Germeringer Tafel erhält Pkw von Lions Club, schließt aber vorerst aufgrund von Corona

Neuer Bus und dann folgt die Schließung

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Freuen sich über den neuen Bus (von links): Jürgen Quest von der Tafel, Ingrid Neubauer vom Sozialdienst, Rainer Groß und Barbara Haas von den Lions sowie Georg Sedlmeier vom Sozialdienst.

Germering - Zunächst sah alles so gut aus, ein neues Auto wurde vom Germeringer Lions Club an den Sozialdienst, insbesondere jedoch für die Tafel, gespendet. Doch Corona macht dem einen Strich durch die Rechnung. Vorerst schließt die Tafel, wie Tafelleiter Jürgen Quest mitteilt.

Woche für Woche sind die Fahrer der Germeringer Tafel im Einsatz, um Ware von den Einzelhändlern in und um Germering zur Tafel zu transportieren – knapp 15.000 Kilometer kamen so im Jahr 2019 zusammen. Ende letzten Jahres war die Sorge groß, dass der alte Tafel-Transporter nicht mehr durch den TÜV kommt. Die Lions, die bereits den letzten Bus spendierten, sprangen auch jetzt mit einer Spende in Höhe von 20.000 Euro ein und übernahmen den Löwenanteil bei der Anschaffung eines Ersatzautos. 16 Jahre war der alte Bus im Einsatz – nun war klar, es muss ein neuer her. „Uns ist es ganz wichtig, dass der Bus aber nicht nur für die Fahrten der Germeringer Tafel eingesetzt wird, sondern auch als Auto für den Sozialdienst bereit steht. Theaterfahrten oder Fahrten der Tagespflege können so übernommen werden“, sagt Sabine Brügel-Fritzen, Geschäftsleiterin des Sozialdienstes. Mitgliedsbeiträge, die Erlöse aus dem Verkauf der Adventskalender und der Erlös des Lionsmarktes, all das trug zu der Spende von 20.000 Euro bei. Der Jahreswagen stammt zudem von einem örtlichen Händler, so bleibt er quasi in Germeringer Hand, das ist Lions Schatzmeister Rainer Groß ein Anliegen gewesen. In 2019 haben die Lions bereits viele Projekte unterstützt, das soll auch 2020 so weitergehen. Obwohl das neue Auto nun bereit steht, kann sich Jürgen Quest von der Germeringer Tafel dennoch nicht ganz freuen, immerhin sind die Regale hinter ihm beinahe leer. „Durch das Coronavirus und die Hamsterkäufe vieler Germeringer bleibt nichts mehr für uns übrig“, erzählt er in den neuen, deutlich vergrößerten Räumlichkeiten der Tafel. Einmal in der Woche, immer dienstags, können rund 1.000 der registrierten Germeringer hierher kommen und sich ihren Vorrat für die kommende Woche auffüllen lassen. Im Moment sei das sehr schwierig, so Quest. Statt sonst über 200 Klappkisten voller Lebensmitteln, waren es letzte Woche knapp 90. Die zehn bis 15 Ehrenamtlichen, die in der Regel die Waren ausgeben, stehen nun vor erheblichen Problemen. 30 bis 50 Prozent weniger Ware sind derzeit in der Tafel verfügbar – und eine Entspannung der Lage sei noch nicht in Sicht. Er könne nur an den Verstand und das Mitgefühl der Menschen appellieren, dass sie auch an andere denken sollen, wenn sie wieder zehn Packungen Nudeln oder Mehl in den Einkaufswagen legen, sagt Quest.

"Das Wohl der ehrenamtlichen Helfer steht im Vordergrund"

Wie derzeit bundesweit über 130 Tafeln muss auch die Germeringer Tafel vorübergehend die Ausgabe von gespendeten Lebensmitteln einstellen, da sie sonst den Schutz ihrer ehrenamtlich Mitarbeitenden sowie der Kunden nicht gewährleisten könnte. Grundlage für diese Entscheidung war eine Abwägung und Risikobewertung angelehnt an die Leitlinien des RobertKoch Instituts sowie die aktuellen gesetzlichen Vorschriften. „Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen“, so Sozialdienst-Geschäftsleiterin Sabine Brügel-Fritzen. „Aber die Mehrzahl unserer knapp 80 ehrenamtlichen Tafel-Helfer ist vom Alter her der Risikogruppe zuzuordnen und soll derzeit soziale Kontakte meiden. Da ist eine Mitarbeit bei der Tafel-Ausgabe natürlich problematisch. Außerdem lässt es sich bei der Lebensmittelausgabe leider nicht verhindern, dass die Kunden dicht gedrängt vor der Ausgabestelle stehen. Der derzeit notwendige Mindestabstand kann hier nicht gewährleistet werden. Aus diesen Gründen hatte Tafelleiter Jürgen Quest bei der letzten Tafelausgabe schon Neuland betreten und hat – unterstützt von Studenten – außerhalb der Tafelräume vorgepackte Tüten einzeln an die Kunden ausgegeben. Der erwartete Andrang blieb allerdings aus: nur vereinzelt kamen Kunden, um die Tüten abzuholen.“ Dienstagabend traf ein Schreiben des Bundesprogramms Mehrgenerationenhäuser ein mit der Aufforderung „zum Schutz der Nutzer der Mehrgenerationenhäuser die Türen der bundesweit rund 540 Mehrgenerationenhäuser zu schließen und in dieser ernsten Situation bis auf Widerruf keine Face-to-face-Angebote in den Häusern mehr vorzuhalten.“ Auch die Germeringer Tafel als Teil des MehrGenerationenHauses Zenja ist von diesem Schreiben betroffen. „Sobald sich die Situation entspannt, werden wir die Tafel wieder öffnen. Im Moment hoffen wir, dass wir den Betrieb wieder aufnehmen können und dürfen, wenn auch die Schulen wieder öffnen“, so Tafel-Leiter Jürgen Quest.

Becker/red

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