Fürstenfeldbrucker Student kam bis ins Finale

„The Taste“-Kandidat Yassin im Interview: „In meiner eigenen Küche bin ich sehr strukturiert und ordentlich“

The Taste Kandidat Yassin aus Fürstenfeldbruck richtet sein Gericht auf Löffeln an
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Hoch konzentriert beim Anrichten der Löffel für die Jury, denn darum geht es in der Show: Ein ganzes Gericht auf nur einem Löffel.

Fürstenfeldbruck - Der Fürstenfeldbrucker Yassin M’Harzi präsentierte in der TV-Sendung »The Taste« kreative Geschmacksexplosionen und konnte damit einen der begehrten Finalplätze ergattern und sich unter die letzten vier Teilnehmer mischen. Der Kreisbote bat um ein Interview.

Einmal mit Starköchen wie Alexander Herrmann oder Tim Raue über Geschmacksnuancen philosophieren oder kulinarische Experimente diskutieren – ein Traum vieler Profi- und auch so mancher Hobbyköche. Doch Yassin M`Harzi aus Fürstenfeldbruck ließ aus einer Träumerei Realität werden und meldet sich für die Fernsehsendung „The Taste“ an. Profis und Amateure treten in der Show gegeneinander an und versuchen, vier Sterneköche von ihren Köstlichkeiten zu überzeugen. Allerdings wird das Gericht nicht auf einem ausladenden Teller serviert, sondern auf einem winzigen Löffel angerichtet. Somit müssen die Speisen beim ersten Bissen sofort überzeugen. Der 28-jährige angehende Ingenieur mit marokkanischen Wurzeln konnte sich durchsetzen. Im Finale begeisterte er mit kreativen Kürbiskreationen und würzigen, mit Minze verfeinerten, Leckereien. Am Ende reichte es zwar nicht ganz für den Sieg, dennoch gehörte er zu den vier Finalisten. Das Kochen wird den Studenten aber sicher noch lange beschäftigten, wie er im Interview verriet.

Kreisbote (KB): Du bist Hobbykoch, dennoch wirkten viele Handgriffe während der Sendung „The Taste“ sehr routiniert. Der Zuschauer konnte sehen, dass du deiner Leidenschaft seit mehreren Jahren nachgehst. Kannst du dich zurückerinnern, wann du zum ersten Mal am Herd standest?
Yassin M’Harzi: Tatsächlich habe ich mit dem Kochen mit ungefähr zwölf Jahren angefangen, weil ich von meinen Eltern kannte, dass regelmäßig gekocht wurde. Meine Mutter hat täglich gekocht und mein Vater hat an den Wochenenden auch aufwendigere Gerichte zubereitet. Irgendwann dachte ich mir, dass ich auch einmal etwas am Herd ausprobieren möchte. Ich erinnere mich noch gut, eines meiner ersten Gerichte war eine Suppe mit Milch und Zitronensaft. Man kann sich wahrscheinlich vorstellen, wie das schmeckte.

KB: Du hast bereits früh angefangen, dir das Kochen auf Basis der französischen Küche selbst beizubringen. Ein solches kulinarisches Selbststudium ist sicherlich ein zeitaufwendiges Projekt. Wie bist du vorgegangen?
Yassin M’Harzi: Meiner Meinung nach ist nichts praktischer als eine gute Theorie. Deshalb habe ich schnell damit angefangen, mir das Kochen von einer theoretischen Seite her anzueignen, indem ich Koch- und Ausbildungsbücher studiert und gelesen habe.

KB: Wie kam es zur Entscheidung, dich bei der Sendung „The Taste“ anzumelden?
Yassin M’Harzi: Im Jahr 2018 nahm ich bereits an der Sendung „Die Küchenschlacht“ teil. Leider ist mir im Finale etwas verbrannt und ich bin deswegen ausgeschieden. Aber ich habe damals schon gewusst, dass kochen nicht nur ein Hobby für mich ist, sondern ich möchte es zu meinem Lebensinhalt machen. Nach der Niederlage habe ich mich hingesetzt und überlegt, warum ist dir dieser Fehler passiert? Schnell wurde mir klar, dass mir die Routine fehlte und ich noch nicht gelernt hatte, unter einem solchen Zeitdruck zu kochen. Ich wusste auch, dass ich das nur lernen kann, wenn ich in ein Restaurant marschiere und frage, ob ich dort kochen darf. An meinem Geburtstag waren wir in einem französischen Restaurant in München essen und ich habe den Chef gefragt, ob ich bei ihm in der Küche anfangen darf. Er ließ mich ein Gericht von der Karte kochen und stellte mich danach ein. Ich habe dann ein Jahr lang drei bis vier Tage die Woche in diesem Restaurant gekocht. Dort habe ich den Feinschliff bekommen, der mir zuvor noch gefehlt hatte, und ich traf die Entscheidung, mich bei der Sendung „The Taste“ zu messen.

KB: Acht Wochen lang musstest du dich immer wieder beweisen, auf winzigen Löffeln riesige Geschmacksexplosionen anrichten und das alles unter den strengen Augen bekannter Starköche. Wie würdest du im Nachhinein diese Erfahrung beschreiben?
Yassin M’Harzi: Für mich bedeutet ein Wettbewerb immer, seine eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen zu lernen und zu erkennen, welche Schwächen und welche Stärken man hat. In diesen acht Wochen habe ich gemerkt, dass ich eine mentale Stärke besitze. Ich gebe immer 100 Prozent und habe mich nie entmutigen lassen.

KB: „Yassin der Chaot“. Den Ruf als chaotisch kreativer Kopf hattest du schnell weg. Aber wie würdest du dich selbst in der Küche beschreiben?
Yassin M’Harzi: Eigentlich bin ich in meiner eigenen Küche sehr strukturiert, ordentlich und schnell. Im Wettbewerb war das anders. Am Ende war ich der letzte Amateur und wusste, dass ich in Sachen Routine nicht mit den anderen konkurrieren konnte. Deshalb war meine Strategie durch die Menge an Aufwand zu überzeugen, den ich in dieser Zeit fabriziere. Ich habe versucht, so viel wie nur möglich in der kurzen Zeit zu kochen. Und das hat man gesehen, in der letzten Runde habe ich 32 Töpfe und über 20 Schüsseln benutzt.

KB: Noch befindest du dich im Studium. Aber könntest du dir vorstellen, das Kochen irgendwann zu deinem Beruf zu machen?
Yassin M’Harzi: Ich würde gerne dem Kochen den Vorrang geben. Das Studium ist aber auch eine Leidenschaft von mir. Ob ich die erlernten Fähigkeiten jemals anwenden werde, ist wieder etwas anderes. Durch das Studium bekomme ich ein Grundverständnis für technische Dinge und ich denke, heutzutage ist es wichtig, zu wissen, wie die Welt funktioniert. Trotzdem würde ich sagen, dass das Kochen meine Leidenschaft ist und wofür ich jeden Tag aufstehe. Kochen ist meine Berufung und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es auch irgendwann mein Beruf wird. Besonders gefallen würde mir, das Kochen mit dem Lehren zu verbinden.

KB: Dein Lieblingsgericht?
Yassin M’Harzi: Mein Lieblingsgericht ist ein Gericht aus meiner Kindheit: Eine gedämpfte Lammzunge mit Kichererbsen.

Wie würdest du den Satz „Kochen bedeutet für mich…“ beenden?
Yassin M’Harzi: Kochen bedeutet für mich 70 Prozent Handwerk und 30 Prozent Kunst. In erster Linie sind Köche für mich keine Künstler, sondern Handwerker. Erst auf Basis des erlernten Handwerks kann man dann anfangen, kreativ zu werden.
Interview: Julia Huß

Rezepte von Yassin ab sofort im Kreisbote

Leser dürfen gespannt sein, unter der monatlichen Rubrik „Rezept des Monats“ erscheinen im Kreisbote Fürstenfeldbruck nun regelmäßig Rezepte von Hobbykoch Yassin aus Fürstenfeldbruck. Also ran an den Herd und guten Appetit!

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