Im Iran gebürtiger Filmemacher Shirvani präsentiert Filmepos Schattenmenschen am 20. und 23. Mai in Gröbenzell – Kein Verleih, aber mit viel Mut

Der Filmemacher Darioush Shirvani (re.) mit dem Neu-Estinger Peter Knoll beim Filmschnitt. Foto: Günter Schäftlein

Nach dem Startschuss in München, Augsburg, Nürnberg und Regensburg kommt reales Leben mit dem Filmepos „Schattenmenschen“ in die Gröbenzeller Gröbenlichtspiele: Der „leidenschaftliche Geschichtenerzähler“ Darioush Shirvani, 49, berichtet darin in bewegenden 121 Minuten von Menschen, „die aus dem bürgerlichen Leben herausgefallen sind.“ Shirvani, selbst für Produktion, Kamera, Schnitt, Musik, Buch und Regie zuständig, arbeitet ohne offiziellen Verleih, „da der Eintritt in diesen erlauchten Kreis ohne eigene Produktionsgesellschaft schwierig und mit erheblichen Kosten verbunden ist.“

Der in den Filminstituten von Shiraz (sein Geburtsort) und Teheran zum Filmregisseur ausgebildete Musiker und Schauspieler kam nach der Flucht 1985 aus seiner Heimat 1986 nach Deutschland und lebt nach einem „Zwischenstop“ in Berlin seit 21 Jahren in München und Augsburg. Zu seinem bisherigen, reichen Filmschaffen - 5 Spielfilme im Iran bis 1984, 5 Dokumentar-/Spielfilme in Deutschland - kamen seit 1987 zahlreiche Originaldrehbücher für weitere (Fernseh-)Spielfilme ohne eigene Regie. Der noch im Iran 1985 begonnene Spielfilm „Auf der Suche nach der Wahrheit“ blieb unvollendet. Nicht nur nebenbei ist der so vielseitig begabte Künstler auch musikalisch gefragt. Er entwickelte als Komponist 1998-99 eine neue persisch-klassische Musikrichtung, trat bei 100 internationalen Konzerten mit Violine und Santoor selbst auf und produzierte Musik- und Liedalben, u.a. auch für den Bayerischen Rundfunk. 1999 erhielt er den Münchner Stipendienpreis für Musik, 2002 wählte ihn die Universität Augsburg zum Künstler des Jahres. Bei allem Können macht Darioush Shirvani seine Filme nicht allein. Er hat einen Kreis von gleichfalls leidenschaftlichen „Mitmachern“ um sich versammelt, Freunde, die von der Mission zu bodenständigen, ehrlichen und menschlich überzeugenden Filmen erfasst sind: Schauspieler und Schauspielerinnen, Techniker für Film und Ton, Animation- und Grafikkünstler, Produktionsleiter, Co-Autoren und Co-Cutter - wie der Neu-Estinger Peter Knoll, der nebenbei noch als Geschäftsführer für die hauseigene „Fan-Film“ fungiert. Er bedauert wie Shirvani, dass die deutsch-bayerische Filmförderung einen so engen, nationalen Rahmen für die zu fördernden Filmschaffenden setzt: „Und dabei schmeißt ein Film wie „Schattenmenschen“ den Zuschauer direkt ins alltägliche deutsche Geschehen hinein … Das ist eine zutiefst menschliche Sichtweise. In einer Filmsprache, die niemanden herabwürdigt.“ Da ist der Hauptdarsteller Paul (Peter Reinwarth), Professor und Menschenfreund mit einer platonischen Zuneigung zu einer Prostituierten. Er nimmt den obdachlosen, begabten, aber letztlich doch erfolglosen Musiker Vaclav (Petr Kuschmitz) auf, der von seiner Frau vor die Tür gesetzt wurde. Reinwarth, ehemaliger Wirt in Augsburger und Regensburger Kult-Kneipen, überzeugte schon die Kritik in der Hauptrolle der filmischen Fallstudie von 1997 „Ich heiße Josef“. Um ihn herum bewähren sich in „Schattenmenschen“ ausgezeichnete Darstellerinnen wie Giuliana Tirziana de Carlo, Michaela Wein, Michaela Demhalte. Kennzeichnend für diesen Film sind dokumentarisch-harte Schnitte, die von sorgfältigen Szenenaufbauten begleitet werden. Co-Cutter Peter Knoll: „Alles sehr detailliert. Jedes Accessoires sitzt richtig, verbreitet athmosphärisches Leben.“ Auf eine aufwändige Technik wurde verzichtet; der Film lebt unkonventionell von gestaltenden Charakteren. Was Darioush Shirvani in Deutschland hält und was ihm gefällt? „Ich fühle mich in Deutschland wohl. Es ist ein sicheres Land." Und mit einer in der Bevölkerung gewachsenen Normalität gegenüber Ausländern mit anderem Aussehen: „Ausländer gehören immer mehr zum Alltag. Vor 26 Jahren in Schwerin haben die mich noch komisch angeguckt.“ Allerdings: Wenn man irgendwelchen Filminstitutionen und Entscheidern in Deutschland Ideen, Drehbücher oder Trailer als namentlich erkennbarer Ausländer einreichen würde, müßte man damit rechnen, es ungeöffnet zurückzuerhalten. Shirvani: „Es gibt kein perfektes Land. Für Deutschland wünschenswert wäre mehr Gerechtigkeit. Es gibt ein großes soziales Gefälle.“ Denn: „Das einzige Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“ „Schattenmenschen“ am 20. Mai (11 Uhr) und 23. Mai (19 Uhr) in den Gröbenzeller Gröbenlichtspielen.

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