Abtransport von Baumstämmen

Stämmige Seilakrobaten

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Rund vierhundert Meter Waldgebiet oberhalb des Hangs am Bahnhof Fürstenfeldbruck ging es schon vor einigen Tagen an den Kragen. Die abgesägten Baumstämme, Geäst und Sträucher wurden dort wild verstreut liegen gelassen – zumindest bis zum Sonnenaufgang des 20. Dezembers. Mit Anbruch des Tages begann die Bahn damit das tonnenschwere Holz abzutransportieren – und das auf eher ungewöhnliche Art und Weise. 

Fürstenfeldbruck - Das Rattern der Rotoren war bereits mehrere hundert Meter weit zu vernehmen, sodass einige Fahrgäste sowie auch Interessierte ihren Kopf gen Himmel streckten, um das Schauspiel zu beobachten: Ein Helikopter der österreichischen Firma Wucher schleppte an einem Stahlseil befestigte, gefällte Bäume zu einem Lagerplatz, von wo aus die Baumstämme zu Hackschnitzel verarbeitet und mit einem Lastkraftwagen abtransportiert wurden. 

400 bis 450 Festmeter Holz galt es zu entfernen

Zwei Piloten waren hierbei seit der Morgendämmerung abwechselnd für zwanzig Minuten im Einsatz. „Dann muss aufgetankt werden“, erklärte Georg Heindl, Geschäftsführer des Maschinenrings Oberland, der sich an der Operation beteiligte. Wieder voll getankt ging es für den Hubschrauber zur Sammelstelle, um das nächste Gehölz zu holen. Zwei Minuten benötigt der Pilot zum Transport von einem Baumstamm zum Zielort und wieder zurück. Das zieht sich bei einer Fläche von mehreren hundert Metern. „Wir reden hier von einer Fläche von 400 bis 450 Festmetern“, erklärte Christoph Galler, Teamleiter für Südbayern bei der Deutschen Bahn, verantwortlich für Fahrwegdienste. 

70 Prozent der Eschen im Naturschutzgebiet beschädigt oder Totholz

Beladen werden kann der Helikopter mit einem Gewicht von einer Tonne. „Anhand der Gewichtsmarkierungen an den Baumstämmen, wissen wir, wie wir ihn beladen dürfen“, erklärte Georg Heindl. So kann abgeschätzt werden, ob bei der nächsten Fuhre nur ein Baumstamm oder sogar zwei mitgenommen werden können. Eine weitere Rolle spielt auch die Tankanzeige. „Wenn der Tank voll ist, kann der Helikopter weniger Gewicht schleppen, als wenn er leer ist “, erklärte er. Für den extremen Notfall, dass der Stamm wider zu erwarten doch zu schwer für den Helikopter ist, kann der Pilot den Baumstamm auch ausklinken. Mit einem Lufttransport lose Holzstämme zu entfernen ist zwar aufwendig, habe aber einen einfachen Grund, erklärte Christoph Galler: „Durch den Hubschraubereinsatz wird der Hang nicht beschädigt“. Dieser befindet sich nämlich in einem Naturschutzgebiet. Jedoch seien hier 70 Prozent der Eschen beschädigt oder Totholz, das es zu entfernen gelte. „Die Bäume hier leiden an Pilzen“, ergänzte Bernd Honerkamp, Sprecher der Deutschen Bahn in Bayern. „Diese Maßnahme ist die beste Maßnahme für Boden und Natur“, sagt Galler. Noch dazu müssten keine Gleise gesperrt werden, sodass es nicht zu Engpässen bei der Bahn komme. „Die Bäume stellen mittelfristig eine Gefahr für den Zugbetrieb dar“, erklärt Galler. 

Vorsichtsmaßnahme für Unwetter oder Schnee

Bei einem Unwetter oder Schnee, könnten sie sonst auf die Gleise brechen. Wenngleich der Abtransport sich schon schwierig anhört, die größte Herausforderung ist eine andere: „Die Sicherheit ist die größte Herausforderung“, erklärt Galler. Deshalb sichern etwa 20 Mitarbeiter der DB-Security den Bahnhof ab. Kahl bleiben soll der Hang langfristig allerdings nicht. „Es wird wieder Wald entstehen“, sagt Galler. Und auch vor einem abrutschenden Hang kann Galler beruhigen. „Erst wenn lange Zeit keine Bäume stehen, kann das passieren.“ Das sei aber nicht geplant. Anstatt von Eschen, sollen laut Galler stattdessen Buchen oder Ahorn am Hang wachsen. „Im Juni ist der Hang wieder bewaldet“, beschwört er. Glücklich schätzen kann sich der Waldteil, der sich richtung Buchenau erstreckt, hier muss nicht gefällt werden, da der Abstand zwischen Bäumen und Gleisen kein Risiko für den Bahnverkehr darstelle. 

An Heilig Abend wurde nicht gearbeitet

Sofern es das Wetter erlaubt, werde die Bergung planmäßig am 22. Dezember abgeschlossen sein. Behindere jedoch Nebel oder starker Wind die Arbeiten, könnten sich die Flüge noch etwas hinziehen. „Alles, was die Sicht des Piloten einschränkt, ist gefährlich“, erklärt Galler. Nur so viel war klar, an Heilig Abend wurde nicht mehr gearbeitet, hier blieb der Hubschrauber auf dem Boden. 

Felix Hamann

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