Nach einem "holprigen" Start

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OB Klaus Pleil, Landrat Thomas Karmasin, Asylbewerber Mohammed Koudsi aus Syrien und Regierungspräsident Christoph Hillenbrand (v. links) bei der Info-Veranstaltung.

Fürstenfeldbruck – Zu einer Bürger-Info-Veranstaltung über die Lage der im Fliegerhorst seit Anfang Oktober eingerichteten Dependance der Erstaufnahmeeinrichtung München für Asylbewerber luden am 13. Oktober der Landkreis und die Kreisstadt die Bevölkerung in den Sparkassensaal an der Hauptstraße ein. Dabei ging es auch darum, wie man den 180 Flüchtlingen vorrangig und rasch helfen kann.

Erfreut zeigten sich die Veranstalter über das große Interesse der Brucker Bevölkerung. Nachdem der Sparkassensaal bis auf den letzten Platz gefüllt war, nahmen weitere Besucher in der angrenzenden Cafeteria Platz, wohin die Veranstaltung über Lautsprecher übertragen wurde. Die Fragen der Brucker Bürgerinnen und Bürger beantworteten Regierungspräsident Christoph Hillenbrand, Brucks Landrat Thomas Karmasin und Oberbürgermeister Klaus Pleil sowie Vertreter der verschiedenen Wohlfahrtsverbände und der ehrenamtlichen Helferkreise. „Die Welt ist aus den Fugen geraten, wir müssen zusammenhalten“, sagte OB Pleil bei der Eröffnung der Info-Runde. Hillenbrand schloss sich diesen Worten an und sprach von einer großen logistischen Herausforderung. Die Realität übertreffe die Prognose, so der Regierungspräsident. 

„Das schlimmste Szenario, das wir uns mit den Landräten ausgemalt haben, wurde noch übertroffen.“ Allein am vergangenen Wochenende seien 570 weitere Asylbewerber in der Bayern-Kaserne in München angekommen. Bis zum Jahresende werden es in Bayern pro Monat 4.500 sein, 1.500 jeden Monat für Oberbayern. Die Erstaufnahmeeinrichtung München ist die erste Anlaufstelle eines Asylbewerbers, wenn er nach Deutschland kommt. Das heißt, die Asylbewerber werden in der Münchner Bayernkaserne registriert, bekommen einen Gesundheits- check, und es werden, soweit möglich, die ersten Schritte im Asylverfahren eingeleitet. Die Flüchtlinge, die in die Außenstelle nach Fursty für ca. vier bis sechs Wochen kommen, bevor sie nach der „Aktenanlage“ in eine Asylbewerberunterkunft irgendwo in Bayern umziehen, brauchen die Unterstützung und Aufnahmebereitschaft der Brucker Bevölkerung, so Hillenbrand. 

Der Start in Fursty sei „holprig“ gewesen, aber inzwischen habe sich die Lage beruhigt. Derzeit leben die 180 Flüchtlinge noch in drei Sälen des ehemaligen Unteroffizierheims. Ende Oktober sollen sie in die 150 Stuben der drei Gebäudeflügel nahe dem Uffz-Heim umziehen. Bis Ende 2018 ist die Unterbringung in Fursty vertraglich gesichert. Insgesamt sollen bis zu 600 Asylbewerber im Fliegerhorst Platz finden. Die Asylbewerber im Fliegerhorst können auf eine Unterstützung durch die Bevölkerung rechnen. Noch am Info-Abend trugen sich 65 Bürgerinnen und Bürger in die ausgelegten Listen ein, um entweder materiell zu helfen oder sich ehrenamtlich zu engagieren. 

Dringend gebraucht werden Winterkleidung, Decken, Schuhe, Hygieneartikel, Spielzeug, aber auch funktionsfähige Fahrräder. Ebenso dringend werden ehrenamtliche Helfer benötigt. Pro 100 Asylbewerber ist zwar eine Asyl-Sozialbetreuerstelle eingerichtet, aber die sind in erster Linie dafür vorgesehen, den Asylbewerbern beim Asylverfahren, bei Arzt- und Behördengängen zu unterstützen. Ehrenamtliche Helfer werden in erster Linie für die Freizeitgestaltung, Kinderbetreuung oder Spaziergänge durch die Stadt gebraucht. Hillenbrand bat um Verständnis, dass die Hilfe von der Caritas koordiniert werden muss. „Die Hilfe muss organisiert sein“, so der Regierungspräsident. Es könne nicht jeder einfach am Tor am Fliegerhorst etwas abliefern. Brucks OB kündigte an, die Stadt werde einen Asyl-Perspektivkreis gründen. „Ich bin dankbar, dass wir so ein Klima im Landkreis haben, dass so viele helfen wollen“, freute sich Landrat Karmasin über die große Hilfsbereitschaft der Brucker Bevölkerung. 

Ein weiteres Problem stellt die Situation der zur Untätigkeit verurteilten Flüchtlinge dar. „Wir würden gern Fußball spielen oder anderen Sport treiben“, sagte ein Asylbewerber aus Eritrea. „Sport verbindet ebenso wie gemeinsames musizieren“, hält der Brucker Stadtrat Wilhelm Dräxler (BBV) und Migrationsreferent der Münchner Caritas den zwischenmenschlichen Bezug zu den Flüchtlingen für wichtig. „Wir sind freundliche Menschen“, sagte der 26-jährige Flüchtling Zakaria aus dem syrischen Aleppo, „Deutschland ist meine große Hoffnung.“ 

Die Caritas hat in der Hauptstraße 10 in Fürstenfeldbruck eine Annahmestelle für Bekleidung eingerichtet. Spender werden gebeten, zu den Öffnungszeiten (mittwochs 11 Uhr bis 15.30 Uhr und donnerstags 9 Uhr bis 13 Uhr) einfach vorbeizukommen und die Kleidung abzugeben. Eine vor- herige Anmeldung ist unbedingt erforderlich am Montag oder Mittwoch, jeweils von 13.30 Uhr bis 17 Uhr unter Tel. 0151/21593297 (asylberatung-ffb@caritasmuenchen.de). Wer ehrenamtlich helfen will, kann sich an Thekla Grotheer, Tel. 0151/52648253 (thekla.grotheer@caritasmuenchen.de) oder Juliane Rother, Telefon 0160/90133779 (juliane.rother@caritasmuenchen.de) wenden. Auf www.caritas-ffb.de wird Aktuelles bekanntgegeben. Am Mittwoch, 22. Oktober, 19 Uhr, findet in der Oskar-von-Miller-Straße 10 in Bruck ein Treffen für alle Interessierten statt. Die Helferkreise koordiniert Birgitt Epp, Telefon 08144-996662 (birgitt-epp@t-online.de).

Dieter Metzler

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