Perzeptionsgeschichte 

Feldpostbriefe aus Stalingrad

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Dr. Jens Ebert 

Fürstenfeldbruck   - Stalingrad:  Wie  empfanden die im Kessel der Roten Armee eingeschlossenen deutschen Soldaten den Alltag zwischen Hoffen und Bangen, Hunger und Kälte?

Dieser Frage ging Dr. Jens Ebert, Germanist und Historiker aus Berlin, in seinem Vortrag „Feldpostbriefe aus Stalingrad“ am 24.10. vor den jungen Offizieranwärtern des 108. und 109. Offizierlehrgangs an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck nach. 

Die Stadt an der Wolga und der Untergang der 6. Armee der Wehrmacht stehen bis heute gleichermaßen als Wendepunkt für den Zweiten Weltkrieg und als Symbol für den Untergang des Dritten Reiches. Die Soldaten in Stalingrad, so Herr Dr. Ebert, vertrauten ihre Gedanken und Gefühle unzähligen Briefen an ihre Familie und Freunde an, die sie mit der Feldpost von Russland nach Hause schickten. In einer Zeit ohne Internet oder Handys bildeten Feldpostbriefe somit die einzige Verbindung der Soldaten zur Außenwelt. 


Sie wurden neben den für das Überleben wichtigen Lebensmitteln zur „geistigen Verpflegung“ der Eingeschlossenen. Angesichts des heutigen Wissens um die Schlacht und ihren Verlauf selbst verwundert es kaum, dass Themen wie Hunger, Kälte oder Läuse die bestimmenden Inhalte der Feldpostbriefe waren. 


Gleichzeitig flüchtete sich die Mehrheit von ihnen mit Hilfe der Feldpost in eine Traumwelt, in der sie versuchten, den Schrecken des Krieges zu entkommen. Verwundungen oder der Tod kamen fast nie zur Sprache oder wurden verdrängt. Der Krieg sollte aus den Briefen ausgesperrt werden, nicht auch noch Besitz von dieser letzten, heilen Welt ergreifen. Somit, so ein Resümee von  Dr. Ebert, sind es bis heute gerade die Feldpostbriefe der einfachen Soldaten, die einen einprägsamen und überwiegend unverfälschten Blick auf den Zweiten Weltkrieg und die Lebenswelt der Soldaten im Krieg ermöglichen.

Jochen Maurer, Offizierschule der Luftwaffe  



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