Kreisbote-Bandportrait: Hee Haw Pickin' Band

Cowboy im Musikerherz

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Die Hee Haw Pickin‘ Band in ihrem Proberaum (von links): Ingbert, Mick, Bernd, Nico und Pit.

Cowboyhut, Peitsche, Sporen, Sattel – die Utensilien die in einem Raum im Keller eines Familienhauses an der Wand hängen, lassen bereits vermuten, was die fünf Männer hier für Musik spielen. 

Fürstenfeldbruck – Die hölzerne Bar am einen Ende und die verspiegelte Wand am anderen, der rote Vorhang, das diffuse Licht, die vergilbten „Wanted“-Zettel und schwarz-weiß Fotos zwischen den Instrumenten lassen schließlich keinen Zweifel mehr übrig. In diesem kleinen, privaten Saloon spielen echte Cowboys. Dabei stimmt das gar nicht. Die „Hee Haw Pickin‘ Band“ existiert unter diesem Namen bereits seit 1974 und hat sich von Anfang an dem Country verschrieben. Und zwar der echten Country-Musik, nicht dem „Möchtegern-County, dem Schlager-Zeug, das ‚in‘ ist und war“, wie die Mitglieder immer wieder betonen. So konzentriert sich die Band vor allem auf Country der 50er und 60er Jahre.

Neue Formierung wegen Wehrdienst

„Wir wollen back to the roots“, wie es Sänger Nico Röwenstrunk ausdrückt. Die perfekte technische Ausführung ist der Band dabei besonders wichtig. Als Pit Klement die Band 1974 gründete, wollte er mit Freunden einfach zum Spaß Musik machen. Doch gleich zwei Jahre später musste sich die Band neu formieren, weil der heute 61-Jährige zur Bundeswehr musste. Mit neuen Mitgliedern ging es auf kleinen Bühnen los. „Das erste Konzert hatten wir beim Steffelwirt“, erinnerte er sich noch heute. Nachdem die Band bei einem Bandcontest im Zirkus Krone den vierten Platz belegt hatte, ging es steil bergauf. „Wir haben viel in Country-Lokalen in München gespielt und wurden sogar von einer Agentur unter Vertrag genommen“, erzählt Pit.

Neufindung im Jahre 2008

Vor allem stationierte amerikanische Soldaten brachten die Liebe zur Country-Musik nach Deutschland. Doch als diese nach und nach abgezogen wurden, vergaßen die Deutschen ihre Begeisterung. „Vor allem Kinofilme zum Thema, wie „Walk the Line“, ein Film über das Leben von Johnny Cash, haben geholfen, dass auch junge Menschen den Country wieder entdecken“, so die Meinung von Bassist Mick Krippendorf. Als sich die Band 2008 komplett neu finden musste, weil sie im Grunde vor der Auflösung stand, war der Anfang nicht leicht. „Wir mussten komplett neu anfangen“, sagt Nico, der genau wie die anderen, zu diesem Zeitpunkt dazukam. „Wir haben mal aufgebaut und direkt wieder abgebaut, weil keiner gekommen ist“, erinnert sich Mick.

Mittlerweile eine feste Fangemeinde

„Doch uns war das Risiko bewusst. Wir wussten, dass wir mit unserer Art von Musik Geduld brauchen, bis das Publikum kommt“, sagt Ingbert Graf, der an der Pedal-Steel-Guitarre sitzt. Ein Instrument, dass den Liedern einen charakteristischen Country-Sound verleiht. Mittlerweile haben sie wieder ihre feste Fangemeinde, vor allem bei den monatlichen Konzerten im Rattlesnake Saloon in München. Dass sie alles richtig machen, bewiesen ihnen auch die zwei jüngsten Konzerte zusammen mit den Country-Superstars Dale Watson und James Intveld aus Amerika.Dass die Fünf nun so zusammen Musik machen, ist einem Zufall zu verdanken. Alle spielten bereits in verschiedenen Bands, die sich fast zeitgleich auflösten. So versammelten sie sich aus allen Himmelsrichtungen - München, Starnberg, Dachauer Hinterland - um den Brucker Pit.

Ihre Musik bringt die Leute zusammen

„Es ist schön, wenn verschiedene Altersgrupppen aufeinandertreffen und wie gut das funktioniert“, sagt Nico, mit 34 Jahren der Jüngste in der Runde. Das mache sich auch bei dem Publikum bemerkbar. Nico erinnert sich noch genau an eine Situation bei einem Münchner Konzert: „Wir haben gespielt und vor der Bühne stand so ein stämmiger Trucker mit Lederjacke, ein 19jähriger Abiturient und ein ziemlich spießiger Lehrer. Ohne Musik, wären die nie auch nur jemals nebeneinander gestanden. Das kann nur Musik“, erzählt er. „Wir können schon stolz sein, dass wir mit unserer Musik in so kurzer Zeit ein solch breites Publikum erreichen“, sagt Schlagzeuger Bernd Nawroki, mit 68 Jahren der Älteste.

Die Wertschätzung lässt zu wünschen übrig

In ihren kleinen eigenen Saloon kommen die Fünf mindestens einmal die Woche zusammen. „Wir proben jede Woche, weil wir unsere Qualität verbessern wollen. Natürlich können wir die Lieder alle spielen, doch wir beschäftigen uns mit Details“, sagt Nico, der auch eigene Songs mitbringt. „Wenn Nico mit einen Song ankommt, ist das nicht gleich fertig. Das ist viel Arbeit“, sagt Ingbert. „Und kostet Geld“, ergänzt Nico. „Wir entscheiden uns auch mal gegen einen Auftritt, wenn wir merken, dass die Wertschätzung für die Musik und die Arbeit, die dahinter steckt, nicht da ist“, sagt Nico. Diese Wertschätzung lasse leider zu wünschen übrig.

Sänger mit Pferdeallergie

Die Band hat die eigenen Songs erst in diesem Jahr auf CD gebannt. Damit ist „Nico sings Country with Hee Haw, Love and Friends“ ihr zweites Album. „In eigenen Songs, muss man immer von sich selbst erzählen, sonst wirkt es nicht authentisch“, sagt Nico. Es geht um Liebe, Sorgen, darum dauernd unterwegs zu sein und die Angst deshalb etwas zu verpassen. In ihrem Song „Oklahoma Saloon“ beispielsweise geht es um einen verstorbenen Saloon-Besitzer und Freund der Band. „Der Saloon wurde in nur wenigen Wochen leergeräumt. Wir haben nicht nur um unseren Freund getrauert, sondern auch um diesen Ort“, erzählt Nico. Von Heuballen, Ausritten in den Sonnenuntergang oder dem Leben auf der Weide, hört man in ihren Songs dagegen nichts. „Ich habe eine Pferdeallergie“, gibt Sänger Nico zu und muss lachen. 

"Ich habe mit meinem Vater immer Country gehört"

Seine Begeisterung für die Country-Musik hat er von seinem Vater. „Ich weiß noch, wie ich als Vierjähriger hinten im Mustang meines Vaters saß und wir von München rausgefahren sind und dabei immer Country gehört haben“, erinnert er sich. Der Cowboyhut, der Pferdesattel und alle anderen hängenden Zeugen des Wilden Westen im Bandraum kommen von den USA-Ausflügen des Bandgründers Pit - oder von Deutschen Flohmärkten.

Kohr

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