Beim Sommerempfang der Kreishandwerkerschaft wurden mehrere Betriebsinhaber geehrt  

Fünf Betriebe mit dem Handwerkerpreis 2015 ausgezeichnet 

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von l.n.r.: Kreishandwerksmeister Harald Volkwein, Amtschef Wirtschaftsministerium Bernhard Schwab, Christa Held (Ehrung 50 Jahre Friseurbetrieb) Landrat Thomas Karmasin Gattin David , der davor kniet Xaver David (Friseur Germering – 1. Preis Landkreis) Gattin Rackl und Xaver Rackl (Bäckerbetrieb Olching – 3. Preis Landkreis) Karl Heinz Lauerer und Gattin (Sanitär-Heizungsbetrieb FFB – 1. Preis Stadt) Robert Breitsameter (Metzgereibetrieb Mammendorf – 2. Preis Landkreis) Vorne kniend (2. v. li.): Oliver Schmidt (Deko-Sign GmbH FFB – 2. Preis Stadt) mit seinem Asylbewerber aus   Senegal 2.  Bgm. Erich Raff. Foto: Metzler 

Fürstenfeldbruck – Zwei Betriebe aus der Kreisstadt, drei aus dem Landkreis wurden am 22. Juli beim Sommerempfang der Kreishandwerkerschaft mit dem Handwerkerpreis 2015 ausgezeichnet. Ein Betrieb erhielt für 50-jähriges Betriebsjubiläum eine Ehrenurkunde. Knapp 80 Gäste begrüßte Kreishandwerksmeister Harald Volkwein im Säulensaal des Veranstaltungsforums begrüßen. Unter den Gästen Landrat Thomas Karmasin, zwei seiner drei Stellvertreter, Martina Drechsler und Ulrich Schmetz, Brucks zweiter Bürgermeister Erich Raff sowie zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Banken und Schulen. 

 Die Festrede für den kurzfristig verhinderten Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium, Josef Pschierer, hielt sein Amtschef, Ministerialdirektor Bernhard Schwab. Musikalisch begleitete die Blaskapelle Odelzhausen den Sommerempfang. 3.000 Unternehmen aus der Stadt und dem Landkreis waren aufgefordert, sich zu bewerben. Die Resonanz fiel allerdings recht mager aus. Nur zwei Betriebe aus der Kreisstadt und sieben aus dem Landkreis hatten eine Bewerbung eingereicht. Neben einer Urkunde erhielten die Betriebe gestaffelt 500, 300 bzw. 200 Euro Preisgeld. Während die Stadt die Auszeichnung schon zum fünften Mal in Kooperation mit der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft vergab, beteiligte sich der Landkreis erstmals an der Auslobung, so dass auch Unternehmen aus dem Landkreis in den Genuss dieser Auszeichnung kamen. Ausgezeichnet wurden heuer Betriebe, die anerkannte Asylbewerber ausbilden bzw. beschäftigen. Mangels Bewerber vergab die Stadt nur zwei Preise. Mit dem zweiten Preis wurde das in der Hasenheide angesiedelte Unternehmen „Deko-sign“ ausgezeichnet. „Könnte ich bei euch arbeiten?“ fragte vor über einem Jahr ein in der Container-Anlage in der Hasenheide wohnender Flüchtling um Arbeit nach, berichtete Geschäftsinhaber Oliver Schmidt. Inzwischen arbeitet der Senegalese, der in seiner Heimat Drucker gelernt hatte, über ein Jahr in dem Unternehmen, allerdings sind nur 20 Stunden in der Woche genehmigt. „Ich würde ihn gern in Vollzeit beschäftigten“, zeigte sich Schmidt von der Mitarbeit des Flüchtlings sehr angetan. 

Unser Foto zeigt die Mitglieder/Gäste der Kreishandwerkerschaft im Säulensaal des Veranstaltungsforums Fürstenfeld.

Den ersten Preis der Stadt erhielt der Meisterbetrieb für Heizung und Sanitär von Karl Heinz Lauerer. Die Firma in der Münchner Straße bildet einen 22-jährigen Flüchtling aus Somalia aus München zum Anlagenmechaniker aus. Bei der Preisübergabe spendete Lauerer den Geldpreis und überraschte den Kreishandwerksmeister sichtlich damit, denn er müsse sich erst noch einen Verwendungszweck einfallen lassen, meinte Volkwein. 

Das Olchinger Bäcker-Unternehmen Rackl hat bereits vor fünf Jahren schon mit einem Mädchen aus Angola Erfahrung gemacht, die ihre Ausbildung erfolgreich beendete, während ein junger Bursche aus Äthiopien nicht durchgehalten habe, berichtete Xaver Rackl. Derzeit beschäftigt Rackl zwei Eritreer, einen Senegalesen und einen Flüchtling aus Sierra Leone. Rackl lobte die Flüchtlinge, die sehr motiviert seien. Wichtig sei, dass diese Menschen einen Rückhalt in der Firma spüren, so Rackl, der sich über den dritten Platz des Landkreises freute. Kurios war die Bewerbung von „Stanley“, einem Flüchtling aus Sierra Leone bei der Metzgerei Breitsameter in Mammendorf. „Er stand auf einmal im Laden und wollte Bäcker werden“, erzählte Robert Breitsameter, denn der in Mammendorf in der Asylunterkunft untergebrachte Flüchtling sah, wie Kunden mit Semmeln aus dem Metzgerladen gingen. Nach einer 14-tägigen Versuchsphase und Klärung aller bürokratischen Hürden, begann der Asylbewerber am ersten Dezember 2014 eine Ausbildung zum Metzger. Die Metzgerei Breitsameter erhielt den zweiten Preis des Landkreises. Den ersten Preis konnte das Friseurgeschäft David aus Germering in Empfang nehmen. Als Markus David das Friseurgeschäft in der Hartstraße vor elf Jahren übernahm lernte „Nelli“ aus Armenien dort und er übernahm sie kurzerhand mit. 

Noch heute arbeitet die junge Frau in seinem Betrieb und hat inzwischen sogar die Meisterprüfung abgelegt. „Zu dieser Initiative kann man Ihnen nur gratulieren“, schloss Festredner Bernhard Schwab seinen Vortrag, indem er zuvor das Wirtschaftswachstum in Bayern lobte, aber auch ansprach, was es noch zu tun gebe, damit es Bayern auch „morgen noch so gut gehe“. „Ich glaube, dass die beste Integration über den Arbeitsplatz gehe“, sagte Schwab und nannte die Preisvergabe als „genau den richtigen Preis zur richtigen Zeit.“ Landrat Karmasin bezeichnete in seinem Grußwort, das Handwerk als „enorm wichtige Säule für unsere Landkreis-Wirtschaft“ und lobte die Innovation und Bodenständigkeit. Arbeitsmarktpolitisch stelle die Beschäftigung von anerkannten Asylbewerbern eine große Zahl dar, aber wenn das Handwerk dieses Potential für die Wirtschaft nutzen könne, sei das aller ehrenwert. Vielleicht könnten die mit dem Handwerkerpreis ausgezeichneten Betriebe eine Vorreiterrolle einnehmen, meinte Brucks zweiter Bürgermeister Raff, und aus dem Flüchtlingsstrom könnte weiterer Nachwuchs requiriert werden. Aus den Händen der stellvertretenden Friseur-Obermeisterin Andrea Macha (Puchheim) und des Kreishandwerksmeisters erhielt Christa Held aus Olching die Ehrenurkunde der Handwerkskammer für München und Oberbayern für 50-jähriges Betriebsjubiläum. 

Dieter Metzler

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