem zu beklagen haben: die Bäume sind voller Krähennester. 

Erfahrungen mit Krähen in Puchheim

In Puchheim wurde erneut mit einem Falkner zusammengearbeitet, der einen Bussard über die betroffenen Gebiete fliegen lässt, um die Krähen zu vertreiben. Anschließend würden die Nester entfernt, um eine erneute Ansiedelung der Tiere zu vermeiden. „Ob die Saatkrähen dann jedoch wieder kommen oder nicht, das ist Glückssache“, sagt Sepp. Es handle sich um einen langwierigen Prozess, da die Saatkrähen nicht gelenkt werden können. Sie habe es schon oft erlebt, dass Nester nach wenigen Tagen wieder zurück an Ort und Stelle waren. 

Anwohner der Josef-Kistler-Straße sowie des Wohngebiets rund um den Erika Park waren bei der Ortsbegehung mit OB Andreas Haas und Biologin Monika Sepp dabei.


Da die Eier unter Schutz stehen, dürfe in Zeiten der Brut nicht eingegriffen werden – erst wieder ab Oktober, erklärt die Biologin weiter. Diese Aussagen finden jedoch keinen Anklang bei den Anliegern – sie fordern eine Lösung, und diese sofort. Stimmen werden laut von „es ist nicht mehr auszuhalten“ bis hin zu „ein echter Leidensdruck“ und „die Lebensqualität ist verloren gegangen“. 

Lärmfaktor als Hauptproblem

Neben der offensichtlichen Verschmutzung, die die Vögel verursachen ist der Lärmfaktor das Hauptproblem. Viele Bewohner beschreiben einen ähnlichen Zustand: das gemütliche Sitzen auf Balkon, Terrasse oder im Garten sei schier unmöglich geworden. Durch eine veränderte Landwirtschaft in den letzten Jahren kämen die Krähen immer mehr in die Städte. Hier findet die Kolonie nicht nur den Schutz durch die Befriedung, sondern auch Futter durch Abfälle oder das Anfüttern durch Menschen. 

Innerorts darf nicht gejagt werden

Außerdem sei die Gefahr natürlicher Feinde wie dem Uhu in der Stadt nicht gegeben und der Weg zu Feldern kurz genug, um dorthin ausweichen zu können, so die Biologin. Gejagt werden dürfe innerorts von Haus aus nicht, auch wenn die Idee des Abschusses der Tiere bei den Anwohnern den größten Anklang findet. Eine Lösung muss her, das befürwortet auch Haas, der eine Unterschriftenaktion vorschlägt, die wiederum an die Regierung von Oberbayern geschickt werden müsse. Denn die Entfernung der Nester und das Einsetzen eines Falkners müsse detailliert beantragt werden. Auch wenn es keine Garantie auf einen Erfolg gibt, so will die Stadt zeigen, dass sie die Sorgen und Probleme der Anwohner ernst nehme. 

Claudia Becker

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