Gewaltfreie Kommunikation - Warum eine Juristin auf die Konfliktmediation von Dr. Marshall B. Rosenberg setzt

„Der andere ist schuld, und wenn der sich ändern würde, wäre alles ganz anders!“ Selten führt diese Kommunikation zu erfüllten und lebendigen Beziehungen. Im Gegenteil, sie kann Beziehungen belasten und sogar beenden. Wie man auf friedliche Art und Weise seine Wünsche und Bedürfnisse äußert und Konflikte mit einfühlsamer Sprache löst, das erklärt der bekannte amerikanische Konfliktmediator Dr. Marshall B. Rosenberg in seinen berühmten vier Schritten zur gewaltfreien Kommunikation schon seit über 30 Jahren. 60 bis 70 Prozent der Gerichtsverfahren im Zivilrecht wären vermeidbar, glaubt die seit 2003 mit Schwerpunkten im Bereich des Zivil- und Strafrechts als Rechtsanwältin arbeitende Susanne Pourroy-Assmann aus Grafrath, die auch als Berufsbetreuerin für Menschen mit seelischer Behinderung, sowie als Mediatorin, Coach und Kommunikationstrainerin auf der Basis der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) tätig ist.

Seit über 30 Jahren, mittlerweile in über 40 Ländern, wird die GFK erfolgreich eingesetzt, um die Bereitschaft zur Kooperation zu fördern. Auch in Deutschland wird sie zunehmend bekannter. So kommt die GFK in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wie z. B. im Bildungs- und Gesundheitswesen, der Wirtschaft, der Justiz – auch im Strafvollzug -, der Polizei und der Kirchenarbeit sowie in der Elternbildung erfolgreich zur Anwendung, informierte Pourroy-Assmann. Die Mediation stelle im Gegensatz zu einer juristischen Auseinandersetzung, wo das Parteilichkeitsgebot für Anwälte weitgehend eine einvernehmliche Lösung verhindere, die Vermittlung in einem Konflikt durch unparteiische oder vielmehr allparteiliche Dritte, mit dem Ziel einer Einigung dar. Im Rahmen der mediativen Konfliktlösung wird nach den individuellen Zielen der Parteien gefragt, um den Konflikt für die Gegenwart und Zukunft zu regeln, ohne nach Schuld oder „Schuldigem“ suchen zu müssen. Menschliche Beziehungen können aufgebaut oder erhalten werden. Die selbstverantwortliche Lösungsfindung fördert die Konfliktfähigkeit im Umgang miteinander. Konsensuale interessengerechte Lösungen sind schließlich durch die vier Grundregeln von Rosenberg zu erreichen. Erstens gilt es, die Beziehungsebene und die Sachprobleme eines Konfliktes zu trennen. In Verhandlungen beeinflusst die Beziehung der Beteiligten auch immer die jeweiligen Positionen und die Art der Kommunikation und erschwert so eine Lösung. Zweitens sollen in Verhandlungen Interessen, nicht Positionen diskutiert werden. Interessen lassen sich durch verschiedene Positionen befriedigen und ermöglichen so eine Fülle von Lösungen. Drittens kommt es darauf an, Wahlmöglichkeiten zum beiderseitigen Vorteil zu entwickeln, um die Vorstellung vom begrenzten Kuchen oder der einzig richtigen Lösung abzuhelfen. Und endlich sind viertens gemeinsame neutrale Beurteilungskriterien zu entwickeln, die eine faire Lösung für alle Beteiligten ermöglichen sollen. Aufgabe des Mediators ist es, eine konstruktive Kommunikation zwischen Streitenden zu ermöglichen und deren eigentliche Interessen und Wünsche mit gleichem Respekt hervorzuheben. Dabei wird davon ausgegangen, dass Menschen den gleichen Sachverhalt unterschiedlich wahrnehmen bzw. verschiedene Vorstellungen von einer Sache haben. Diese subjektiven Wertvorstellungen, Ziele und Wünsche gilt es herauszufinden und miteinander zu vereinbaren. Der Mediator fällt keine Entscheidung in der Sache, sondern ist lediglich für das Verfahren verantwortlich. Die Streitenden entscheiden freiwillig über Aufnahme, Fortsetzung und Beendigung des Mediationsverfahrens.

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