Interview

Faschingsfreunde: "Wir hätten die Auflagen nicht stemmen können"

+
„Es ist jetzt 100 Prozent sicher“: Jürgen Völkl, Vorstand der Faschingsfreunde Fürstenfeldbruck, macht keinen Rückzieher mehr. Foto: priv

Kreisbote (KB): Herr Völkl, die neue Faschingsfete am Geschwister-Scholl-Platz der Faschingsfreunde Fürstenfeldbruck wurde erst groß angekündigt und dann wegen hoher Sicherheitsauflagen abgesagt und nun scheint die Fete doch zu steigen. Das ist ein ziemliches Hin und Her. Wie sieht es denn nun aus? 

Jürgen Völkl: Es ist jetzt 100 Prozent sicher, dass wir, die Faschingsfreunde Fürstenfeldbruck, die Fete veranstalten. Das wird sich jetzt nicht mehr ändern. 

KB: In Ihrer ersten Pressemeldung klang alles schon sehr sicher, wieso der Rückzieher?

Wir als Verein überlegen uns schon lange, was wir an Fasching neben unseren Bällen und Garde-Auftritten veranstalten können. Mit der Idee für das Faschingstreiben „Bruck narrisch“ am Geschwister-Scholl-Platz bin ich zuerst bei der Stadt gewesen und habe erklärt, was wir vorhaben. Da hieß es dann, dass es schön ist, dass sich was bewegt. Wir bekamen sozusagen Erlaubnis, mussten aber noch einen offiziellen Antrag stellen. Also haben wir unsere Pressemeldung versandt. Danach schrieb ich den Antrag, woraufhin ich zu einem Gespräch mit vier Vertretern der Stadtverwaltung, der Polizei und dem Jugendamt eingeladen wurde. Dort ging es dann um die Sicherheitsauflagen. Nach dem Gespräch war mir klar, dass wir diese Auflagen als gemeinnütziger Verein finanziell nicht stemmen können, also musste ich wieder absagen. 

KB: Was waren das für Auflagen? 

Die Polizei blickte mit ihren Auflagen Richtung Berlin zum Attentat bei dem ein Lkw in einen Christkindlmarkt raste. Es gilt zu verhindern, dass dies in Fürstenfeldbruck auf dem Geschwister-Scholl-Platz passieren kann. Das bedeutet, dass der Bereich beim Kreisverkehr so gesichert werden muss, dass dort kein Lkw durch kann. Zudem müssen die Poller beim Kino hochgefahren werden, sodass da auch kein Durchkommen ist. Die Busspur, die durch den Platz fährt, muss nach außen verlegt werden. Außerdem sind vier Security-Mitarbeiter nötig, die bei der Veranstaltung auf Streife gehen und zusätzliche Toiletten, da man den Leuten abends nicht zumuten könne, beim Bahnhof auf die Toilette zu gehen.

KB: Wie kommt es, dass der Verein das Faschingstreiben nun doch steigen lässt, was hat sich geändert? 

Nach meiner Absage bei der Stadt, habe ich noch einmal mit Erich Raff telefoniert. Er wolle sich mit mir nochmal unterhalten, weil er die Auflagen für ein bisschen viel gehalten hat. Er wollte uns zunächst die Securitys von vier auf zwei reduzieren. Da die Heimatgilde ihre Feier am Rosenmontag jedoch auch mit einer Auflage von vier Securitys schon genehmigt bekam, galt gleiches Recht für alle. Es hat sich jedoch ein Mitglied gemeldet, er könne zumindest seinen Traktor für eine Absperrung zur Verfügung stellen. Außerdem wurde uns gesagt, dass unser dreieinhalb Tonnen-Sprinter – unser Technik-Fahrzeug – für eine Absperrung genügen würde. Dadurch entstehen hier zumindest keine Kosten. Ich konnte beim Squash Palast weitere öffentliche Toiletten gewinnen, außerdem werde ich noch mit Gastronomen vor Ort sprechen, ob sie ihre Toiletten an diesem Tag für alle offen lassen.

KB: Was wir den Gästen denn bei „Bruck narrisch“ alles geboten?

Auf einer großen Showbühne treten von 10.15 bis 17.30 Uhr im halbstündigen Takt etwa elf verschiedene Garden auf. Dazwischen wird für die Stimmung. Es wird Sekt, Bier, Limo und je nach Wetter auch Glühwein und Punsch geben. Außerdem bieten wir Krapfen, Steaksemmeln und Maiskolben an. Wir haben den Geschwister-Scholl-Platz ganz bewusst gewählt, weil hier vor allem samstags durch die Geschäfte viel los ist. Es wird sicher keine Party sein, bei der alle von Anfang bis Ende die Garden anschauen, wir glauben eher, die Fete lebt von ihrer Laufkundschaft. Natürlich kann jeder so kommen, wie er mag, ob verkleidet oder nicht. 

KB: Was ist das Besondere an dieser Fete? 

Ich denke, das Besondere sind die vielen verschiedenen Garden mit ihren unterschiedlichen Showprogrammen. Es sind Garden aus dem Augsburger Raum dabei, die man in Fürstenfeldbruck normalerweise nicht sehen würde. 

KB: Sie kündigten ihre Fete mit „Der Fasching in Bruck ist nicht tot“ an. Was hat ihn überhaupt sterben lassen? 

Ich denke, der Fasching lebt von Bällen. Vor vielen Jahren hat jeder Verein, jede Gemeinschaft einen Ball ausgerichtet. Doch die Gäste wurden immer weniger, die Leute hatten nicht mehr so Lust sich zu verkleiden, also wurden die Bälle nach und nach abgeschafft. Selbst große Bälle finden nur noch ab und zu statt, da fehlt die Kontinuität. Wir als Faschingsverein bieten jedes Jahr unsere Gala, unsere zwei Kinderbälle und unseren Weiberfasching. Es wäre schön wenn auch die vielen anderen Vereine und Verbindungen wieder Veranstaltungen im Fasching organisieren könnten.

KB: Woran glauben Sie, liegt es denn, dass sich viele nicht mehr verkleiden wollen? 

Ich denke, der Wunsch sich zu verkleiden ist noch da. Menschen verkleiden sich an Fasching, an Halloween und wenn ich mir die Animuc-Messe in Fürstenfeld anschaue... Es gibt einfach so viele Veranstaltungen, wo sich Menschen im ganzen Jahr verkleiden und Party machen können, da ist es an Fasching nichts mehr Besonderes so wie früher.

Interview Miriam Kohr

Auch interessant

Meistgelesen

10.000 Besucher bei Oldtimertagen mit 900 Fahrzeugen
10.000 Besucher bei Oldtimertagen mit 900 Fahrzeugen
Wie Religion den Alltag prägt
Wie Religion den Alltag prägt
Mann mit Kind auf offener Straße überfallen
Mann mit Kind auf offener Straße überfallen
Von drei Männern bestohlen
Von drei Männern bestohlen

Kommentare