Kreisbote-Bandportrait: Bullhead

Gradlinig und Ungebremst

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Die Mitglieder von Bullhead (von links): Hanjo (Gitarre), Stefan (Gitarre/Gesang), Ralf (Bass) und Tomáš (Schlagzeug).

Ein Bassist, der eigentlich Gitarrist werden wollte. Ein Gitarrist, den der Musikunterricht in der Schule langweilte. Ein Sänger, dem geile Lieder fehlten und ein Schlagzeuger der sich Rammstein als Vorband wünscht. Bullhead – eine Band, die ursprünglich nur zweimal im Jahr spielen wollte und nun genauso oft im Monat auftritt.

Gröbenzell – So ganz genau wissen Hanjo, Stefan, Ralf und Tomáš nicht, weshalb sie jetzt eigentlich Bullhead heißen. Hauptsache griffig sollte der Name damals sein, ebenso wie der Auftritt der Band im World-wide-Web. Wegen ihrer Domain www.Bullhead.porn, bei der schon Veranstalter Gäste explizit daraufhinweisen mussten, dass es sich bei .porn nicht um eine Plattform für Erotikfilmchen handelt, sondern wahrhaftig um das Aushängeschild jener Rockband, nehmen die Musiker gerne in Kauf. „Die Leute merken sich unsere Webseite, weil sie so exotisch klingt“, sagt Gitarrist Hanjo. Der 38-Jährige spielt die Gitarre bereits seitdem er ein Teenager war. „Mit 14 hat mich die Gitarre angelächelt und dann habe ich darauf rumgeklimpert“, sagt er. Damals spielte er Lieder, die wie er sagt „keiner hören wollte“, „richtigen“ Punk also.

"Ich wollte geile Lieder spielen"

Das habe sich allerdings geändert. „Mit 16-17 haben wir belanglose Lieder über Teenies, Sex und Alkohol geschrieben“, erinnert sich Gitarrist und Sänger Stefan. Acht Jahre lange spielte Stefan auf dem Keyboard, dann hatte er genug: „Ich wollte geile Lieder, von geilen Bands spielen wie ‚The Offspring‘ oder ‚Nirvana‘, aber das ging auf dem Keyboard nicht“. Kurzerhand erwirbt er von seinem gesparten Geld eine Gitarre. „Ich bin zu meinem Lehrer gegangen und habe gesagt, dass er mir etwas beibringen soll“, erzählt er. Und das hat er getan.

Vielschichtige Texte

Als Sänger übernimmt er bei Bullhead seit jeher das Texten: „Unsere Texte sind nicht plakativ, man erkennt den Sinn erst, wenn man drüber nachdenkt“, sagt er und nennt als Beispiel das Lied „Tomorrow“ (deutsch: morgen), das nicht, wie oft vermutet, von einer klassischen Liebestrennung handelt, sondern sich mit der Zerstörung der Erde durch die Menschheit befasst. Die Lieder handeln generell von Staat, Gesellschaft oder auch der Weltordnung.

"Wir spielen das was wir in unserer Jugend selbst gehört haben"

In ein „Korsett pressen“ lassen wollen sich die Musiker dennoch nicht: „Wir spielen das, was wir in unserer Jugend, den 90er Jahren selbst gehört und geliebt haben“, erzählt Stefan. Gemeint ist damit Punkrock und Grunge der 90er Jahre. Die Geschichte von Bullhead beginnt vor zwei Jahren. Damals spielten „Vambier“, eine Wortmischung aus den blutsaugenden Kreaturen der Nacht und dem alkoholhaltigen Hopfengetränk, in der Legends Lounge in Olching.

Suche nach Bassisten

„Hanjo und ich standen vor der Bühne und ich habe gesagt, dort könnten wir auch stehen“, erzählt Stefan. Gesagt, getan. Nur knapp ein Jahr später stehen die beiden auf eben jener Bühne – und zusammen mit Vambier. Ein Kumpel tritt kurzerhand als Schlagzeuger ein, für einen Bassisten schalten sie Anzeigen. „Das war ein riesiger Aufwand“, erzählt Hanjo. Belohnt wurden sie für ihren Einsatz zunächst nicht. „Du brauchst jemanden, der musikalisch, menschlich das Ähnliche will, wie du“.

"Du siehst nach fünf Minuten, ob jemand geeignet ist"

Ein Ausschlusskriterium war die Unzuverlässigkeit. „Chaos gerne, aber Unzuverlässigkeit ist scheiße“, bringt es Hanjo auf den Punkt. Nach langer Suche meldete sich der Italiener Daniele. Er blieb jedoch nicht allzu lange und zog Anfang diesen Jahres beruflich bedingt in den hohen Norden nach Oslo. Die junge Band befindet sich erneut auf der Suche nach einem Bassisten. „Das ist nervig, du brauchst Leute und siehst nach fünf Minuten, ob er geeignet ist“, erzählt Hanjo. Früher sei das einfacher gewesen.

"Für uns ist Geld keine Motivation"

„Da hast du dich mit Freunden zusammen gesetzt und dann hattest du eine Band“, sagt Hanjo. Hinzu komme, dass sich die Wünsche stark unterschieden. Die einen machen das als Hobby, andere wollen damit auch Geld verdienen. „Bei uns ist Geld keine Motivation“, erklärt Ralf. Doch der 45-Jährige dachte nicht immer so.Mit 20 Jahren wollte der Oberammergauer Profigitarrist werden. Mit der Karriere klappte es jedoch genauso wenig, wie mit der Gitarre. „Es gab erstens sehr viele die das wollten und zweitens waren viele besser“, sagt Ralf.

"Proben im Keller bei Freunden"

Heute spielt er Bass. „Wir waren drei Gitarristen und wir legten fest, dass der schlechteste Bass lernen muss“, erzählt er. Bei den „Alten Säcken“, einer Band, die sich aus Freunden zusammensetzte, probt er im Keller. „Das war ganz witzig, aber ich wollte raus“. Raus auf die große Bühne. Auf Festivals. Zu Bullhead. Hier konnte er nicht nur mit seiner Technik überzeugen. „Ich hatte den größten Bus“, sagt er. Der war damals sogar ein Einstellungsmerkmal, da sonst keiner der anderen ein Fahrzeug besaß, dass geräumig genug war, um das Equipment für die Festivals zu verstauen.

Zwei Auftritte im Monat

Der 24-jährige Schlagzeuger Tomáš ist mit Festivals groß geworden. Mit seinem Vater stand er oft vor den Bühnen der Großen. Der Jüngste im Team ist seit März 2016 dabei und spielte vorher Klavier, in der Mittelschule probierte er sich dann an den Trommeln aus und blieb dabei. „Wir wollten ein bis zweimal im Jahr auftreten“, sagt Stefan. Nun haben sie die gleiche Anzahl an Veranstaltungen in einem Monat, die meisten allerdings außerhalb des Landkreises, in München, Österreich und auch in Tschechien.

Nächstes Konzert im Kafe Kult

„Es ist cool solche Gigs zu bekommen, aber man muss auch hier spielen“, sagt Stefan. Bullhead will deshalb auch im Landkreis Fuß fassen, doch das sei nicht so einfach. „Es gibt hier viele gute Bands im Überfluss“, sagt er. Aber der Wille sei da. „Wir können uns gut vorstellen auch nur fünf Kilometer zu fahren, sofern die Bude voll ist“, sagt Ralf. Ihr nächstes Konzert gibt Bullhead am 9. September im Kafe Kult in München und im Landkreis spielen sie am 13. Oktober wieder im Legends in Olching, dort wo alles mit einer fixen Idee begann. 

Felix Hamann

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