Herta Schuster aus dem Landkreis FFB feiert ihren 100. Geburtstag und führt ihren Haushalt noch selbst

Gratulation für das Geburtstagskind: 100 Jahre alt wurde Herta Schuster (3.v.r. mit dem Blumenstrauß). Die herzlichen Glückwünsche kamen von (sonst v.l.): Bernddieter Schobel, Vize-Landrätin Gisela Schneid, den Töchtern Irmgard Schuster und Elisabeth Schuster, Sohn Horst Schuster, Sozialreferentin Maria Röhl und Oberbürgermeister Sepp Kellerer. – Foto: Hans Kürzl

„Die Bäume hier waren noch ganz klein.“ Herta Schuster erinnert sich sehr gut an das Jahr 1970, in dem sie nach Fürstenfeldbruck kam. Obwohl seitdem bereits 42 Jahre vergangenen sind, hat Herta Schuster die Hälfte ihres Lebensweges hier verbracht. Am 3. August gratulierten der gebürtigen Siebenbürgerin Brucks Oberbürgermeister Sepp Kellerer, Vize-Landrätin Gisela Schneid und Sozialreferentin Maria Röhl herzlich zum 100. Geburtstag. Per Brief übersandten auch der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und Bundespräsident Joachim Gauck die besten Glückwünsche an die Jubilarin.

Das Licht der Welt erblickt hat Herta Schuster in Weingartskirchen, dem heutigen Vingard. Aufgewachsen ist sie allerdings in einem anderen siebenbürgischen Ort, in Rätsch (heute Reciu). Bereits zu ihrer Schulzeit erlebte sie dann, welche Folgen politische Großereignisse haben. „In einem Jahr habe ich noch ungarisch gelernt, dann rumänisch“, erinnert sich Schuster. Dieser Wechsel der Staatsgehörigkeit von Österreich-Ungarn zu Rumänien nach Ende des Ersten Weltkrieges war nicht der einzige im Leben von Herta Schuster. Doch zunächst absolvierte sie in Clausenburg erfolgreich ihr Studium der klassischen Philologie. Dabei schmunzelt Herta Schuster, denn viele hielten sie deswegen für langweilig. „So ein Typ mit Brille war ich aber nicht.“ Es folgte die Hochzeit mit einem Arzt, der aber nur ein halbes Jahr später an die Ostfront abkommandiert wurde, wo sich später dessen Spuren verloren. „Für eine richtige Ehe war ein halbes Jahr zu kurz“, meint Herta Schuster. Doch der Zweite Weltkrieg brachte für sie noch eine Veränderung mit sich. Im Jahr 1944 wechselte Rumänien die Seiten und kämpfte bis zum Kriegsende als Verbündeter der Sowjetunion. „Aus Freunden wurden Feinde“ erinnert sich Schuster. Und auch noch lange nach Ende des Krieges wurden sie und ihr zweiter Mann, Schuster hatte den Leiter der deutschen Schule in Bukarest geheiratet, mit Argwohn betrachtet. „Lehrer an einer deutschen Schule, da war man schnell verdächtig.“ Man habe mit Äußerungen vorsichtig sein müssen, so Schuster. Für ihren Mann war das schließlich Grund genug, an die Auswanderung nach Deutschland zu denken. Er sagte einmal zu seiner Frau: „Und wenn es nur ein Tag in Freiheit ist, den möchte ich erleben.“ Dieser Wunsch erfüllte sich für beide aber erst im Jahr 1970 mit der Ausreise nach Deutschland. Im Brucker Westen fand das Paar eine schmucke Wohnung, in der Herta Schuster heute noch lebt – zusammen mit Tochter Irmgard Schuster. Versorgen kann sich die Jubilarin noch selbst. „Ich bin froh, dass ich so selbstständig bin“, sagt sie und man sieht ihr den Stolz darüber direkt an. Als sie noch ihre fünf Kinder versorgen musste und dann beruflich tätig war, war für Hobbys keine Zeit. „Dazu hatten wir keine Zeit“, so Herta Schuster. Gern mehr Zeit genommen hätte sie sich für mehr Enkelkinder. „Es ist nur eins“, bedauert sie ein wenig. Doch gleich wieder zeigt sie ihr mildes Lächeln, das sie ihr Leben hindurch ebenfalls begleitet hat.

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