Germerings Vize-Polizeichef Andreas Ruch gab Tipps

Abzocke ist zeitlos gefährlich

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Eichenau - Es ist ein verbreitetes Problem und auch in der Cornakrise geben sie keine Ruhe: Gauner, die bevorzugt Senioren um ihr Geld bringen wollen. Knapp 6000 Fälle gab es im Bereich des für die Region zuständigen Polizeipräsidiums. Germerings Vize-Polizeichef Andreas Ruch gab Tipps, wie man sich am besten schützen kann.

Zu der Veranstaltung, die schon vor der Stilllegung des öffentlichen Lebens durch den Coronavirus in der Aula der Starzelbachschule stattfand, hatten die Freien Wähler eingeladen. Polizeihauptkommissar Andreas Ruch hatte etliche anschauliche Fälle mitgebracht. Falsche Polizisten lösen falsche Enkel ab „Die Masche mit den falschen Polizeibeamten tritt vermehrt auf, weil sich der Enkeltrick doch herumgesprochen hat“, so Ruch, stellvertretender Leiter der für Eichenau zuständigen Polizeiinspektion Germering. Wie die Täter vorgehen, belegt er an Beispielen. „Diese können jeden treffen“, sagt er.

Täter bleiben bis zum Abwinken hartnäckig

Drei ältere Frauen aus Gauting etwa haben ihre Wertsachen sorgfältig zusammengestellt, nachdem ihnen mitgeteilt worden war, sie stünden auf der Liste einer Einbrecherbande. Eine 81-Jährige hätten andere Gauner von einer Bankfiliale zur nächsten dirigiert, damit die Dame jeweils das volle Tageslimit abheben konnte. „Dabei war diese Frau geistig voll fit“, stellte Ruch fest. Doch die Täter würden für ihr Vorgehen sehr professionell geschult und seien bis zum Abwinken hartnäckig. Um besonders glaubwürdig zu wirken, würden die Täter einen Komplizen hinzuziehen. Der sitzt mitunter in einem Wagen, der mit einem Blaulicht ausgestattet ist. „Das soll zusätzlich Vertrauen schaffen“, so Ruch. „Dabei kann man so ein Blaulicht überall kaufen.“

Ruch warnte vor sogenannten Microsoft-Anrufern

Doch die Täter richten sich nicht nur gegen das Klientel, das wegen seines Alters oder körperlicher Gebrechen mehr oder weniger hilflos ist. Ruch berichtete von einer 45- jährigen Geschäftsfrau, die sich einen Account in einem der Sozialen Netzwerke zugelegt hatte. Schnell sei sie von einem Unbekannten über das Netzwerk umschmeichelt worden, wie gut sie aussehe. Auch berichtete der vermeintliche Verehrer von einer beruflich guten Position und belegte dies mit echt aussehenden Aufträgen. Als die Frau Vertrauen geschöpft hatte, berichtete er von einer Notlage, aus der er mit einer Zahlung von 12 000 Euro befreit werden könnte. Erst nachdem die Frau die Summe bezahlt hatte und sich der Täter aus dem Netzwerk ausgeklinkt hatte, schöpfte sie allmählich Verdacht. Ausgerechnet der Ehemann der Geschädigten riet schließlich zur Anzeige. Ruch warnte zudem vor so genannten Microsoft-Anrufern, die Probleme am PC vorgeben. Diese würden meist Englisch sprechen. Ziel sei nur das Abgreifen persönlicher Daten oder Passwörter.

Tipps wie man sich schützen kann

1. Die Polizei ruft nie unter der Telefonnummer 110 an. Man sollte sich bei der nächsten Polizeidienststelle vergewissern, ob sich tatsächlich jemand melden will und unter welchem Namen. Wenn die Polizei jemanden kontaktieren will, dann tut sie das in schriftlicher Form.

2. Der Vorname sollte aus dem Telefonbuch und sämtlichen sonstigen Verzeichnissen genommen werden. Täter bevorzugen Opfer mit Vornamen, hinter denen Menschen einer älteren Generation stecken könnten. Zum Beispiel Erna.

3. Man sollte fremden Personen keine Auskünfte über Familienangelegenheiten, Vermögensverhältnisse und Daten erteilen. Im Zweifelsfall sollte eine Person hinzugezogen werden, der man vertrauen kann.

4. Keine Überweisungen über Western Union oder MoneyGram an Unbekannte. Das Geld ist mit dem Abschluss der Überweisung verloren.

5. Sollte jemand trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Betrügern auf den Leim gehen, sollte er das Gespräch mit Angehörigen keinesfalls scheuen. Dafür braucht sich niemand schä- men, wenn ihm so etwas passiert. Es sollten selbst kleine Beträge, die man durch die Gauner verloren hat, in jedem Fall zur Anzeige gebracht werden.

6. Man sollte ein gesundes Misstrauen gegenüber unbekannten Handwerkern und Personen an den Tag legen, die plötzlich Hilfe anbieten wollen.

Hans Kürzl

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