Weltenbummler hielt Vortrag

Nach Nepal - mit Hindernissen 

+
Von seiner spannenden Reise berichtete der Allgäuer Thomas Bäumel im Fürstenfelder Veranstaltungsforum

Fürstenfeld -  Gegen ärztlichen Rat nach einem schweren Unfall mit einem Geisterfahrer  startete Weltenbummler Bäumel - inzwischen mit der „genauso verrückten und abenteuerlustigen“ Andrea Höß verbandelt - trotzdem zur gemeinsamen 2. Motorradreise 2001/2002 nach Nepal. 

Im  Städtischen Veranstaltungsforum Fürstenfeld  trug der Allgäuer Mediendesigner Thomas Bäumel, 50, aus Durach/Kempten  den Abschluß seiner ersten Motorradreise 1992-94 nach Nepal vor. Dann folgten die Bilder zu den Eindrücken und Schwierigkeiten zum zweiten Nepal-Unternehmen mit Partnerin Andrea Höß 2001/2002.

 

40.000 Kilometer legte er bereits 1994 bei seiner ersten Weltreise mit dem Motorrad unbeschadet zurück, um kurz nach der Rückkehr „in der beschaulichen Schweiz am San Bernhardino“ von einem Geisterfahrer  bei über 100 km/h zu einem Frontalaufprall gezwungen zu werden: Er überlebte mit zwei zertrümmerten Handgelenken, danach folgten erst mal  6 Monate  Reha. Erst nach fünf Jahren fasste er aber wieder  ein Motorrad an. 


Gegen ärztlichen Rat startete Bäumel  trotzdem mit Freundin Andrea Höß  zur gemeinsamen 2. Motorradreise 2001/2002 nach Nepal. Schon auf den europäischen „Anlauf-Kilometern“ sahen sie das Naturwunder der im Weltkulturerbe gelisteten  kroatischen Seenkette mit Wasserfällen und landeten in einem griechischen Felsenkloster. Hier zwang der orthodoxe Pope ihn, Bäumel, dazu, wegen der angeordneten Reinlichkeit die Hose runterzulassen. Seiner Begleiterin wurde der Bauch gewaschen und beiden prophezeit, dass sie zwei Söhne bekommen würden. „Das ist allerdings bis heute noch nicht eingetroffen!“


 Im türkischen Kappadokien beeindruckten die jahrtausendealten Behausungen als Fluchtburgen im Sandsteingebirge. Die Schwierigkeiten 2001 begannen an der türkisch-iranischen Grenze mit in Deutschland falsch ausgestellten Fahrzeugpapieren, mit Misstrauen und Verdächtigungen der Grenzer und einer 10tägigen Zwangspause bis zum Eintreffen der richtigen Papiere: Und genau in diesen Zeitraum fiel der 11. September 2001. In Erwartung einer politischen Zuspitzung einigte sich das Paar, die Durchreise Iran-Pakistan zu vermeiden und wich auf Syrien und Jordanien aus.


 In Syrien erfuhr man eine „unglaubliche Gastfreundschaft“ bei Beduinen, in Jordanien  die "Rosarote Stadt der Nabatäer", die Felsenstadt Petra. In Aqaba am Roten Meer schließlich die Möglichkeit, die Motorräder nach Indien einzuschiffen, um dann selbst per Flug nach dort zu gelangen: Mumbai/Bombay, die Mammutmetropole mit 20 Millionen Einwohnern einschließlich Umland und bestürzenden Elendsansichten. Danach eine anstrengende Weiterfahrt, querbeet durch Indien, wobei Andrea, damals 33 Jahre jung, inzwischen routinierter fuhr, mit Durchhaltevermögen und der notwendigen Gelassenheit in kritischen Augenblicken. Als Bäumel/Höß den Nordosten Indiens und damit auch Nepal erreichen, ist das Land, doppelt so groß wie Bayern, aber mit rund 30 Millionen Einwohnern stärker bewohnt vor den Bergriesen des Himalaya, seit 1996 im Bürgerkrieg. Ein Krieg zwischen, „Maoisten“ und  Regierungstruppen, der noch bis 2006 anhalten sollte - und mit einem Sieg der Bevölkerungsmehrheit über das Königshaus endete. 


Bis zum 28. Mai 2008 sollte sie noch auf die Ausrufung einer demokratischen Bundesrepublik warten müssen - und bis heute noch auf eine neue Verfassung. Trotz der politisch angespannten Situation beschliessen Bäumel/Höß, länger im Land zu bleiben, schließen ihre Motorräder ab und erkunden wegen der verkehrsmäßigen Unzulänglichkeiten das Land auf rund 1000 Kilometern rund um die Hauptstadt Kathmandu, um Pokhara und alte Königsstädte zu Fuß: Auf wochenlangen Trecks und alten Handelswegen, über 5000 Meter hohe Pässe, eingezwängt zwischen Mensch und Tier und viel Bedürftigkeit, aber auch mit Anteilnahme, Herzlichkeit von groß und klein. Unterwegs im Angesicht der Achttausender, von denen sich acht der weltweit vierzehn in Nepal an der Grenze zu Tibet befinden. In anrührenden Details hat Thomas Bäumel das Leben in diesen Monaten mit der Kamera eingefangen, auch das, was nicht auf den ersten Blick zu sehen ist   - oder auch gelebte Gläubigkeit ist: In prächtigen Hindu- und Buddhatempeln ebenso wie auch in windschiefen Berghütten. Und seine besondere Liebe galt dabei offensichtlich dem auf- und untergehenden Licht: Festgehalten in wunderschönen Morgen- und Abendstimmungen.

Info: thomas.baeumel@arcor.de, Tel. 0171-2782072.


Auch interessant

Meistgelesen

Horror-Szenario als Übung
Horror-Szenario als Übung
Ballenpresse fängt Feuer
Ballenpresse fängt Feuer
Bauhof im modernen Gewand
Bauhof im modernen Gewand
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare