Infoveranstalung in Jesenwang

"Energiewende nur mit Windkraft zu schaffen"

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Mit 100 Teilnehmern befanden sich auf dem Gelände der Infoveranstaltung zum geplanten Windrad bei Jesenwang genau so viele Personen, wie aufgrund der Corona-Beschränkungen zulässig waren.

Jesenwang - Das Interesse an der Infoveranstaltung zum geplanten Windrad südlich von Jesenwang war groß. Genau 100 Menschen fanden sich auf dem Vorplatz der Feuerwehr ein – mehr waren aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht möglich. Allerdings versammelten sich noch etwa 20 weitere Personen außerhalb des abgesperrten Bereichs

Nicht nur Vertreter der Freisinger Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG), die das Windrad bauen wollen, sprachen bei der Veranstaltung. Auch Vertreter von Ziel 21 und Raimund Kamm von der Landesvertretung Erneuerbare Energien waren anwesend. Sie alle betonten, dass die Energiewende nur mit Hilfe der Windkraft zu schaffen sei. Doch die 10H-Regelung in Bayern erschwert das Vorhaben laut Andreas Henze von der BEG. Die Fläche im Wald südlich von Jesenwang ist die einzige 10H-Fläche im Landkreis. 

Prüfungen, Gutachten und Genehmigungsverfahren

Bis sich dort vielleicht einmal das geplante Windrad dreht, ist es aber noch ein langer Weg, wie Henze ausführte: Man sei mit dem Antrag auf Vorbescheid noch in einem sehr frühen Projektstand. Erst wenn diverse Prüfungen, Gutachten sowie die wohl ein Jahr lang dauernde spezielle artenrechtliche Prüfung durchgeführt worden seien, könne das eigentliche Genehmigungsverfahren beginnen. Für eine Überraschung sorgte indessen Ziel 21-Chef Gottfried Obermair, der erklärte: „Es wird nicht das letzte Windrad im Landkreis sein, über das wir diskutieren.“ Denn zwar sei die Fläche bei Jesenwang die einzige, die die 10H-Vorgabe der Regierung erfüllt. Doch diese Regelung könne durch eine Bauleitplanung – also einen Flächennutzungsplan für die Windkraft – ausgehebelt werden. Obermair und sein Ziel 21-Kollege Werner Zauser deuteten an, dass es bereits entsprechende Gespräche gebe. Wo das genau ist, dazu schwiegen sie.

Fadenscheinheiliges "Nein" reicht nicht

Zum geplanten Windrad informierten unter anderem (von links): Andreas Henze von der BEG, Raimund Kamm (stehend) von der Landesvertretung Erneuerbare Energien, Jesenwangs Bürgermeister Erwin Fraunhofer und Werner Hillebrand-Hansen von der BEG. 

Bürgermeister Erwin Fraunhofer erläuterte außerdem die Gründe für die Zustimmung des Gemeinderats zum Vorbescheid, für die das Gremium von Windkraftgegnern harsche Kritik geerntet hatte. Die Kommune hätte nur aus planungsrechtlichen Gründen Einwände vorbringen können. „Ein fadenscheiniges Nein, das vielleicht ohnehin vom Landratsamt ersetzt würde, kam für die Mitglieder des Gemeinderats nicht infrage“, sagte Fraunhofer. 

Die einzige Möglichkeit der Gemeinde, das Projekt zu verhindern, sei eine Veränderungssperre. Dann müsse die Kommune aber in einem Flächennutzungsplan substanzielle Flächen für die Windkraft ausgewiesen, die unter Umständen nach noch näher am Ort lägen. Andernfalls läge eine sogenannte Verhinderungsplanung vor, die rechtlich nicht zulässig sei. Windkraftgegner führten zuletzt außerdem ins Feld, dass Windräder in Bayern nicht wirtschaftlich betrieben werden könnten. Dem widersprach Henze: „Die Technik für einen wirtschaftlichen Betrieb haben wir. Die Windräder müssen nur etwas höher gebaut werden als an der Küste.“ Kamm berichtete, dass er selbst an einem Windrad beteiligt sei, das jedes Jahr ordentlich Rendite abwerfe. Das bestätigte auch Werner Zauser von Ziel 21, der im Mammendorfer Gemeinderat sitzt. Die Kommune ist am dortigen Windrad beteiligt, das im Durchschnitt sechs Kilowattstunden im Jahr und damit deutlich mehr, als den geplanten Wert von 5,4 Kilowattstunden bringe. Zauser: „Das war das beste Investment, das wir als Gemeinde bislang getätigt haben.“

Andreas Daschner

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