Struktur und feste Abläufe wichtig

Tagesstätte „Aufwind“ bietet psychisch Erkrankten vielfältige Gruppenangebote

Diplom Sozialpädagogin Ursula Kreis-Schaffert bietet mit ihren Kolleginnen ein vielfältiges Programm in der Tagesstätte Aufwind an.
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Diplom Sozialpädagogin Ursula Kreis-Schaffert bietet mit ihren Kolleginnen ein vielfältiges Programm in der Tagesstätte Aufwind an.
  • Claudia Becker
    VonClaudia Becker
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Germering – Den Schritt zu wagen, sich Hilfe zu suchen, ist meist der schwerste. Menschen, die sich entscheiden in die Tagesstätte Aufwind zu kommen, leiden unter einer psychischen Erkrankung und werden in der Regel psychiatrisch versorgt. Ursula Kreis-Schaffert und ihre Kolleginnen schaffen ein Zusatzangebot, das den Alltag der Betroffenen erleichtern soll und eine gewisse Struktur und vor allem Stabilität bietet.

Seit 4,5 Jahren befindet sich die Tagesstätte bereits in den ehemaligen Räumlichkeiten des Drogeriemarktes Schlecker in der Oberen Bahnhofstraße. Ganz nach ihren Wünschen wurden die Zimmer hergerichtet. Hell und offen gestaltet, mit viel Platz für Gruppenangebote, aber auch die Möglichkeit, sich zurückziehen zu können, sagt Kreis-Schaffert. In Fürstenfeldbruck gibt es schon lange eine Tagesstätte, die vorhandenen 30 Plätze seien für den ganzen Landkreis jedoch zu wenig gewesen. Nach langen Planungen konnte „Aufwind“ eröffnet und in den letzten Jahren immer wieder aufgestockt werden. Nun, mit 20 Plätzen, sei aber auch hier die geplante Kapazitätsgrenze erreicht. Die 20 Plätze, so erklärt es Kreis-Schaffert, bedeute aber nicht, dass nur 20 Menschen das Angebot in Anspruch nehmen könnten. Der feste Besucherstamm umfasst rund 50 Menschen. „Der eine kommt am Montag zu uns, wieder andere jeden Donnerstag – so teilen sich die Menschen einen Platz“, vermittelt die Diplom-Pädagogin. Wichtig sei nur, dass man regelmäßig vorbeischaue.

„Ein zweites Wohnzimmer“

Vor Ort wird dann in der großen Küche gemeinsam gekocht und später auch gegessen. Im Kreativraum kann gebastelt oder genäht werden. Und wer seine Ruhe braucht, kann sich mit einer Decke auf die Couch zurückziehen. „Unsere Besucher kommen selbstbestimmt – und können dann entscheiden, was sie tun wollen“, so Kreis-Schaffert. Keiner werde gezwungen. Dennoch müsse sich jeder mit in den Tagesablauf einbringen. Das kann in Form von kochen, Tisch decken oder gemeinsamen Gesprächen erfolgen. Die Gruppenarbeit sei dabei entscheidend, aber auch die immerwährende Tagesstruktur. Viele der Besucher sind alleinstehend oder haben kein festes soziales Umfeld, da ist die Tagesstätte wie ein zweites Wohnzimmer, „ein sicherer Ort“. Und das ebenso für Anfang 20-Jährige, wie Mitte 80-Jährige.

Die Tagesstätte bietet ein „niederschwelliges Zusatzangebot“, so Kreis-Schaffert. Es stehe nicht die Krankheit im Vordergrund, sondern das Gemeinschaftserlebnis und „sich zugehörig zu fühlen“, erklärt die Diplom-Pädagogin. Gemeinsam mit zwei Psychologinnen und einer Sozialarbeiterin ist sie im Wechseln von Montag bis Freitag von 9.30 bis 15.30 Uhr vor Ort. Dadurch, dass es sich um einen festen Besucherstamm handelt, könne man bei einer Verschlechterung des Zustands schnell reagieren und zusätzliche Angebote anregen, um einer intensiveren Pflege vorzubeugen. Grundsätzlich sei man bei der Tagesstätte auf einen langfristigen Besuch aus und biete keinen offenen Treff an.

Corona, so schildert sie es, sei zwar für alle Besucher zusätzlich zu ihrer Erkrankung belastend gewesen, habe aber keine direkte Auswirkung auf die Auslastung der Tagesstätte gehabt. „Zu uns kommen chronisch Erkrankte, die oftmals bereits in Rente oder erwerbsunfähig sind und dies seit vielen Jahren. Erstdiagnostizierte kommen zunächst nicht zu uns“, erklärt sie. Während der Lockdowns habe man viel mit den Erkrankten telefoniert oder geschrieben, um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Mit den Lockerungen war auch die Arbeit in Kleingruppen wieder möglich. Nur die Bewegungsangebote mussten bisher weichen. Aber auch das komme irgendwann wieder zurück, sagt Kreis-Schaffert optimistisch. Aktuell werden noch Masken getragen und wer nicht geimpft ist, weist einen tagesaktuellen Test nach. Sonst habe sich der Ablauf beinahe wieder normalisiert.

Für die meisten Besucher bedeutet es eine große Herausforderung zur Tagesstätte zu kommen – krankheitsbedingt natürlich. Depressionen, bipolare Erkrankungen, Traumata oder Psychosen erschweren den Alltag in vielerlei Hinsicht. Um so bestrebter sind Kreis-Schaffert und ihre Kolleginnen darin, den Besuchern eine gute Zeit zu verschaffen, sie von den Alltagssorgen abzulenken. „Beim Spielen eines Brettspiels oder Malen eines Bildes hat man nicht die Zeit über seine Erkrankung nachzudenken“, sagt die Pädagogin. Man hole die Menschen da ab, wo sie sind. „Wir wollen die Räume mit Leben füllen.“

Tagesstätte Aufwind für psychiatrieerfahrene Menschen

Obere Bahnhofstraße 60, 82110 Germering

Telefon: 089 89457350, Ursula.Kreis-Schaffert@caritasmuenchen.de

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9.30 bis 15.30 Uhr

Telefonische Erreichbarkeit des Teams jeweils von 9 bis 16 Uhr

Noch gibt es freie Plätze und jeder sei willkommen. Nach einem Erstgespräch wird geprüft, ob es für beide Seiten passe und dann könne es auch schon losgehen. Die Besucher müssen dabei nicht zwingend aus Germering, sollten aber aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck kommen. Das Angebot ist kostenfrei und auch zeitlich nicht eingeschränkt.

Claudia Becker

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