450 Jahre Gröbenzell

Johann G. Böhmer erforscht die Geschichte der Gröbenhüter

Johann G. Böhmer präsentiert sein Erstlingswerk über die Gründung Gröbenzells.
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Johann G. Böhmer präsentiert sein Erstlingswerk über die Gründung Gröbenzells.

Gröbenzell – Gemeinhin wird Gröbenzell als „junge Gemeinde“ wahrgenommen, schließlich wurde der Ort erst 1952 als politische Gemeinde konstituiert. Mit seinem im November 2020 erschienenen Buch „450 Jahre Gröbenzell 1570-2020. „mein Fürst und Herr hat a[nn]o 1570 ein Haus ... aufsetzen lassen“ - Gründung und Geschichte des Gröbenhüter-/Gröbenzollnerhauses bis zum Jahr 1795“ möchte der Gröbenzeller Johann G. Böhmer nun mit diesem Irrglauben aufräumen, denn eigentlich reicht die Ortsgeschichte bis ins Jahr 1570 zurück.

Böhmer, seit 2003 Mitglied der Gröbenhüter, dem historischen Verein Gröbenzells, und seit kurzem Ehrenmitglied (wir berichteten), hat die Gründungsurkunde von Gröbenzell entdeckt und den Beweis für das exakte Gründungsjahr des Ortes erbracht. Doch wie kam es dazu?

Franz Fürst, ein Bekannter Böhmers, wies ihn auf das Extrakt eines Salbuchs des Kastenamts Dachau aus dem Jahr 1583 hin, in welchem die Gründung Gröbenzells beschrieben sei. Diese jährte sich 2020 zum 450. Mal. Also ein Jubiläumsjahr. Ein Salbuch stellt hierbei eine Art herrschaftliches Verzeichnis von Grundstücken, Rechten und Besitz dar. Das Dokument beschreibt, wie der damalige bayerische Herzog Albrecht V. ein zweistöckiges Haus errichten ließ, um einen „Gröbenhüter“ einzusetzen, der das umliegende Land, die Straßen und den Gröbenbach beaufsichtigen sollte.

Also machte sich Böhmer auf die Suche nach dem Original. „Frühere Chronisten haben gute Arbeit geleistet, doch teilweise haben sie das Gründungsjahr nur beiläufig genannt und auch keine Signaturen angegeben, wo sie ihre Nachweise her haben, auch beim Salbuch“, erklärt Böhmer seine Recherchearbeit. Im Hauptstaatsarchiv in München wird er schließlich fündig.

Gröbenhüter zeigen sich begeistert

Seine Entdeckung präsentiert er daraufhin dem Vorstand der Gröbenhüter. Der historische Verein, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, das historische Erbe des Ortes zu bewahren und sich mit seinem Vereinsnamen auf eben jene historischen Gröbenhüter rückbezieht, über die Böhmer recherchiert, zeigt sich begeistert.

Und so bitten sie ihn darum, einen Beitrag für das jährlich bis zu zweimal erscheinende Mitteilungsblatt des Vereins zu verfassen, immerhin hatte er bereits in den letzten Jahren mehrere Aufsätze, unter anderem über die sogenannte Russenbrücke oder den Böhmerweiher, publiziert. Zwischen vier und zwölf Seiten sollte sein Beitrag lang werden, doch Böhmer hatte Größeres vor.

Böhmers Buch erklärt die Gründung Gröbenzells.

„Es ist wie ein Mosaik, dessen Steine nach und nach ineinander passen.“

Er beginnt mit seiner akribischen Quellenarbeit, denn sein Anliegen ist es, ein Gesamtbild zu erstellen, frühere Fehler zu korrigieren und inhaltliche Lücken zu füllen, dabei jedoch methodisch und genau zu arbeiten und nichts hinzubiegen, nur weil man es hören will. „Ich will dem Autor, den genannten Personen und der Geschichte gerecht werden und den Lesern ermöglichen, sich ein eigenes Urteil zu bilden“, beschreibt Böhmer sein Vorgehen. Hierbei sieht er sich in der Tradition früherer Ortschronisten. „Alles, was die Chronisten schreiben, ergänzt sich Stück für Stück“, erklärt er. Auch seine Recherchen fügen sich ein: „Es ist wie ein Mosaik, dessen Steine nach und nach ineinander passen.“

Etwa zwei Jahre ist es nun her, dass Böhmer mit den ersten Überlegungen begann, zuletzt war er zwischen zwei und drei Monate 20 Stunden pro Woche mit seiner Recherche und dem Niederschreiben beschäftigt. Herausgekommen ist ein 116-seitiges Buch, in welchem Böhmer Inhalt und Kontext der Gründungsurkunde beschreibt, alle Gröbenhüter samt ihrer Besonderheiten, wie Anstellungsdauer oder Gehalt, nennt und die Geschichte des Gröbenhüterhauses bis zum Jahr 1795 beleuchtet. Zudem bebildert er sein Werk zur Illustration mit zahlreichen Farbfotos des Salbuchs, alter Urkunden, Zeichnungen, Landkarten, Grundrissen und Postkarten. Und auch sein Verzeichnis ist akkurat gearbeitet, „damit jeder schnell und einfach nachvollziehen kann, mit welchen Quellen ich gearbeitet habe und meine Recherchen fortführen kann.“

„Schon damals wussten sie, wie man mit Schriften umgeht und alte Ausgaben zu Rate zieht.“

Johann G. Böhmer, Autor

Und so ist es ihm trotz Corona gelungen, sein Erstlingswerk noch im Jubiläumsjahr 2020 fertig zu stellen. Um das zu ermöglichen, hat auch die Verlagsdruckerei Schmidt ihren Beitrag geleistet. Es war das erste Mal, dass Böhmer und die Gröbenhüter als Herausgeber des Werks mit dem Verlag zusammen gearbeitet haben. Bisher wurden die Mitteilungsblätter der Gröbenhüter selbst und ohne Verlag produziert.

An die Zusammenarbeit mit dem Verlag denkt Böhmer gerne zurück: „Das war einfach super. Der Verlag ist auf meine Wünsche bei der Gestaltung und beim Layout eingegangen und hat sogar selbst fünf Vorschläge präsentiert.“ Zudem berichtet er, dass ihm keinerlei zeitlicher Druck gemacht worden war und seine inhaltlichen Veränderungen nachvollzogen wurden.

Für seine Arbeit habe er bereits positives Feedback erhalten, auch von Fachleuten, wie Archivare und Historiker. Von den 1.000 gedruckten Exemplaren der ersten Auflage sind noch etwa 150 Bücher übrig. Böhmer und die Gröbenhüter stellen bereits eine weitere Auflage in Aussicht.

„Aufarbeitung der Geschichte des Gröbenhüters auch ein Stück Familiengeschichte“

In gewisser Weise war „die Aufarbeitung der Geschichte des Gröbenhüters auch ein Stück Familiengeschichte“, wie es in seinem Buch zu lesen ist, denn Böhmer stammt selbst aus einer alten Gröbenzeller Familie und wuchs auf dem ehemaligen Gut Gröbenzell auf, über welches er nun berichtet. „Es ist scho‘ spannend“ etwas zu recherchieren, das er seit Kindheitstagen kannte und wovon er auch in der Schule im Heimatkunde-Unterricht immer wieder gehört hatte, erklärt Böhmer.

Nun nach Veröffentlichung seines Erstlingswerks hat er Blut geleckt: Sein nächstes Projekt hat er schon in Aussicht, denn „die Dynamik, die hinter der Geschichte steckt ist das Interessante“. Und so können sich interessierte Leser bereits auf weitere historische Themen von Böhmer freuen.

Sein Erstlingswerk gibt es für 19,50 Euro im Internet zu bestellen, kann jedoch auch vor Ort in Gröbenzell in der litera Buchhandlung und bei Zeitschriften Sibaai erworben werden, zudem bei der Buchhandlung Bräunling in Puchheim und in Olching bei Der Buchladen.

Geiger

Infoblock zum Buch

Titel: „450 Jahre Gröbenzell 1570-2020. „mein Fürst und Herr hat a[nn]o 1570 ein Haus ... aufsetzen lassen“ - Gründung und Geschichte des Gröbenhüter-/Gröbenzollnerhauses bis zum Jahr 1795“

Autor: Johann G. Böhmer

Herausgeber: Die Gröbenhüter - Historischer Verein Gröbenzell e.V.

Gesamtherstellung: Verlagsdruckerei Schmidt, 91413 Neustadt an der Aisch

Bildbearbeitung: Werner Urban

Jahr: 2020

Auflage: 1.000 Stück

ISBN: 978-3-96049-082-1

Seitenanzahl: 116 Seiten

Kosten: 19,50 Euro

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