Bei iranischer Familie zu Gast - Pastoren-Ehepaar aus Fürstenfeldbruck berichtet

„Gastfreundschaft“ ist im Iran sprichwörtlich. „Der Gast ist ein Liebling Gottes“ - so beginnt der Bericht von der Reise in den Iran, die das Brucker Pastoren-Ehepaar Inge und Peter Ammon vom 16. April – 1. Mai 2009 unternommen hat. „Seit 7 Jahren wohnt Reza aus dem Iran bei uns in Fürstenfeldbruck. Seine Eltern haben uns wieder (nach 4 Jahren) nach Teheran eingeladen. ‚Eingeladen’ waren wir, das heißt dort, wir durften uns nichts mit eigenem Geld kaufen. Jeder Wunsch wurde uns erfüllt. Wir durften in ihrem Schlafzimmer schlafen; sie selbst schliefen im Wohnzimmer auf dem Boden.“ So lebten wir mit dieser muslimischen Familie zusammen, mit Maryam und Naser, mit Rezas Geschwistern Nima (17) und Parisa (14). Naser und Nima beteten zu ihren Gebetszeiten im Wohnzimmer, neben uns. Ali Reza (45), ein Onkel, war uns besonders wichtig, weil er englisch sprach. Er hat uns ständig begleitet.

Vor 4 Jahren waren wir in Shiraz (Persepolis) und Isfahan, diesesmal war der Norden von Iran an der Reihe. Ali Reza fuhr uns mit Maryam über Karadj, Quazvin, Rudbar (Oliven), Rasht, Astaneh, Lehijan (Teeanbau, daneben Reis, Reis, Reis) nach Langarud an die Küste des Kaspischen Meeres. Langarud ist ein Badeort; an 3m hohen Stangen werden Tücher gespannt, links baden die Frauen, rechts die Männer. Am Strand sind Podien für Aufpasser – nicht nur als Life-Guards. In Langarud übernachteten wir. Dann fuhren wir weiter das Meer entlang bis Astara an der russischen Grenze, ein Stück die Grenze entlang in die Berge bis 2000 m hinauf (6°C) und dann in das weite Tal von Ardabil. In allen Ortschaften sind unübersehbare Schautafeln mit den Bildern und Namen der Männer zu sehen, die im Krieg der 80er-Jahre gegen Irak ihr Leben ließen. In Ardabil ist das Grab (Mausoleum) von Sheikh Safi, erschütternd schön, so gerne wäre ich lange allein dort geblieben. Nahebei liegt Serain, mit dem Thermalbad, das Wasser (42°C) ist von dem erloschenen Vulkan in der Nähe gespeist. Im Bad gibt’s keine Ruheplätze, nach dem Bad geht’s gleich wieder raus. Zu des Schahs Zeiten war das ein berühmtes Bad für Besucher aus aller Welt. Jetzt ist es arg heruntergekommen. Tabris. Aida, ein Girlfriend von Ali Reza, zeigte uns in dem Edel-Hotel Shahryar-International (250 $ die Nacht) die Teppich-Bilder (Bilder, wie Teppiche geknüpft), die ihr Vater dort verkauft. Bezaubernd! Ein Volksfest am Rand der Stadt. Eine Metro im Bau. Über Zanjan wieder nach Süden. Selbstverständlich besuchten wir die weltberühmte Cave Ali Sadr. 1 Stunde lang fuhren wir mit einem Boot durch die Tropfsteinhöhle (11 km lang). Tausende kommen jährlich von weit her. Die Hochebene von Hamadan, umrahmt von schützenden hohen Bergen, ist seit 7ooo Jahren uraltes Siedlungsgebiet. Weizen, Mandeln, Aprikosen, Pfirsiche wachsen dort. Es gibt Dörfer, nur aus Lehm gebaut, als wäre die Zeit stehen geblieben. Alle mit elektrischem Strom versorgt. Etwas erhöht bei Hamadan war der Sitz des Königs der Meder, Kyros II. Nur schwer sind da noch Reste der Vergangenheit auszugraben. In Hamadan sind die Gräber des weltberühmten Arztes Dr. Avicenna und des Mystikers, des Sufi Taher Hamadani.Über 2000 km sind wir in 4 Tagen unterwegs gewesen. Wieder ‚daheim’ in TEH gab es jeden Tag etwas Besonderes. So die Geburtstagsparty bei Marya. 6 Frauen, bildhübsch, aufgestylt, ohne Chador. 3 Männer. „All are devorced“ .– „Hast du einen Mann für mich?“ Ein stinkreiches Appartement, teuerstes Mobiliar, ein nervendes Kind, noch schlimmer ein kläffender Hund. Die Garage mit Marmor-Platten gepflastert. Es war kaum ein Gespräch möglich, zu geringe Englisch-Kenntnisse. Es gab Knabberzeug (wie bei uns), Balentine-Whisky, Beer. – Die einladende Geburtstägerin ist Jüdin, Psychologin, voll und ganz Iranerin. An der Wand lehnte, noch eingewickelt, ein kostbares, 1 m hohes Kreuz mit Jesus. ‚Ich liebe Jesus’. ‚Offen, bereit sein für alles’, sagte sie. Mehr Gespräch war nicht möglich. Die Männer singen mit einem Gitarre-Spieler laut und heftig. Inge und ich sind da Fremde, aber doch gerne und voll mit hineingenommen. Die Probleme der Frauen (3 kommen auf 1 Mann nach dem Krieg) bleiben versteckt. Im Nobel-Hotel Ali Shapur. Amir Hossein Nafar (sein Vater arbeitet in nächster Nähe von Rafsanshani) hat uns eingeladen, er ist ein guter Freund von Ali Reza. Von der Strasse geht’s hinunter in den Keller. Wunderbare alt-iranische Ausstattung und Musik. No smoking, no Alkohol. Beer of Bavaria (alkoholfrei!), extra für uns. Die schwarz-rot-goldene Fahne auf dem Tisch. ‚Ich liebe Deutschland’ kam vom Podium. Amir: „It’s a honor for me, that you are here“. Das hat wohl auch damit zu tun, dass Ali Reza ihm gesagt hat, dass ich ‚Pfarrer’ ‚Priest’, Protestantischer Imam’ bin. Männer begrüßen die Männer, nicht die Frauen (peinlich für mich!), ihnen wird nicht die Hand gegeben, nur Verneigung. – Ali Reza fuhr mit uns in das Alborz-Gebirge nördlich von TEH., an einem riesigen MotoCross-Gelände vorbei und weiter hinauf bis 3000m an die Schneegrenze zum Emam Zade Davood Grave. Am silbernen Gitter des Grabes werden grüne Bänder befestigt, sie sollen innige Wünsche ‚festmachen’. Es gibt extra Bereiche für Männer und Frauen. Der ganze Bau mit der Sarg-Ausstattung ist beeindruckend schön, die Wände und Decken mit kleinen Spiegeln versehen. Im Niavaran-Palast vom Vater des Schah. Prachtvolle Räume für jede Gelegenheit, riesige 10x10m große Teppiche. In einem Zimmer sind Bilder der Staatsoberhäupter aufgestellt, die zu Gast waren, auch eines von Adenauer, daneben Hitler. (Iraner sind Arier – keine Araber! – schon deswegen eng mit Deutschen verbunden (peinlich!). In einem Lokal, als ich mich als Deutscher vorstellte, kam spontan ‚Heil Hitler’). Im Park setzte sich Mahsa zu uns. Sie sprach deutsch, kam als 9-jährige nach Deutschland, durfte jetzt ihren Vater besuchen. Diese schönen Ausflugslokale, wie Darvand und Darakhe! Da lagen wir zum Essen auf niederen Podien, die mit Teppichen und Rückenpolstern belegt sind. Wasserpfeife und Tee gehören dazu. Urgemütlich. Mahsa kam auch und Ali Rezas Girlfriends. In der Metro: Das musste sein. Die Türen werden an den Stationen a l l e geöffnet und geschlossen. Ich merkte es, wie ich sofort als Ausländer erkannt wurde.Im Azadi-National-Denkmal, noch vom Shah erbaut. Im Untergrund ein grandioses Museum mit allem, was ‚Iran’ ausmacht und zu bieten hat mit allen technischen Errungenschaften und künstlerischen Objekten. Auf Laufbändern werden die Besucher durch die dunklen, nur punktuell beleuchteten Räume geführt. Von oben des Monuments hatte ich einen herrlichen Blick über TEH hinweg zum schneebedeckten Alborz-Gebirge.In der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache findet der Gottesdienst am Freitag statt, am Feiertag der Muslime. Etwa 25 Personen haben sich eingefunden, parallel Kindergottesdienst, anschließend Begegnung mit Tee und Gebäck. Pfarrer Jakobi berichtete von seiner Arbeit. Die Gemeinde hat sich seit 2004 für die Erdbebenopfer in Bam engagiert, besonders für Waisenkinder. Zunächst wurde das begrüßt, doch seit 2007 wurde von Seiten der Behörden Ablehnung signalisiert. Nur noch ‚verdeckt’ konnte über Sozialarbeiterinnen den Kindern geholfen werden. - Sehr lebendig ist der Frauentreff mit einem abwechslungsreichen Programm. Die Frauenbeauftragte stellt das Buch vor „One Way-Ticket nach Tehran“. Um das Bild vom Iran in ihrer deutschen Heimat zurechtzurücken, erzählen 33 Frauen aus ihrem Leben in einem exotischen und islamischen Land. Überall im Land sind an den Straßen ‚Opferkästen’ verteilt (Almosen-Pflicht!) – und die werden voll! Vor unserer Auto-Tour steckte Maryam Geld hinein. - Später stand am Straßenrand ein alter Mann mit einem Räuchergefäß. Das Auto wurde innen und außen ‚beräuchert’. In einem Zoo begegneten wir einer 4. Schulklasse. Bald waren w i r die Attraktion. Sie wollten photographiert werden und photographierten uns mit ihren ‚Mobiles’. Dann wollten auch die Lehrer mit uns photographiert werden. – Bei anderer Gelegenheit entdeckte eine Lehrerin Inge als Deutsche und stellte sie ihrer Klasse vor! Die Jugend: 65% der 70 Millionen Einwohner sind unter 30 Jahre alt. Durch den Krieg mit Irak kommen 3 Frauen auf 1 Mann. – Es besteht 2 Jahre Wehrpflicht. Zum Teil werden die eingezogenen Männer Verkehrs-Polizisten, für die dann nur der Wehrsold bezahlt werden muss! Rey (früher Rhages) liegt im Südosten von TEH. Rey war zuerst da, TEH entwickelte sich von Rey aus. The Gem of Rey: Wahrhaft ein Schmuckstück mit dem Schrein von Shah Abdol Azim (Nachkomme des 2. Imam Hassan) – eine der wichtigsten Pilgerstätten der Schiiten des Iran. Am Eingang mussten Inge und Maryam lange schwarze Tücher umlegen. Bezaubernd: Die goldene Kuppel, die Minarette, das Grabmal im Innern, Wände voller kleiner Spiegel. Männer sitzen auf dem Teppich, betend, meditierend, Koran lesend. Eine heilige Stille. – Neben dem Grabmal ein weiter Platz mit lauter Grabplatten. Auf der Heimfahrt sind wir noch vorbei an Cheshm-e Ali, einem Siedlungshügel aus dem 4. Jahrtausend vor Christus. Abschiedsessen, wieder von Amir eingeladen, im Restaurant Nayeb; da soll es das beste Essen in TEH geben. 1 Dutzend Kellner, vornehm, gediegen. Als Abschiedsgeschenk ließ uns Amir 5 Packen mit je 1 kg Mandeln, Haselnüsse, Cashew-Nüsse, Trockenfrüchte (entsetzlich sauer, von Kindern heiß geliebt), bringen. Der Abschied von der Familie wurde fast zu einer Beerdigung: ‚We love you’, ‚we will miss you’. Bis wir uns nicht mehr sehen konnten, standen sie, als wir eincheckten und verschwanden.

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