Kriminalstatistik 2017

Mehr Arbeit für weniger Personal

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Die Polizeiinspektion Germering in der Waldstraße.

Derzeit bemühen sich rund 40 Polizeibeamte den Belangen der etwa 64.000 Einwohner der drei Kommunen Germering, Gilching und Alling nachzukommen. Denn all diese Menschen fallen unter den Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Germering. Damit sind seit dem Jahr 2014 rund 5.000 neue Einwohner hinzugekommen, wohingegen das Personal immer weniger wird.

Germering - „Dies ist vor allem der nicht geschehenen Neubesetzung pensionierter Kollegen geschuldet“, sagt Inspektionsleiter Jürgen Dreiocker. Nicht zu vernachlässigen sei auch der erhöhte Aufwand für die Polizei, der durch den steigenden Anteil der Bürger mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit – mittlerweile sind das 17,3 Prozent – zusammenhängt. Oftmals seien Dolmetscher bei Verständigungsschwierigkeiten gefragt. Was die Entwicklung der Gesamtstraftaten im Jahr 2017 betrifft, liegt der Zuwachs bei 5,3 Prozent zum Vorjahr und ist damit auf 2.203 gestiegen. Vor allem im Bereich der Beschädigung an Kraftfahrzeugen ist eine Zunahme deutlich zu erkennen. 

Zwei Vorfälle stechen hervor

Besonders zwei Fälle stechen laut Polizeihauptkommissar Andreas Ruch heraus. Eine Schneise der Verwüstung hinterließ ein 22-jähriger Germeringer, der in seinem Wahn 18 Autos demolierte bevor er im Max-Born-Gymnasium von der Polizei festgenommen werden konnte. Ein zweiter Akt der Zerstörung ereignete sich, als ein Münchner im Germeringer Stadtgebiet 13 Autos beschädigte, bis er durch das beherzte Eingreifen dreier Mitbürger, die ihn verfolgten und kurz vor dem Einsteigen in die S-Bahn stoppten und festhielten, bis die Polizei eintraf. Bereits zum Jahreswechsel 2014/2015 nahm sich die Germeringer Polizeiinspektion vor, ihre Aufklärungsquote nachhaltig zu steigern. „Obwohl der Beruf des Polizisten ein Erfahrungsberuf ist“, so Ruch, „hat unser junges und motiviertes Team sehr dazu beigetragen, dass immer mehr Straftaten aufgeklärt werden können“. Es sei ihnen zudem besonders wichtig, die Straftaten nicht nur zu verwalten, sondern konsequent erkennungsdienstliche Maßnahmen durchzuführen. 

Immer mehr Straftäter fliehen zu Fuß

Auch die immer moderner werdenden Verfahren der Spurensicherung tragen zur Quote von 63,9 Prozent bei. Dazu zähle auch die Aufklärung von Wohnungseinbrüchen, die eine Steigerung von 9,3 Prozent einnimmt. Das Verhältnis von Taten zu versuchten Einbrüchen ist dabei gleich. „Die Leute tun präventiv einfach mehr – die Sicherung des Eigenheims durch Alarmanlagen hat in den letzten Jahren zugenommen“, erklärt der Polizeihauptkommissar. Dennoch sprechen die dichte Besiedelung und die hohe Mobilität durch die S-Bahnanbindung für Germering als beliebten Deliktsbereich. „Immer mehr Straftäter sind zu Fuß unterwegs, anstatt mit dem Pkw“, erklärt Ruch. Diebstahldelikte sind mit einem Viertel, wie bereits im Vorjahr, Spitzenreiter unter allen angezeigten Straftaten. Im Jahr 2017 kam es zu einem Sachbeziehungsweise Beuteschaden von 100.000 Euro. Eine verbesserte Aufklärungsrate liege am eigens für Fahrraddiebstähle zuständigen Polizeibeamten, der gezielt diese Vorfälle bearbeitete. Denn dieses Kriminalitätsphänomen ist bereits seit 2012 bekannt. Eine steigende Zahl an Fahrraddiebstählen und die immer geringer werdende Aufklärung, forderten zum Handeln auf. „Prävention ist uns wichtig. Achten Sie auf ihre Nachbarn und haben Sie keine Hemmungen, wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt. Melden Sie sich bei der Polizei, wenn Sie auffällige Gestalten in ihrem nahen Umfeld bemerken“, fordert der Polizeihauptkommissar die Bürger auf. 

"In Germering geht es relativ gesittet zu"

Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen ohne Aufenthaltsgenehmigung lag bei 36,1 Prozent von den insgesamt 1.096 ermittelten Straftätern. Diese fielen insbesondere durch sogenannte Rohheitsdelikte auf – das waren 42 Fälle, bei denen Asylbewerber aufgrund einer Körperverletzung ermittelt wurden. „Dennoch geht es in Germering immer noch relativ gesittet zu“, sagen die drei Polizisten Andreas Ruch, Erich Heinz und Jürgen Dreiocker. 37 Straftaten kommen auf 1.000 Einwohner – damit liegt die Große Kreisstadt unter dem Landesschnitt. Auch in Bezug auf die regionale Verteilung der Kriminalität liegt die PI Germering im Mittelfeld. Gewaltdelikte sind im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 15,5 Prozent gesunken. Dazu gehören unter anderem Straftaten gegen das Leben, Vergewaltigung, Raub sowie gefährliche und schwere Körperverletzung. Dahingegen ist eine Steigerung der Vermögensdelikte deutlich: besonders Fake-Shops nahmen im letzten Jahr weiter zu. „Damit ist auch die Polizei gefragt, sich ständig weiterzuentwickeln. Spezielle Cyber-Beamte, die sich auf Internetbetrügereien beziehen, werden vermehrt gefordert“, spricht Ruch. Die Entwicklung der Rauschgiftkriminalität ist in Germering durch Präventivmaßnahmen in Schulen, vermehrte Kontrollen und das direkte Ansprechen von Jugendgruppen um 24 Fälle im Jahr 2017 gesunken. Das häufigste Delikt ist dabei immer noch der Besitz beziehungsweise Erwerb von Marihuana. 

Gute Partnerschaft der drei Kommunen Germering, Gilching und Alling

Insgesamt fallen von den 2.203 Straftaten des Zuständigkeitsbereichs der Polizeiinspektion 1.487 auf Germering. Damit ist eine Steigerung von 6,7 Prozent zum vergangenen Jahr zu verzeichnen, aber auch eine erhöhte Aufklärungsquote von etwa vier Prozent ersichtlich. Zum Schluss sind sich alle Anwesenden einig: die Partnerschaft der drei Kommunen läuft sehr gut. „Es ist eine tolle Zusammenarbeit mit einem starken Vertrauensverhältnis. Vieles, wie Verkehr oder auch Jugend, kann bereits im Vorfeld besprochen werden.“ Den Worten des Gilchinger Bürgermeisters Manfred Walter können der Allinger Bürgermeister Frederik Röder und Germerings zweiter Bürgermeister Wolfgang Andre nur beipflichten. 

Claudia Becker

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