Germeringer Ehepaar auf abenteuerlicher Reise mit dem Liegefahrrad

Auf seidenen Wegen - liegend durch die Welt

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Im April 2018 begann vor der Germeringer Stadthalle die Reise ins Ungewisse.

Germering – Die Koffer sind gepackt, das Blumen gießen übernimmt ein Nachbar, die Vorfreude ist zum Bersten groß – dem Urlaub steht also nichts mehr im Weg. So oder so ähnlich geht es jedes Jahr vielen Menschen. Corona hat den Reiselustigen vorerst in vielerlei Hinsicht einen Riegel vorgeschoben, umso spannender sind da die Erinnerungen an vergangene Reisen, insbesondere, wenn diese nicht die klassische Pauschalreise oder der Besuch im immer gleichen Hotel waren.

Den großen Traum vom Reisen, den hat der 47-jährige Christoph Schaaf bereits seit seiner Kindheit. Fremde Kulturen kennenlernen und das auf möglichst ungewöhnlichen Wegen. Auf dem Rücken eines Esels beispielsweise oder paddelnd auf dem Yukon River – oder auf einem Liegefahrrad. Im April 2018 ging es für Christoph und seine Frau Daria dann auf eine einzigartige Reise. In Germering ließen sie neben ihren Freunden und der Familie so gut wie alles hinter sich. „Das Auto wurde verkauft, der Job und die Wohnung waren gekündigt“, erzählt Schaaf. Seine Leidenschaft, das Reisen, sei in den Jahren zuvor zu kurz gekommen. Im Alltagstrott gefangen sah er nur eine Möglichkeit – neue Wege bestreiten und das mit möglichst wenig Ballast. Kurzerhand entstand so die Idee von einer Reise mit dem Fahrrad auf der Seidenstraße nach China. Als Seidenstraße wird ein Netz von Straßen, dessen Hauptroute den Mittelmeerraum auf dem Landweg über Zentralasien mit Ostasien verband, bezeichnet. Eine antike Handelsroute also auf der in westlicher Richtung hauptsächlich Seide, gen Osten vor allem Wolle, Gold und Silber gehandelt wurde. Da die 7.500 Kilometer lange Reise auf einem „normalen“ Fahrrad sehr anstrengend werden würde, entschieden sich die beiden Germeringer kurzerhand für eine Variante mit Liegefahrrädern – die auch heute noch im Einsatz sind, wie der 47-Jährige verrät. 

Blog und Film folgten nach der Reise

Auch wenn das Radfahren ein großes Hobby von Christoph Schaaf ist, so hat er im Vorhinein keine längere Strecke mit dem Liegefahrrad ausprobiert. „Da werden wir uns während der ersten Wochen dran gewöhnen. Es ist die bequemere, aber auch langsamere Reisevariante“, sagt Schaaf. Immerhin wollte das Ehepaar den Beginn der Reise ruhig angehen lassen. „Die Route war zwar durchkalkuliert, aber man weiß nie, was passiert. Perfektionisten machen so eine Reise nicht“, erklärt er. Eine gewisse Vorarbeit war auch durchaus notwendig, zum einen, was das Equipment betraf – immerhin müssen rund 40 Kilo Gepäck untergebracht werden. Aber auch die Tatsache, dass die Grenzübergänge zu einigen Ländern nicht immer einfach zu überqueren sind. Schaaf recherchierte im Vorfeld viel im Internet, wusste aber, dass die meisten Visa erst kurzfristig vor Ort einzuholen seien, da diese meist nur wenige Tage eine Gültigkeit besäßen. Neben der Ungewissheit was die Straßenverhältnisse anginge, die unterschiedlichen Klimazonen, die sie durchleben werden und diverse Pannen am Straßenrand, erlebten Daria und Christoph Schaaf während ihrer siebenmonatigen Reise so manche Abenteuer. Neben einem Blog, einer Art Online-Tagebuch, hielten die beiden Weltenbummler ihre Reise auch filmisch fest. „Etwa 43 Stunden Filmmaterial mussten erst einmal gesichtet werden“, so Schaaf. Um daraus aber eine Geschichte machen zu können, musste er sich von vielen der aufregenden Begebenheiten während der Fahrt verabschieden. Gut zwei Jahre später kann er das Endergebnis nun auch einem Publikum vorstellen. Unter dem Titel „Lines of the Silkroad – Mit dem Fahrrad nach China“ warten 137 Minuten voller Abenteuer, Gastfreundschaft und Kuriositäten wie fehlenden Toiletten im Nirgendwo vor den Zuschauern. 

Unter anderem führte die beiden Germeringer der Weg durch das verschneite Tadschikistan.

„Es steckt viel Arbeit in diesem Film. Schneiden, Off-Texte sprechen“, sagt der 47-Jährige. Jetzt sei er auf das Fazit des Publikums gespannt. Auf die Frage, ob er die Reise wieder machen würde, antwortet Schaaf mit einem Lächeln: „Ich würde jederzeit wieder aufs Rad steigen und losfahren, eine andere Route natürlich“. Ein weiteres Projekt sei bereits in Planung. Dieses könnte eine Reise nach Sierra Leone nach sich ziehen. Auch weitere Filme könne sich der Germeringer gut vorstellen. Ganz sesshaft sind die beiden nach ihrer Reise jedoch nicht geworden. Sie wohnen teils in Polen und in Germering soll ein Wohnwagen als Halbjahresdomizil folgen.

Infos zum Film

Der Film „Lines of the Silkroad – Mit dem Fahrrad nach China“ von Christoph Schaaf wird am Samstag, 5. September, um 20 Uhr Am Räuberhäusl, Aubinger Weg 1, Germering, auf großer Leinwand gezeigt. Einlass ist ab 19 Uhr. Weitere Informationen zur Reise sowie zum Kauf der Karten gibt es unter https://lines-of-the-silkroad.de/

Claudia Becker

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