Im Gespräch mit Prinz Luitpold – Braukunst und das Weiße Gold – Zur Übernahme der Nymphenburger Porzellan-Manufaktur

Seine Königliche Hoheit, Luitpold Prinz von Bayern, in seinem Büro auf dem 1292 errichteten Schloss Kaltenberg mit einer wertvollen Hirschfigur aus Nymphenburger Porzellan. Foto: Dieter Metzler

Luitpold Prinz von Bayern ist unbestritten ein erfolgreicher Unternehmer. Das hat er mehrmals schon bewiesen. Zum Beispiel, als er die kleine Landbrauerei Kaltenberg und die Brauerei in FFB  zu einem mittelständischen Unternehmen aufbaute, oder auch als Ausrichter der seit 32 Jahren jährlich stattfindenden Kaltenberger Ritterspiele. Nun hat der Prinz auch noch die bis dato zum Wittelsbacher Ausgleichfonds gehörende Nymphenburger Porzellan Manufaktur übernommen.

Für die mit der Geschichte des bayerischen Königshauses Wittelsbach eng verbundene Nymphenburger Manufaktur ist Prinz Luitpold seit dem ersten Oktober nunmehr „Chef“ und Arbeitgeber der rund 70 Beschäftigten der Manufaktur, die seit 1761 noch heute ihren Sitz im denkmalgeschützten nördlichen Schlossrondell in München hat. „Ich habe Glück gehabt und wohl das günstigste Angebot unterbreitet“, sagte Luitpold. Er habe einfach an dem bei solchen Anlässen üblichen Ausschreibungsverfahren teilgenommen. Durch seine Übernahme werde sich am Geschäftsmodell der Manufaktur zunächst nichts ändern. Man werde es aber in aller Ruhe auf den Prüfstand stellen, teilte Prinz Luitpold mit. Sprunghafte Lösungen seien hier unangebracht. Nachdem es für den Wittelsbacher Ausgleichfonds in den vergangenen Jahren immer schwieriger wurde, den Einsatz der für den Erhalt und Ausbau notwendigen Finanzmittel als Stiftung des öffentlichen Rechts zu verantworten, sehe er als privater Geschäftsmann mehr Möglichkeiten, das operative Geschäft erfolgreich weiterzuführen. Die Nymphenburger Manufaktur ist einer der ältesten bayerischen Handwerksbetriebe, so Prinz Luitpold. Es handelt sich um ein bayerisches Kulturgut, das unbedingt erhalten bleiben muss. In der Erhaltung dieses einmaligen Kunsthandwerks sehe er eine Verpflichtung. „Sie finden Motive der ältesten Zeit, aber auch immer wieder neue“, so der Prinz. Man pflege Kontakt mit zeitgenössischen Künstlern. „Es wäre doch schön, wenn in 100 Jahren die Menschen anhand der Motive sehen, wie die Menschen im Jahre 2011 gelebt haben“, meinte Prinz Luitpold. Dieser Prozess müsse fortgesetzt werden und dürfe nicht erstarren. „Das Faszinierende an der Geschichte ist, dass in keiner anderen Manufaktur auf der Welt das Porzellan heute noch so produziert wird wie vor 260 Jahren“, berichtete Prinz Luitpold. „Hier bedeutet manu factum auch wirklich noch von Hand gemacht.“ Durch den Verzicht auf jeglichen automatisierten Herstellungsprozess sei die unerreichte Qualität des Porzellans gewährleistet, schwärmte Prinz Luitpold. Das beginne schon mit der Herstellung der Porzellanrohmasse. Wo viele Porzellanhersteller diese bereits fertig einkaufen, stamme die Nymphenburger Masse aus eigner Produktion. „Die muss dann zwei Jahre gelagert werden“, erläuterte Prinz Luitpold. „Und schauen Sie sich einmal diese feinen Malereien auf dem Teller an. Die Porzellanmaler arbeiten ohne Schablonen. Jedes Stück wird von Hand geformt und bemalt. Wenn man dann bedenkt, dass dabei berücksichtigt werden muss, dass die Masse beim Brennen um rund 20 Prozent schrumpft, so sind enorme Berechnungen anzustellen“, zeigte sich Prinz Luitpold begeistert von dem Kunsthandwerk.Für den Laien war das nicht immer unbedingt erkennbar, meinte Prinz Luitpold. Auch nicht, welche unglaubliche Arbeit dahinter steckte. Die Wertschöpfung sei verhältnismäßig gering, wenn man bedenke, dass beispielsweise für einen 2.000 Euro teuren Teller 250 Arbeitsstunden erforderlich sind. Die Produktion werde aber niemals in eines der „Billigländer“ verlegt, versicherte Prinz Luitpold. „Sie bleibt eine bayerische Manufaktur.“ Es gebe viele Kunstfreunde, die Freude an solchen Gegenständen haben, die zu einer gepflegten Wohnkultur beitragen. „Und die gibt es in allen Bevölkerungsschichten“. Man exportiere nach wie vor weltweit; natürlich nicht in großen Mengen. Aber, davon ist Prinz Luitpold überzeugt, die Zeiten werden sich auch mal wieder ändern. Die Geschichte der Nymphenburger Porzellanmanufaktur ist untrennbar mit der Geschichte des Hauses Wittelsbach verbunden. Porzellan war bereits im Barock ein begehrter Luxusartikel und zierte bald die Tafel vieler Königshäuser, vornehmer Haushalte und der Kunstsammler.

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