Innovative Betriebe im Visier fremder Nachrichtendienste - Vortrag des Leiters der Spionageabwehr des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschut ...

Der Leiter Spionageabwehr/Wirtschaftsschutz des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Rudolf Proschko als Referent bei der Vortragsveranstaltung des Kreisboten Fürstenfeldbruck am 30. 11. 2010 im Sparkassensaal. Foto: Dieter Metzler

Ob kleiner deutscher Handwerksbetrieb oder Großunternehmen: Innovative technische und strategische Informationen werden laufend von fremden Geheimdiensten ausgespäht - per Internet, durch Spyware, Praktikanten, unzufriedene Mitarbeiter, Reinigungspersonal, über verlorene Sticks und Laptops auf Geschäftsreisen oder über Mobiltelefone. Auf 20 Milliarden Euro werde der Schaden bundesweit hochgerechnet, erklärte Rudolf Proschko, Leiter der Abwehr Wirtschaftsspionage des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz bei seinem Referat im Sparkassensaal in Fürstenfeldbruck. Initiator des Informationsabends für Mittelständische Betriebe und Selbständige am 30. November 2010 war der Kreisbote Fürstenfeldbruck.

Rudolf Proschko, Leiter der Abteilung Spionageabwehr/Wirtschaftsschutz des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, ist seit 1984 Angehöriger des Nachrichtendienstes. Zwei Bilder in seiner Präsentation in Fürstenfeldbruck symbolisierten, wie sich die Öffentlichkeit einen Geheimdienstagenten vorstellt - nämlich in erster Linie als einen attraktiven Agenten à la 007. Das zweite Foto zeigt einen unscheinbaren Mann, der offenbar im Müll nach Pfandflaschen wühlt. Der Eindruck täuscht - es geht hier keineswegs um Pfandflaschen, auch Geheimdienstmitarbeiter beschäftigen sich mit Müll. Abfall - so Proschko - gilt als eine Ressource für wertvolle Informationen. Dasselbe gelte für den Papiermüll von Unternehmen, zum Beispiel in Konstruktionsbüros: „Der Papierkorb ist für andere eine Information,“ so Proschko. Stattdessen solle man in derartigen Büros einen Papier-Schredder benutzen. Jedes Unternehmen müsse sich fragen: „Wie gehe ich mit meinem Abfall um?“ Proschko zeigte das Foto eines Londoner Taxis: Unzählige Handys, Notebooks und USB-Sticks werden dort übers Jahr von Geschäftsleuten und Privatpersonen liegengelassen. Ein Unternehmen werde dadurch hochangreifbar - vor allem auch durch die Daten- Auswertung vergessener Mobiltelefone und Laptops drohe Gefahr. Innerhalb von 24 Stunden müsse die heimische IT-Organisation informiert werden, um Schaden abzuwehren, rät Proschko. Was ursprünglich für besorgte Eltern entwickelt wurde, nämlich die Handyortung ihrer Kinder durch Überwachungsdienste - lässt sich auch von fremden Geheimdiensten nutzen. Zum Risiko können generell Mobiltelefone werden - mit einer Spionagesoftware („Flexispy“) können alle Anrufdaten und SMS-Infos unbemerkt weitergeleitet werden. Fremde Nachrichtendienste nutzen alle verfügbaren Mittel und Wege, um an Informationen zu gelangen, die ihnen einen Wissensvorsprung sichern: In ein bayerisches Unternehmen wurde eine Chinesin eingeschleust, die schließlich mangels anderer Einsatzmöglichkeiten bei der Unternehmensleitung angesiedelt wurde. Von dort versandte die Dame fleißig Emails - bevorzugt einzelne Fotos, unsichtbar mit Daten unterlegt. Nicht nur Praktikanten können ein Risiko darstellen - auch mit Wirtschaftsdelegationen habe man manchmal „leidvolle Erfahrungen“ gemacht, so Proschko. Einen Chinesen habe man mit Spyware an der Gürtelschnalle erwischt, die Absicht erkannt und zur Anzeige gebracht. Per USB-Stick könnten hausinterne Mitarbeiter umfangreiche Datenmengen in kriminelle Netzwerke übermitteln. In manchen Fällen wurde auch eine Reinigungskraft angeworben, die - speziell gebrieft - nach 18 Uhr ungestört in den Büros agieren kann. Mit dem Einsatz einer speziellen Software - „Keylogger“ - ist es ein Kinderspiel, alle Eingaben eines Benutzers an seinem PC zu überwachen. Einbrüche zum Zwecke der Informationsbeschaffung seien marginal, wenn, dann würde gezielt nur der Computer mit den kritischen Daten weggeschafft. Angriffe auf mobile IT-Systeme, Angriffe auf Unternehmensnetze, Angriffe durch Innentäter, gezielte Angriffe durch Trojaner: Jeder Betrieb müsse sich fragen: Was sind schützenswerte Daten? Wie schützt man - neben den Grunddaten die 5% „Kronjuwelen“ - also betriebliche Entwicklungs/Forschungs-Daten? Wer hat Zugang? Fragen nach Zugangsbeschränkung/Umgang mit dem Internet im Büro. Auch Firmen-Telefonanlagen könnten von kriminellen Tätern gehackt werden, wie in den Vorträgen erläutert wurde. Geschäftsreisen oder Messen bergen bekanntlich Risiken - nicht nur wegen neuer (Damen)-Bekanntschaften abends in der Hotel-Bar und damit verbundenem „Social Engineering“, wie man freundliche Abschöpfungsgespräche umschreibt. Man sollte auch das Angebot eines Fremden ausschlagen, dessen Handy zu benutzen. Proschko: „Niemals fremde Kommunikationsmittel nutzen - ich würde es nicht tun.“ Geschäftsunterlagen nicht im Hotelzimmer zurücklassen - als unsicher gelten auch Hotel-Safes. Zum Thema Verschlüsselung von Daten erklärte Proschko, in China z.B. dürfe nur die Kryptierung, die der Staat freigegeben hat, benutzt werden - also erübrigt sich dies von selbst. Zur Vorsicht rät Proschko bei der Veröffentlichung von (familiären) persönlichen Daten/ausführlichen Profilen im social network. Die Folgen mußte ein früherer britischer Geheimdienstchef leidvoll erfahren, nachdem seine Frau Familienfotos ins Netz gestellt hatte und dadurch seine bis dato geschützte Identität öffentlich wurde: Es kostete ihn seine Position. Allzu detaillierte Profildaten von Arbeitnehmern im Netz könnten ein Anbahnungsmittel für fremde Geheimdienste darstellen. Proschko: „Nachrichtendienste haben viel Zeit, um jemanden anzugraben, der in Forschungs/Entwicklungsprojekten beschäftigt ist“. Kostenlose Beratung in allen Fragen zur Prävention (Wirtschaftsspionage und Wirtschaftsschutz) sowie Informationsmaterial beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz, Knorrstraße 139, 80937 München. www.verfassungsschutz.bayern.de wirtschaftsschutz@lfv.bayern.de

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