Zum Abitur wünschte sich Jana Pauly aus Gröbenzell finanzielle Unterstützung für Hilfseinsatz in Afrika 

 Vier Monate auf dem größten privaten  Hospitalschiff M/S Africa Mercy vor dem Kongo 

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Jana Pauly aus Gröbenzell mit zwei afrikanischen Kindern.

Gröbenzell – Ein ganz außergewöhnliches Geschenk zum Abitur wünschte sich Jana Pauly (18) aus Gröbenzell – sie will demnächst Medizin studieren – von ihren Eltern: finanzielle Unterstützung für einen viermonatigen ehrenamtlichen Einsatz auf dem größten privaten Hospitalschiff einer christlichen US-Hilfsorganisation, der M/S Africa Mercy.

Mit 400 Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Generationen arbeitete Jana dann nicht nur unentgeltlich in der Schiffs-Küche, sie erlebte zum Beispiel die Not und den Hunger der unterversorgten Babys und Kleinkinder in einem Waisenhaus in Pointe Noire, einer Stadt in der Republik Kongo, dem früheren Kongo-Brazzaville. Vor wenigen Tagen ist Jana von ihrem Einsatz aus Afrika zurückgekehrt, der am 22. Juli 2013 mit einer zweiwöchigen Überfahrt mit der Africa Mercy von Teneriffa aus begann. Bis zum 2. 11. 2013 arbeitete Jana als Köchin an Bord der M/S Africa Mercy.

Jana Pauly im Gespräch mit Afrikanern. 

 Sie hat – wie die christliche Organisation (Standort in Texas/USA) bestätigte, „nicht nur ihre Zeit in den Dienst für die ärmsten der Armen investiert, sondern sie zahlte ihren Flug in die Republik Kongo sowie eine monatliche Pauschale für ihre Unterkunft und Verpflegung an Board.“ Jana musste verschiedene Impfungen vor dem Einsatz nachweisen, darunter auch die Gelbfieber-Impfung und Hepatitis-Immunisierungen, und sie lernte an sechs Abenden auf dem Schiff Grundlagen der Landeskunde, die Politische Lage, Geografie und Kultur des afrikanischen Einsatzgebietes kennen. Auf der Africa Mercy sind ständig Hilfskräfte aus den verschiedensten Fachdisziplinen versammelt, darunter vor allem viele Mediziner. Freunde von Janas Eltern hatten als Arztfamilie hier bereits in einem freiwilligen Einsatz gearbeitet, und so interessierte sich auch die Gröbenzellerin dafür, die selbst einer christlichen Gemeinde im Raum München angehört.

Seit 1978 liefert Mercy Ships als christliche Hilfsorganisation dringend benötigte fachmedizinische Hilfe und langfristige Entwicklungszusammenarbeit in einige der ärmsten Länder der Erde (Togo, Guinea, Sierra Leone z.B.) Jana Pauly: „Auf dem Schiff waren auch Landwirtschafts-Experten, die eine biologische Landwirtschaft in ihren Projekten vermittelten – nicht mit Brandrodung, wie in Afrika üblich, sondern eine naturschonende Produktion mit natürlichen Düngersorten. Sie vermittelten dies in regelmäßigen Treffen mit den örtlichen Farmen“.

Jana Pauly vor dem  Hospitalschiff der christlichen Organisation aus den USA.

Gefragt nach ihren nachhaltigsten Eindrücken und Erlebnissen, berichtet Jana: „Das Waisenhaus“. Sie schildert, wie sie über die Türschwelle eintrat und ein kleines, vielleicht zwei Jahre altes Kind zu strahlen beginnt: „Der Kleine, er heißt Fabió, rennt auf mich zu, klammert sich an mich, presst den Kopf an meine Brust. Er hat sich so gefreut, dass ihm jemand individuelle Aufmerksamkeit zukommen lässt, dass ihn jemand hält, mit ihm spricht, ihm ein Spielzeug mitbringt und ihm Frühstück gibt.“ Denn die afrikanischen Helferinnen sind außerstande, jeden Säugling nach Plan zu füttern. „Die Kinder waren ohne Frühstück, als wir eintrafen“. Realität in einem afrikanischen Waisenhaus. 

Zweimal die Woche kamen die freiwilligen Helfer von ihrem Hospitalschiff aus in das aus zwei Räumen ohne abschließbare Türen bestehende Gebäude und kümmerten sich intensiv um alle Säuglinge und Kleinkinder. Sie rührten Milchpulver an, das sie mitgebracht hatten und besorgten frische Eier. Bei dem Gedanken an Fabió und das Waisenhaus ist es Jana ein Trost, dass der afrikanische Junge zumindest zweimal die Woche liebevolle Zuwendung durch Mercy Shipper erfahren kann. „Manche Kinder werden im Müll gefunden,“ berichtet Jana. Zum Beispiel ein 15 Monate altes Mädchen mit einem Körpergewicht von 3 kg. Es wurde in das Mercy Ships „Feeding Programme“ aufgenommen,  es steht aber immer noch sehr kritisch um die Kleine.

Auch eine andere Begegnung hinterließ bei der Deutschen einen tiefen Eindruck: Bevor das Krankenhaus seinen Betrieb aufnehmen konnte, gab es einen großen Haupt-Screening-Tag an dem tausende Afrikaner aus allen Landesteilen nach Pointe Noire zum Screening herbei strömten. Sie warteten stundenlang geduldig mit ihren Kindern und Säuglingen darauf, für eine Behandlung ausgewählt zu werden. Bei ihrer Tagschicht fiel Jana eine Frau auf mit einem Baby,  das wegen einer offensichtlichen Fehlstellung der Halswirbelsäule den Kopf nur in eine Richtung bewegen konnte. Die Frau hatte sieben Stunden in der langen Schlange ausgeharrt. Aber sie hatte nur eine OP-Karte für sich erhalten, weil das Team nicht über die nötigen Kapazitäten verfügte um der kleinen Idurah zu helfen. Als Jana sie ansprach, fing die Frau an zu weinen, und sie erklärte schluchzend, dann wolle sie zugunsten ihres kleinen Babys auf ihre eigene OP-Karte verzichten und lieber ihr Kind zur Operation geben.

Das größte private Hospitalschiff der Welt 

Jana: „Die Ausbildung der Ärzte in diesem Teil Afrikas ist dürftig. Wenn der Arzt Tabletten gegen Bluthochdruck verordnet, sagt er seinen Patienten nicht, wie man diese Tabletten einnehmen muss. Die Folge ist, dass die Patienten sie nach einer Weile, wenn sie sich besser fühlen, einfach absetzen. Gesichts-Tumore, Missbildungen, Infektionen, gynäkologische Probleme, Verbrennungen am offenen Feuer und dazu eine schlechte Ernährung oder Unterernährung sind häufig.“ In der Stadt Pointe Noire behandelte die Hilfsorganisation auch Patienten in der Augen- und Zahnklinik, und vielen Afrikanern konnte mit einer Brille geholfen werden. Den Notstand im Land erlebte Jana hautnah mit, als sie von einer einheimischen Küchenhelferin der Day-Crew, die auf dem Schiff tätig ist, zu ihrer Familie nach Hause eingeladen wurde. „Kochen über Feuer in Zentralafrika ist etwas ganz anders als bei uns. Da gibt es keine Schneidbrettchen und andere nützliche Küchengeräte. Man kocht in großen Töpfen und röstet Fisch über den Flammen.“ Dabei bleibt die Hygiene sehr häufig auf der Strecke. Wer sich im Land selbst bewegen will – der Kongo besteht aus zwei getrennten Staaten, der heutigen Republik Kongo, ehem. Kongo-Brazzaville und Französisch-Kongo, sowie der Demokratischen Republik Kongo, ehem. Kongo-Kinshasa, Belgisch-Kongo und Zaire – muss sich auf kleine Flughäfen mit nur einer Start- und Landebahn einstellen, auch auf verstopfte Toiletten vorübergehend ohne fließendes Wasser. (Das Flugzeug war ein sehr moderner und gut ausgestatteter Lufthansaflieger, wie die Flugzeuge von Ethiopian  Airlines aussehen,  weiß  Jana nicht).

Die einzige Zugverbindung zwischen Pointe Noire und Brazzaville (den beiden größten Städten der Republik Kongo) sei keine Alternative, erklärt Jana, davon raten sogar die Einheimischen ab: Der Zug ist mindestens doppelt so lang unterwegs wie der Fahrplan verspricht, bleibt öfter auf der Strecke stehen, oder wird überfallen. Doch all diese Erfahrungen in Westafrika haben Jana Pauly nicht abgeschreckt: Jetzt ist sie auf der Suche nach einer Klinik, bei der sie einen sechsmonatigen Bundesfreiwilligendienst absolvieren kann. 

Danach hofft die 18-jährige auf die Zulassung zum Medizin-Studium. Ein Wiedersehen mit Afrika scheint nicht ausgeschlossen.

 Hedwig Spies

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