Gespräch mit dem Leiter der Polizeiinspektion FFB, Michael Fischer: Erster Polizeihauptkommissar 

FFB: Für Prävention fehlen Polizeibeamte

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Polizeihauptmeister Bernhard Sedelke in blauer Uniform.

Fürstenfeldbruck - Viele Jugendliche träumen davon, Polizeibeamter zu werden. Obwohl Bayern mit 1200 Neueinstellungen im Vergleich zu den anderen Bundesländern noch am besten aufgestellt zu sein scheint, fehlen Polizeibeamte für dringende Präventionsmaßnahmen. Das geht aus dem nachfolgenden Interview mit dem Leiter der Polizeiinspektion FFB, PHK Michael Fischer, hervor.

Herr Fischer, warum ist die Ausbildung zum Polizeibeamten nach wie vor so beliebt und welche Beweggründe haben die Bewerber um diesen Beruf zu ergreifen?

Michael Fischer, Erster Polizeihauptkommissar: Jeder Tag bringt neue Einsätze mit sich. So weiß ein Beamter nie, was ihn an seinem Arbeitstag erwarten wird. Abwechslung im Arbeitsalltag, wodurch keine Routine aufkommt, ein krisensicherer Arbeitsplatz und der vielfältige Kontakt zu Menschen macht die Polizei zu einem sehr attraktiven Arbeitgeber. Gerade die Gleichstellung von Mann und Frau, bietet vor allem Frauen die Chance sich in solch einen ursprünglichen „Männerberuf“ zu behaupten. Frauen haben die gleichen Chancen wie ihre männlichen Kollegen.

Wie hoch ist momentan die Bewerberzahl der jungen Frauen, im Gegensatz zu den Männern?

Michael Fischer, Erster Polizeihauptkommissar: Die Bewerberzahl der Frauen liegt bei ca. über 30 Prozent im Vergleich zu den männlichen Bewerbern.

Ist es schwierig, den Beruf mit der Familie und Freunden zu vereinbaren?

Michael Fischer, Erster Polizeihauptkommissar: Trotz Schichtarbeit und Nachtdienst, lässt sich der Beruf einigermaßen gut mit der Familie vereinbaren. Durch bestimmte Absprachen mit dem Lebenspartner, sowie Arbeitskollegen, ist es durchaus machbar, Vereinbarungen zu treffen und natürlich auch seine Freizeit gestalten zu können.

Wie kommen die Polizeibeamten mit den hohen Anforderungen im polizeilichen Alltag klar?

Michael Fischer, Erster Polizeihauptkommissar: Durch die hohe Anzahl von Einsätzen und oftmals zu knappen Personalressourcen, bleibt zum Bedauern der Polizei oftmals zu wenig Zeit für Präventiv-Maßnahmen: Geschwindigkeitsmessungen, Fahrradkontrollen oder Besuche von Schulen und Kindergärten, die den Menschen den Beruf der Polizei näher bringen sollen, sind dementsprechend nur noch selten, zu realisieren.

Reinigen und bügeln die Polizeibeamten ihre Uniform selbst?

Michael Fischer, Erster Polizeihauptkommissar: Ja, die Polizeibeamten sollten ordentlich, wie in jedem anderen Beruf auch, im Dienst erscheinen und sind somit auch selbständig für die Pflege ihrer Uniform verantwortlich.

Falls ja, wie kommen gerade die alleinstehenden Männer damit klar?

Michael Fischer, Erster Polizeihauptkommissar: Da heute auch die Männer sich immer mehr im Haushalt „emanzipieren“, ist es auch deren Aufgabe, sich eigenverantwortlich um ihr Erscheinungsbild zu kümmern, was aber kein allzu großes Problem darstellt.

Aktuell ist die blaue Uniform nach dem Vorbild der Polizei in Österreich im Testlauf. Wann kommt es zu einem Farbenwechsel?

Michael Fischer, Erster Polizeihauptkommissar: Die chice blaue Uniform wird derzeit von einigen Polizisten und Polizistinnen getestet. Hierbei werden die Kollegen gut involviert, was den Tragekomfort und die Detailverbesserung angeht. So fließt die Einschätzung der „ Tester“ auch in die zukünftige Planung, wie beispielsweise eine bessere Anpassung der Passform der Kleidung mit ein. Voraussichtlich 2017 könnte es dann zu einer Umstellung von „grün“ zu „blau" kommen.

Welche Aufstiegschancen hat ein Polizeibeamter im mittleren Dienst?

Michael Fischer, Erster Polizeihauptkommissar: Wer gute Leistungen gerade bei der abgeschlossenen Laufbahnprüfung in der zweiten Qualifikationsebene erzielt, hat durchaus Chancen in den gehobenen Dienst zu gelangen. Die Polizei bietet hierbei ein sogenanntes „Förderprogramm“ für Interessenten eines Fachochschulstudiums an, bei dem sie auch an zwei weiteren Dienstellen beurteilt werden.

Können sich die Absolventen für eine Richtung, Schutz– oder Kriminalpolizei, nach dem Fachhochschulstudium entscheiden?

Michael Fischer, Erster Polizeihauptkommissar: Nach dem erfolgreich abgeschlossenem Studium an der Fachhochschule in Fürstenfeldbruck oder in Sulzbach-Rosenberg, hängt die Richtung, die vom angehenden Kommissar eingeschlagen wird, auch vom jeweiligen Stellenbedarf ab. Jedoch ist ein Wechsel, beispielsweise von der Kriminalpolizei zur Schutzpolizei möglich.

Interview: Julia Knabe

Weitere Informationen: „Während andere Bundesländer Stellen im Bereich der Sicherheit abbauen – Sachsen-Anhalt: - 8,6 %, Sachsen: -5,5 %, Hamburg: -5,2 % - verzeichnet Bayern mit mehr als 6 % den höchsten Stellenzuwachs aller Bundesländer“, erläutert Innenminister Joachim Herrmann. In den letzten beiden Jahren wurden fast 2.500 Beamte zur Ausbildung eingestellt, heuer folgen ca. 1.200 weitere. Trotz der höchsten Personalausstattung aller Zeiten lasse Bayern nicht nach, das sei das A und O für eine gut aufgestellte Polizei. „Wir müssen diesen eingeschlagenen Weg fortführen. Bei der Sicherheit darf keinesfalls am Personal gespart werden“, so der Staatsminister. Das bevorstehende Großprojekt der Bayerischen Polizei, der G7-Gipfel in Schloss Elmau bedürfe nach ersten Schätzungen einen Kräftebedarf von etwa 15.000 Polizeibeamten. Erforderliche bauliche Maßnahmen seien weitestgehend abgeschlossen, das Digitalfunknetz im bayerischen Oberland wird spätestens Ende April einsatzbereit sein. Transparenz und Kommunikation, auch über Social Media, haben hohe Priorität. „Die Leistungsfähigkeit der Polizei wurde zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt, schließlich sind wir routiniert durch die Münchner Sicherheitskonferenz und z. B. die Fußballweltmeisterschaft“, zeigt sich Herrmann optimistisch.“ (Quelle: CSU-Pressestelle)

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