Der Baum des Jahres 2018: Die Ess-Kastanie

Ein Baum, der alles kann

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Volkmar Zimmer vor seinen Objekten aus Holz der Bäume des Jahres, in seinen Händen eine Schüssel aus Ess-Kastanien-Holz.

Volkmar Zimmer, Holz-Experte aus Germering fertigt jährlich Objekte aus dem Holz des Jahres und stellt diese aus. Der 87-Jährige weiß alles über die Ess-Kastanie. Dieser Baum ist der 30. der zum Baum des Jahres gekürt wurde. Zimmer ist mit der Wahl sehr zufrieden, hat er zu diesem Baum doch einen persönlichen Bezug.

Germering – Heiße Maronen aus der Tüte kennen die meisten, gibt es doch auf den Christkindlmärkten der Region oft einen Stand, der die Nussfrüchte verkauft. Der Baum dieser Esskastanien wurde vom Verein „Baum des Jahres“ und der Dr. Silvius Wodarz Stiftung zum Baum des Jahres 2018 gekürt und ist damit der 30. Baum mit dieser Auszeichnung – ein Jubiläum also. Volkmar Zimmer, Holz-Experte aus Germering fertigt jährlich Objekte aus dem Holz des gewählten Baumes und stellt diese aus. Der 87-Jährige weiß alles über die Ess- oder Edelkastanie, wie sie auch genannt wird. Er ist mit der Wahl sehr zufrieden, hat er zu diesem Baum doch einen persönlichen Bezug.

Objekte aus Holz

Volkmar Zimmer drechselte diese Objekte aus Ess-Kastanienholz.

Dass es die Ess-Kastanie zur Auszeichnung schafft, das wusste der Germeringer bereits Mitte des vergangenen Jahres. Immerhin hat er Kontakte zum Verein und zur Stiftung, hält im Botanischen Garten München Vorträge und Führungen zu Bäumen und stellt immer wieder zu bestimmten Themen seine unzähligen Drechselarbeiten aus. Dafür wurde er bereits von Horst Seehofer ausgezeichnet (wir berichteten). Deshalb fing Zimmer auch früh an, sich Holz für neue Objekte zu besorgen. „Der Stamm für diese zwei Schüsseln, die zwei Kegeln und den vielen Kugeln stammte aus der Pfalz“, sagt er und zeigt auf die Objekte in der Mitte des Tisches seines Büros, dessen Wände über und über mit Drechsel-Arbeiten zugestellt sind.

Kulinarische Vielfalt

Zur Pfalz hat er einen besondern Bezug, denn der Wahl-Germeringer ist dort aufgewachsen. In seiner Kindheit kamen Maronen in jeder erdenklichen Form auf den Tisch: Als angebratenes Gemüse, als Suppe oder Brot aus Maronen-Mehl. Nur werden die Maronen dort Keschde genannt. „Als Kind mochte ich den Geschmack nicht, doch heute esse ich sie gerne. Wenn das meine Mutter jetzt wüsste“, erzählt er schmunzelnd. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, wenn man hier Maronen kauft, dass diese dann aus der Pfalz kommen“, sagt er. Denn in der Pfalz besteht noch das größte Erntegebiet von Ess-Kastanien. In Bayern oder gar im Landkreis Fürstenfeldbruck stehen Ess-Kastanien meist nur als dekorativer und schattenspendender Baum in Parks.

Dekorativ im Frühling

Die Blüten der Ess-Kastanie.

„Mir ist in Germering eine Ess-Kastanie auf dem Friedhof St. Martin bekannt“, informiert Thomas Wieser vom Amt für Umweltschutz. Man könne die Kastanien dort zwar sammeln, aber Wieser zweifelt, dass diese eine besondere Qualität haben. „Ich weiß in der Nähe der Eichen- oder Blumenstraße in Germering bin ich einmal an einer wunderschönen Ess-Kastanie vorbeigefahren“, erinnert sich dagegen Vokmar Zimmer. Der Baum war gerade in voller Blüte. Es muss also etwa Mitte Mai gewesen sein. „Das Schönste an diesem Baum sind die Blüten“, findet der Baum-Experte. 

Achtung Verwechslungs-Gefahr

Die charakteristisch gelben Kätzchenblütenstände geben ein tolles Bild und unterscheiden sich von der in Bayern geläufigeren Rosskastanie stark. Obwohl der Name es zunächst nahelegt, haben Ess- und Rosskastanie wenig gemein: Während die Ess-Kastanie eng mit Buchen und Eichen verwandt ist, gehört die Rosskastanie zu den Seifenbaumgewächsen.

Volkmar Zimmer ist mit der Wahl des Baumes 2018 also voll zufrieden, auch weil „der Baum ein bisschen in Vergessenheit geraten ist“, wie er meint. Das Kuratorium Baum des Jahres stellte noch die Kornelkirsche und den Amberbaum zur Auswahl. „Aber die haben beide mit beiheimateten Bäumen noch weniger zu tun“, findet Zimmer.

Nützliches Holz

Die Ess-Kastanie

Doch ganz Deutsch ist die Ess-Kastanie auch nicht. „Der Baum hat eine recht junge Geschichte in unseren Breiten. Sie gilt zwar nicht als heimische Baumart, gehört aber – zumindest in Südwestdeutschland – längst in die über Jahrtausende entstandene Kulturlandschaft“, erklärt die Deutsche Baumkönigin 2018 Anne Köhler bei der Ausrufung im Berliner Zoo im vergangenen Jahr. Die Römer brachten die Ess-Kastanie schließlich vor rund 2.000 Jahren über die Alpen, erkannten die günstigen botanischen Voraussetzungen. Fortan waren Weinbau und Ess-Kastanie nicht mehr voneinander wegzudenken. Aus dem gegen Verrottung erstaunlich resistenten Kastanienholz fertigten Winzer Rebstöcke. Das Holz erwies sich weiter als brauchbares Material für den Hausbau, Fassdauben, Masten und als Brennholz.

Zukunft im Wald

„Gerade weil der Baum so anpassungsfähig, wärmeresistent und das Holz so robust ist, forschen Forstleute seit einigen Jahren, unter welchen Bedingungen die Ess-Kastanie in Deutschen Wäldern hochwertiges Holz für langlebige Bau- und Möbelholzprodukte liefern könnte“, informiert die Dr. Silvius Wodarz Stiftung. Volkmar Zimmer bereitet sich nun auf seinen Vortrag zur Ess-Kastanie bei dem Baumpflegetagen in Augsburg im April vor. „Danach werde ich mich wohl schon auf den Baum des Jahres 2019 konzentrieren“, sagt er. 

Miriam Kohr

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