Interview mit Hattenhofener Faschingswagen-Bauer

"Wir haben 270 Kilo Süßigkeiten auf dem U-Boot"

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Der FC Bayernfanclub und Freunde vor dem Trojanischen Pferd aus dem vergangenem Jahr, das in Mammendorf prämiert wurde. Der diesjährige Wagen nimmt ähnliche Ausmaße an.

Christian Ettenberger ist passionierter Faschings-Wagen-Bauer. Der Hattenhofener baut seit 2001 mit seinem FC Bayern Fanclub riesige Kolosse, wovon einige schon Preise für den schönsten Wagen abräumen konnten.

Hattenhofen – Der 49-Jährige Familienvater ist vor allem für die Planung und Organisation des ganzen Spaßes zuständig: Anmeldungen für die Gaudiwürmer, Weißwurstfrühstück vor jedem Umzug, Busorganisation, Materialbeschaffung und Ideen-Entwicklung sind nur einige seiner Aufgaben. Dem Kreisbote verrät er schon jetzt das diesjährige Motto des Hattenhofener Wagens, wo er zu sehen sein wird und wie er mit den vermehrten Richtlinien umgeht.

Kreisbote (KB): Herr Ettenberger, Sie bauen jetzt seit 2001 mit Ihrem FC Bayern-Fanclub einen Faschingswagen, einer größer als der andere. Was fasziniert Sie daran am meisten?

Christian Ettenberger

Christian Ettenberger: Ich habe zwar eine Vorstellung und einen Plan, aber man weiß nie, ob der Wagen am Ende gelingt. Im Laufe des Entstehungsprozesses kommen Ideen hinzu, manches muss auch verworfen werden. Da stellt sich bis zum Ende die Frage: Wird der Wagen was, oder nicht. Das ist natürlich spannend.

KB: Das Bauen ist das eine, das auf Umzügen fahren, das andere. Was macht mehr Spaß?

Das Mitfahren natürlich. Es ist ein super Gefühl, wenn die Leute am Straßenrand zuschauen und einem zuwinken. Wenn man dann einen Preis für den schönsten Wagen abräumt, ist das natürlich eine Genugtuung für die geleistete Arbeit. In Mammendorf wurden wir bestimmt schon sechsmal Erster.

KB: Das diesjährige Thema lautet „Auf der Suche nach der abgesoffenen Jamaika-Koalition“. Wie viel dazu dürfen wir bereits verraten?

Dass wir mit einem riesigen U-Boot, das dem vom Film „Das Boot“ nachempfunden ist, nach der Jamaika-Koalition suchen. Wir werden alle die gleiche Uniform tragen. Es wird Musik, Süßigkeiten, Seifenblasen, Nebel und einen drehenden Propeller geben.

KB: Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?

Ich wollte schon immer einmal ein U-Boot als Wagen bauen. Wir haben dann ein Thema gesucht, das dazu passen könnte. Während der Ideen-Suche war gerade bekannt geworden, dass es mit dieser Koalition nichts wird.

KB: Wie viele Helfer bauen am Wagen mit?

Beim Wagenbau helfen etwa 15 Leute. Es ist gut, wenn man Freunde und Bekannte hat, die beispielsweise gut mit Holz umgehen oder schweißen können. Meine ganze Familie, Frau und drei Kinder, helfen auch mit. Bei Umzügen sind wir dann 53 Leute.

KB: Wie viel Zeit und Geld stecken Sie in den Wagen?

Seit Weihnachten treffen wir uns etwa zweimal in der Woche, um am Wagen zu arbeiten. Unter der Woche sind es meist vier Stunden, samstags den ganzen Tag. Es stecken schon 2.500 Euro drin – ohne die Kostüme. Damit wir das Geld wieder reinbekommen, verlangen wir im Voraus von jedem, der mitmachen möchte 35 Euro für den Wagenbau. Von jedem, der auf einem Umzug mitfährt, kassieren wir pro Umzug zehn Euro.

KB: Haben Sie noch weitere Zahlen parat? Wie viele Schrauben Sie verbohrt, wie viel Holz verarbeiten wurde, beispielsweise?

Gewogen und gezählt haben wir nicht, aber es sind schon einige Tausend Schrauben verbohrt. Der Wagen wiegt mit allem drum und dran etwa acht Tonnen und ist mit Traktor 18 Meter lang. Noch eine wichtige Zahl: Wir haben 270 Kilogramm Süßigkeiten besorgt.

KB: In Gernlinden und Olching gibt es eine Vier-Meter-Grenze was die Wagenhöhe angeht. Wenn ich mir das so anschaue, sind das definitiv mehr.

Es stimmt, der Wagen darf mit über vier Metern nicht zum Ort des Umzuges fahren. Deshalb können wir unseren Turm abbauen, sodass wir nicht über die Vier-Meter-Grenze kommen. Vor Ort bauen wir den Turm dann wieder drauf. Das dauert etwa 15 Minuten. Es gibt Umzüge, da gehen auch während der Umzugs-Fahrt nicht mehr als vier Meter, weil der Zug durch Unterführungen oder Brücken führt. Aber bei diesen Umzügen sind wir nicht dabei.

KB: Es gibt ja, so scheint es, jährlich neue Richtlinien und Regeln für Wägen und den Umzug selbst. Macht das dann noch Spaß?

Es macht schon langsam keinen Spaß mehr, ja. Ich habe die Befürchtung, dass das irgendwann keiner mehr machen will.

KB: Finden Sie bestimmte Richtlinien, wie beispielsweise keinen harten Alkohol auf dem Wagen, berechtigt?

Das die Leute auf den Wägen keinen harten Alkohol trinken und ausschenken dürfen, finde ich ok. Bier reicht doch vollkommen, warum muss man sich da mit Schnaps zulaufen lassen? Auch das Glasflaschen verboten sind, verstehe ich. Manche lassen sie fallen und die Fußgruppen steigen dann in die Scherben. Ich finde es auch richtig, dass es Richtlinien zur Musik-Lautstärke gibt. Ich finde es schade, wenn ich Kinder am Rand stehen sehe, die ihre Ohren zuhalten müssen. In Untermühlhausen dürfen wir keine Süßigkeiten schmeißen, weil die Wege zu eng sind und Kinder sonst unter die Wagen geraten könnten. Das ist ebenfalls verständlich.

KB: Welche Richtlinien finden Sie überzogen?

Jede Gruppe gibt sich immer immens Mühe bei den Verkleidungen, passend zum Wagen. Da finde ich es schade und Schwachsinn, dass die Begleiter und ja sogar der Bulldog-Fahrer eine Warnweste tragen müssen. Man sieht ja aufgrund der Verkleidung zu welchen Wagen die Personen gehören. In Landsberg haben sie Alkohol komplett verboten. Das finde ich übertrieben. Jede Gruppe arbeitet hart und lange an ihrer Idee, da sollten sie auf dem Umzug auch ruhig bisschen feiern dürfen.

KB: Der Wagen wurde vom TÜV bereits abgenommen. Kam es schon mal vor, dass Sie keine Genehmigung für einen Wagen bekommen haben?

Nein, das ist zum Glück noch nie passiert. Aber wenn man das jetzt so lange macht wie ich, dann weiß man einfach, worauf man achten muss und was die Prüfer wollen.

KB: Ist denn schon einmal etwas schief gegangen?

Vor zwei Jahren ist einmal der Super-Gau passiert. Kurz bevor es losging, hat der Notstrom-Aggregator versagt und wir mussten den Umzug ohne Musik fahren. Und vor zehn Jahren ungefähr hat die Musikanlage zu Rauchen angefangen.

Etwas Schlimmes, wie Verletzte, ist zum Glück bei uns noch nie passiert. Das wird hoffentlich auch so bleiben.

KB: Auf was freuen Sie sich jetzt am meisten?

Wir sind in diesem Jahr zum ersten Mal in Scheuring beim Nachtumzug am 3. Februar dabei. Darauf freue ich mich besonders. Wir haben dafür extra eine Beleuchtung für den Wagen organisiert.

KB: Wo ist denn Euer Wagen überall zu sehen?

Neben dem Nachtumzug fahren wir am 4. Februar in München, am Lumpigen Donnerstag in Landsberg, am Samstag, 10. Februar, in Untermühlhausen, am Sonntag darauf in Mering und am Faschingsdienstag in Mammendorf.

KB: Nach der Saison müsst Ihr den Wagen wieder abbauen. Was ist das für ein Gefühl?

Da hat man schon ein weinendes Auge. Man sagt sich, man lässt ihn einfach so stehen und fährt im nächsten Jahr einfach auf anderen Umzügen mit. Aber der Besitzer des Anhängers braucht ihn wieder. 

Interview: Miriam Kohr

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