Schlechtes Zeugnis für Piazolo

Grund- und Mittelschullehrer wehren sich gegen Maßnahmen des bayerischen Kultusministers

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Die Grund- und Mittelschullehrer im Landkreis protestieren mit Plakaten gegen Maßnahmen- katalog des Kultusministeriums (von links): Christian Franke (1. Vorsitzender BLLV), Cathrin Theis (Schulleitersprecherin BLLV), Iris Gotzig (Junge BLLV) und Anita Müller (BLLV FFB).

Landkreis – Den Lehrern reicht es. Unter dem Motto „Lehrermangel – So nicht!“ rief der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) Grundschullehrkräfte im Freistaat zu Protesten auf, um ein Zeichen gegen die vom bayerischen Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) angekündigten Maßnahmen – unter anderem Einführung eines Arbeitszeitkontos, Anhebung der Antragsaltersgrenze sowie Einschränkungen in der Teilzeit – zu setzen. Der Minister will mit dem Paket die Unterrichtsversorgung weiterhin sichern und dem Lehrermangel im Freistaat entgegenwirken. Nun lud der BLLV zum Pressegespräch.

Seit Anfang Januar haben die rund 1.000 Grundschul-, Förder- und Mittelschullehrkräfte im Landkreis Gewissheit: Um den hier vorherrschenden Lehrermangel zu bekämpfen, sollen weitere Zusatzbelastungen auf sie zukommen – für den BLLV inakzeptabel. „Herr Piazolo hat damit das Fass zum Überlaufen gebracht“, bringt es der Vorsitzende des BLLV im Landkreis Christian Franke auf den Punkt. Bereits seit Jahren seien die Belastungen für die Grundschullehrkräfte zu spüren. Als Grund hierfür nennt er unter anderem die zunehmende heterogene Schülerschaft. So hätten Lehrer in ihrem Bestreben den Unterricht sowohl für den stark zu fördernden als auch hochbegabten Schüler informativ zu gestalten, mit zahlreichen Mehrbelastungen zu kämpfen.

 Heterogene Schülerschaft bringt Mehraufwand

Eine zunehmend wichtige Rolle spielt der Einfluss der digitalen Medien, die sich auf die Sprache der Schüler auswirken. Dazu kämen zahlreiche Schüler, die zum Beispiel an Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS leiden und somit besondere Unterstützung benötigen. „Wir sind diesem Bereich viel auf uns alleine gestellt“, sagt Anita Müller. So sei es nicht ungewöhnlich, dass die Pädagogen in Bezug auf Schuhe binden und Nase putzen Nachhilfe geben müssten. Das zu diesem vermeintlichen Aufgabengebiet zusätzlich weitere Belastungen dazu kommen, sei zu viel. „Die Kollegen sind willens das zu stemmen, aber es geht einfach nicht mehr“, fasst Cathrin Theis, Schulleiterin an der Graßlfinger Grundschule zusammen.

Junge Kollegen bereits unter Stress

Und das ginge nicht nur den bereits erfahrenen Lehrkräften so. „Die jungen Lehrer sind verängstigt“, weiß Iris Gotzig vom Jungen BLLV. Zahlreiche Kollegen schildern ihr, dass sie bei einer erneuten Wahl vermutlich nicht mehr Grundschullehramt studieren würden und bereits jetzt unter großem Stress stünden. Als große Kritikpunkte wird, neben der Erhöhung der Antragsaltersgrenze von 64 auf 65, die vom Kultusminister geplante Erhöhung der wöchentlichen Unterrichtszeit genannt. Während die Mindestteilzeit vor Jahren noch bei 14 Stunden lag, sei ein solcher Antrag nun nur noch ab 24 Unterrichtswochenstunden zu beantragen. „Wie soll eine Kollegin, die aufgrund ihrer Belastungsgrenze 14 Stunden pro Woche arbeitet, ihre Arbeitszeit auf 24 erhöhen?“, will Theis wissen. Dazu kommt die Einführung eines Arbeitszeitkontos für zunächst fünf Jahre – 28 Stunden in der Vollzeit plus eine Stunde sowie 14 Stunden in der Teilzeit plus eine Stunde. Die Zeit zum Vorbereiten des Unterrichts ist hier nicht eingerechnet. 

Entlastungen des Kultusministers nur Tropfen auf dem heißen Stein

Man hätte sich immer solidarisch gezeigt, aber auch das Kultusministerium hätte seine Hausaufgaben machen und Lehrer einstellen müssen. „Was ist mit den Leuten, die nicht angestellt wurden?“, stellt Franke in den Raum. Noch vor wenigen Jahren wurden Studenten mit einem Abschluss von schlechter als 1,7 nicht angenommen, erzählt er. Zwar hatte der Kultusminister Entlastungen angekündigt, davon gesehen haben die Lehrkräfte jedoch nichts. Zwar sei angeboten worden, dass in der vierten Klasse zwei Proben wegfallen sollen – das sei jedoch „nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Hilfreicher wäre es hier, die Zeugnisse von der ersten bis zur vierten Klasse, die meist mehrere Seiten umfassen, zu kürzen. „Alles muss für den Übertritt ausformuliert werden“, beklagt Anita Müller. Nicht ausreichend wertgeschätzt fühlen sich die Lehrkräfte auch in Hinblick auf die Bezahlung, so würden nur etwa fünf Prozent der Grund- und Mittelschullehrkräfte in Bayern eine Gehaltserhöhung bekommen.

Felix Hamann

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