Historischer Fund zum Klosterleben anno 1639

Mehr zufällig stieß Birgitta Klemenz bei ihrer historischen Forschungsarbeit als Archivarin der Benediktinerabtei St. Bonifaz/München und Andechs auf eine schmale, handgeschriebene Kladde mit Aufzeichnungen zur Aufnahme von 249 Novizen zwischen 1639 und 1799 ins Fürstenfelder Klosterleben und ihrer weiteren Laufbahn.

Die Kreisarchivpflegerin stellte jetzt ihre erste Auswertung dem Historischen Verein im Pfarrsaal von St. Magdalena vor, begrüßt von Ehrenmitglied Robert Weinzierl in Vertretung von Otto Meißner. Normal ist und war, dass in allen Jahren christlich-klösterlichen Lebens die Äbte die Geschichte ihrer Häuser schrieben. Das Novizenbüchlein weicht hiervor ab mit eigenen Eintragungen der eintretenden „Konventualen“ zur Geburt, Herkunft und Familie. Das mochte auch im Interesse des an exakter, personeller Erfassung interessierten, seit 1640 gewählten und gleich 50 Jahre lang regierenden Abtes Martin Dallmayr gelegen haben. Schließlich befand man sich noch bei seinem Amtsantritt in den letzten wechselvollen Jahren des 30jährigen Krieges. Martin Dallmayr, 1612 in Bernried geboren und seit 1629 Angehöriger des Konvents in Fürstenfeld, entwickelte sich zum überragenden Klosterrepräsentanten in „der Bedeutung und Blüte Fürstenfelds“ (Katalog „In Tal und Einsamkeit“, 1988, Angelika Ehrmann/Mundorff, Peter Pfister und Dr. Klaus Wollenberg). Seit 1969 betreute er auch als Wiederbegründer und Abt das 100. Zisterzienser-Kloster in Waldsassen/Opf. Das im burgundischen Citeaux tagende Generalkapitel ernannte ihn wiederholt zum Visitator und Generalvikar der Zisterzienserklöster in Ober-, Niederbayern und in der Oberpfalz. Zu den „Zöglingen“ als Novizen im Kreis der Fürstenfelder Konventualen zählten außer dem Brucker Johann Hirsch (gestorben mit 91 Jahren in Inchenhofen) auch spätere Äbte wie Balduin Helm (1690-1705), Liebhard Kellerer (1714-34), Konstantin Haut (1734-45) und Alexander Pelhammer (1745-61). 1761 zählte das Kloster 48 Mönche, davon 41 Patres, 4 Novizen und 3 Laienbrüder: 38 Mönche stammten aus dem Kurfürstentum Bayern, die restlichen aus Pfalz-Neuburg, Augsburg, Schwaben und der Oberpfalz. Der Konvent Fürstenfeld galt als überbesetzt und hoch verschuldet durch den Kirchenneubau und dessen prunkvolle Innenausstattung, wirtschaftliche Unfähigkeiten und kriegsbedingte Belastungen. Hatte Abt Dallmayr 1690 noch ein Guthaben von 147.500 Gulden hinterlassen, so fand die staatliche Kommission bei der Klosteraufhebung 1803 einen Schuldenberg von 217.000 Gulden vor. Das war aber keine alleinige Schuldzuweisung an den letzten Fürstenfeld-Abt Gerard Führer (1796-1803). Das jetzt aufgefundene schmalhohe Novizenbüchlein über den Zeitraum von 160 Jahren (ab 1799 verbot ein kurfürstliches Dekret in Bayern die klösterliche Aufnahme weiterer Novizen) ist nicht nur ein selbstgeschriebenes Tagebuch über den Klostereintritt, sondern ergänzt auch durch Fremdeintragungen die weitere „Klosterlaufbahn“ der Betroffenen: So zu Profess (Ordensgelübde), Priesterweihe, sonstigen Amtseinführungen, besonderen Verdiensten sowie Sterbeort und -zeit. Bei Geistlichen in Latein geschrieben, bei den einfachen Laienbrüdern in deutscher Sprache. Ausgeschiedene Konventuale kreuzte man einfach durch, ohne ihren weiteren Lebensweg zu berücksichtigen. Zum Inhalt des Novizenbüchlein gehört auch der ganz allgemeine Kloster-Alltag mit Küchenrezepten; es wurden aber auch Aufwendungen in Geld und Naturalien für verschiedene profane Amtsinhaber aufgeführt. Die chronologisch durchgehende Paginierung (Seitenzahl) ist teilweise fehlerhaft: So fand Frau Dr. Klemenz heraus, dass bei einem Sohn aus der berühmten Asam-Familie (Pater Engelbert, 1683-1752) der Eintrag mittendrin abreißt und sich der Rest erst 8 Seiten später wiederfindet. Dessen Vater, der Maler Georg Asam, war zwischen 1696 und 1702 mit seiner vielköpfigen Familie in Bruck ansässig und hier gebar auch seine Ehefrau Maria Theresia zwei der Töchter. Das „Fürstenfelder Novizenbuch 1639-1799“ wird noch für einige forscherische Spannung sorgen. Man sah schon am Vortrags-abend im Pfarrsaal von St. Magdalena ein ums Büchlein versammeltes, enormes Publikunmsinteresse, nicht unähnlich dem Theaterbild zur „Eisprobe“ aus Brechts „Galileo Galilei“.

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