Inklusionsprojekt im Gymnasium

Schüler lernen Gehbehinderung, Gehörlosigkeit, Blindheit und Autismus zu verstehen

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Rollstuhlbasketballer vom USC München trainieren mit den Siebtklässlern Rollstuhl-Basketball, um Berührungsängste abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

Einen Perspektivwechsel der besonderen Art durften die siebten Klassen des Graf-Rasso-Gymnasiums Fürstenfeldbruck kürzlich im Sportunterricht erleben.

Fürstenfeldbruck – Statt auf zwei Beinen durch die Halle zu flitzen, hieß es „ab in den Rollstuhl“. Dass dies durchaus sportlich sein kann, zeigten die beiden Rollstuhlbasketballer Peter Schadt und Klaus Häfner vom USC München.

Verständnis zwischen Fußgängern und Rollifahrern schaffen

In raschem Tempo fegten sie mit ihren wendigen Sportrollstühlen durch die Halle, passten den Ball hin und her und trafen in den Korb. Im Selbstversuch mit den gestellten Rollstühlen merkten die Jungen und Mädchen schnell, dass einiges dazu gehört, wendig über das Spielfeld zu rollen und dabei noch den Ball zu kontrollieren. Doch schnell gewannen die Schüler mehr und mehr Kontrolle über ihr Fortbewegungsmittel. Sie nutzten die Gelegenheit, mit den Behindertensportlern gemeinsam zu trainieren und ihre Geschicklichkeit auszubauen. So gelangte schließlich der Basketball souverän von einem Spieler zum nächsten und unter Applaus der Zuschauer in den Korb. Auch für die Elternbeiräte, die mit finanzieller Unterstützung der Hans-Kiener-Stiftung und des Fördervereins dieses Projekt seit vielen Jahren organisieren, stand am Ende fest, dass es wohl kaum eine schönere Art gibt, Berührungsängste abzubauen und ein gegenseitiges Verständnis zwischen „Fußgängern“ und „Rollstuhlfahrern“ zu schaffen.

Im Gespräch mit einem Gehörlosen

Am zweiten Tag dieses Projektes wurden die Schüler mit Blindheit, Gehörlosigkeit und Autismus vertraut gemacht. Oliver Gnam, der das GRG bereits im vierten Jahr als Referent besuchte, schilderte mit den Händen äußerst lebhaft seinen Alltag als Gehörloser und wurde dabei von zwei Gebärdendolmetscherinnen und ihrem Praktikanten unterstützt. Seine positive Art ließ Ängste und Unsicherheiten schnell schwinden und so fragten die Schüler interessiert drauf los. In dieser munteren Interaktion kamen die Dolmetscher kaum mit dem Übersetzen nach.

Blindenhund Henry und nützliche Apps

Ebenso engagiert und interessiert zeigten sich die Siebtklässler beim Besuch von Dieter Dürr, der zur großen Freude der Schüler seinen Blindenhund Henry mitgebracht hatte. Beeindruckt vom Können des jungen Labradors verfolgten die Schüler das Zusammenspiel von Hund und Herrchen. Auch technische Hilfsmittel wie das Smartphone mit seinen vielen Apps für Blinde, wie etwa die Farberkennungs-App, sprechende Maßbänder und Küchenwaagen, erleichtern Dieter Dürr den Alltag, wie er den Schülern vorführte. So war es ein Mix aus sachlichen Informationen, persönlichen Erfahrungen und praktischen Einblicken in das Leben mit Sehbehinderung. Die Offenheit, mit der Dürr den Schülern begegnete und von seinem Lebensweg berichtete, ließ Berührungsängste schwinden.

Mit dicken Handschuhen im Buch blättern

An der dritten Station durften die Kinder selbst aktiv werden und sich einigen Herausforderungen stellen. Mit dicken Handschuhen kleine Perlen auffädeln oder eine bestimmte Seite in einem Buch aufschlagen, war ungewohnt schwierig. 

In Wahrnehmungswelt von Autisten eintauchen

In weiteren Wahrnehmungsexperimenten wurden die Kinder auf die andere Wahrnehmungswelt von Menschen mit Autismus eingestimmt. So gelang es der Referentin Beate Fürst, dieses komplexe Phänomen zu vermitteln. Fürst, die seit vielen Jahren die Eingliederung und Integration autistischer Kinder in Schulen begleitet, beantwortete alle Fragen mit vielen Beispielen. Zum Schluss machte noch ein Dokumentarfilm deutlich, wie sehr sich die Wahrnehmung autistischer Menschen unterscheidet. Wertvolle Tipps im Umgang mit den verschiedenen Ausprägungen von Autismus konnte die Referentin den Schülern mit auf den Weg geben.

red

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