Das Märchen vom Ritter und dem Mädchen

Finnische Märchenstunde

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Das junge Mädchen wurde in einem dunklen Wald gefangen gehalten.

Germering – Ein junger, tapferer Ritter ritt mit einem schönen Mädchen aus einem dunklen Wald heraus. In dem Wald versteckten sich böse Geister, die das Mädchen gefangen gehalten hatten, und aus deren Händen hatte der Ritter sie gerettet, nachdem er tausend Gefahren und Schwierigkeiten überstanden hatte. Der Ritter hatte beschlossen, das Mädchen zur Frau zu nehmen, sobald sie sein Heimatland erreichen würden.

Sie ritten eine Zeitlang den Weg entlang und gelangten schließlich zu einer Stadt. Der Ritter wollte geradewegs durch das Stadttor hineinreiten, müde und hungrig wie er war. Aber das Mädchen war so sehr dagegen, sie forderte ihn sogar auf, die Stadt links liegen zu lassen. Daraufhin schlug der Ritter vor, dass sie nur in großer Eile dorthin abbiegen sollten, aber das Mädchen wollte sich nicht fügen. Der Ritter bemerkte, dass die Vorräte aufgebraucht waren und beschloss, den Einspruch des Mädchens nicht zu beachten, um wenigstens Essen zu besorgen. Das Mädchen sprang dann vom Sattel herab und sagte traurig: „Ich werde hier drei Tage auf dich warten, aber wenn du es in dieser Zeit nicht schaffst zurückzukommen, dann werde ich vor Trauer sterben.“ Der Ritter lachte. Wie er es fertigbringen sollte, drei Tage in der Stadt zu verbringen! In einer halben Stunde würde er seinen Einkauf erledigen. Der Ritter ritt zum Marktplatz der Stadt. Am Rande des Platzes war ein schöner Park, und mitten im Park prangte ein mächtiges goldenes Schloss. Der Ritter gewahrte, dass das Tor zum Garten offen war und so ritt er – neugierig wie er war – in den Garten. Dort war die wunderschöne Königstochter, die in Gesellschaft ihrer Hofdamen spazieren ging und als sie des Ritters gewahr wurde, lächelte sie ihn überaus anmutig an. Aber da vergaß der Ritter, was er tun wollte, er vergaß das von ihm am Straßenrand zurückgelassene traurige Mädchen, er vergaß alles. Vergeblich wartete das Mädchen auf ihn. Der Ritter kam auch nicht, als drei Tage vergangen waren. Da stürzte sich das Mädchen ohne Hoffnung auf den Weg und verwandelte sich in eine weiße Blume, damit die Vorüberkommenden sie zu Tode treten würden. Es geschah, dass ein Jüngling des Weges kam und die wunderschöne Blume erblickte. Er grub sie vorsichtig mit den Wurzeln aus und trug sie nach Hause. Dort pflanzte er sie in einen Topf, wässerte sie und pflegte sie auf jegliche Art und Weise. Aber des Nachts, als der Jüngling schlief, befreite sich die Blume aus ihrem Topf, putzte die Stube, brachte Wasser herbei und kochte das Essen. 

"Nuori urhoollinen ritari ratsasti esiin synkästa metsästä kauniin tytön kanssa. Metsässä piileskelevät ilkeät hiidet olivat pitäneet tyttöä vankinaan ja niiden käsistä hänet oli ritari pelastanut tuhannet vaaraT ja vaivat koettuaan." - Finnisch

Als der Jüngling am Morgen erwachte, schwebte sie wieder zurück in den Topf. Der Jüngling verwunderte sich sehr, wer des Nachts käme, ihm zu helfen und als es ihm nicht klar wurde, ging er zu einer alten Hexe, die am Rande des Dorfes wohnte, um mit ihr zu sprechen. Die alte Hexe fand sogleich heraus, dass die Blume die Helferin sei. Sie riet dem Jüngling die Nacht wach zu bleiben und die Blume genau im Auge zu behalten. Wenn es am Morgen hell würde, gerade wenn die Blume beabsichtige in ihren Topf zurückzukehren, sollte der Jüngling ein weißes Tuch über die Blume werfen und so könnte er sehen, was geschehen würde. Der Jüngling wachte die Nacht, er sah die Arbeiten der Blume, und als die Sonne aufging, gerade als die Blume in ihren Topf schlüpfte, warf er das Tuch über sie. Die Blume verwandelte sich augenblicklich in das Mädchen.Das Mädchen war sehr traurig. Sogleich fragte sie, ob der Jüngling vielleicht etwas von dem Ritter gehört habe. Der Jüngling erzählte, dass er gehört habe, dass die Hochzeit des Ritters mit der schönen Königstochter vorbereitet werde. Das Mädchen brach traurig in die Stadt auf, um dort um eine Unterredung mit dem Ritter zu bitten. Aber man erklärte ihr, dass der Ritter mit niemandem reden könne, weil die Trauung schon bald anfange. Da ging das Mädchen in die Schlossküche und bot sich als Hilfe des Kochs an. Der Koch, der wegen der Eile Hilfe gebrauchen konnte, nahm das Mädchen als Tellerwäscherin. Aber das Mädchen rührte das Geschirr nicht an, sondern bereitete einen Kuchen, so wunderbar, dass der oberste Koch, der alle Küchengeheimnisse kannte, einen derartigen Kuchen noch nie gesehen hatte. Der duftete so herrlich, dass der Koch ihn auf der Stelle zum Hochzeitstisch des Ritters brachte, damit er bewundert werde. Der Ritter schnitt ein Stück des Wunderkuchens ab und gab es seiner Braut, der Königstochter. Aber da hüpften zwei schneeweiße Tauben aus dem Kuchen. Sie begannen auf dem Tisch hin und her zu laufen, und die, die hinten lief, gurrte der vorne laufenden zu: „Verlass mich nicht, meine Geliebte, wart ein wenig, du vergisst mich, während du noch läufst, gerade so wie auch der Ritter das Mädchen vergaß, das vor Kummer fast gestorben wäre.“ Da erinnerte sich der Ritter an das Mädchen, das er am Wegrand zurückgelassen hatte, wo es auf ihn wartete. Er stürzte sogleich aus dem Saal, aber an der Tür stand das Mädchen schon vor ihm. Hand in Hand gingen sie aus dem Schloss hinaus. Am Tor des Schlosses wartete das treue Ross, das sie weit aus der Stadt hinaus brachte zum eigenen Schloss des Ritters. 

Quelle: Rudolf Koivu; Satukirja Helsinki Viides painos, 1990 Übersetzt von: Ingeborg Keil (2019)

red

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