Ein Israeli malt die Gegenwart – Ausstellung in FFB

Avner Gavrieli vor dem „Pixelate: Königin Elisabeth“ von 2012, Acryl/Öl auf Leinwand, 60x80 cm.

Der Neu-Berliner Avner Gavrieli stellt in der Brucker Galerie RADUART bis 6. April aus Seit 2011 lebt der israelische Maler Avner Gavrieli, 61, in Berlin-Neukölln. Er ist aus dem Gelobten Land zurückgekehrt in das Land seiner Vorfahren. In das sprichwörtliche „Vaterland“, denn sein 1913 in Berlin geborener Vater Kurt Glasberg flüchtete von hier 1935 vor dem NS-Terror nach Israel.

Die TAZ schrieb in ihrem Porträt zum Rückkehrer-Sohn „Berlin ist für ihn, den säkularen Israeli, ein Quell der Kreativität.“ Die jetzt von ihm in der Brucker RADUART-Galerie von Radu-Anton und Dr. Svetlana Maier ausgestellten, zumeist großformatigen Bilder sind ein Abbild unserer Zeit, seine Auseinandersetzung mit drei Weltreligionen, kreisen um den israelisch-palästinensischen Dauerkonflikt. Avner Gavrieli, Bewohner des Arme-Leute-Bezirks Neukölln, wollte sie gern im ehemaligen väterlichen Wohnhaus Uhlandstraße 49 - heute ein Hotel - im Vorzeigebezirk Charlottenburg zeigen. Man lehnte dankend ab. Der Künstler: „Ich bin Scheitern gewohnt.“ Über fast allen Bildnissen – „gemalte kleine Lebenspartikel“ nach dem Beispiel „antiker Mosaikkunst“ - hängen die Schatten einer unerbittlichen, friedlosen Gegenwart, geformt aus „Religion und Politik, Juden und Muslime“. Eine typisch jüdisch-jiddische Ironie bis zum Sarkasmus blitzt darin auf, wenn er den in Alltag und Freizeit handelnden Bildpersonen einen falschen Heiligenschein aufsetzt. Oder den in Israel hochangesehenen, zu säkularen Heiligen verehrten Bomberpiloten zu ihrem Schutz in seinen Bildern das Gesicht verpixelt. Die TAZ urteilte in ihrer Personenbeschreibung zum Werk: „In Gavrielis Bildern steht hinter der Idylle immer auch der Schrecken …“ Avner Gavrieli, derzeit noch mit dem Erlernen der deutschen Sprache befasst, hat vom deutschen Vater - seine Mutter war eine Polin - nur einige Kraftausdrücke zurückbehalten. Der von ihm seit 2010 ausschließlich geübten Technik der Mosaikmalerei liegt ein Besuch der christlichen Grabeskirche in Jerusalem zugrunde. Das Betrachten des dortigen Wandschmucks brachte den Einfall: „Das ist es!“ Zur Ausstellungseröffnung begrüßte die Galeristin Dr. Svetlana Maier die Gäste. Sie bedankte sich bei Marianne Ganea von der Künstlergruppe artIG für die bereitgestellten drei Kleinskulpturen „Engel“, „Teufel“ und „Weiße Tänzerin“ als gewisses Kontrastprogramm zu den großen Gavrieli-Bildformaten. In die weitere Begrüßung eingeschlossen war Esther-Brigitte Wejnryb-Goren, die seit zehn Jahren in Rottbach/Maisach lebt. Die Tochter eines Holocaust-Überlebenden wanderte mit 20 Jahren nach Israel aus, kennt Avner Gavrieli seit 35 Jahren, schätzt ihn als einer, „der andauernd Kunst macht.“ Sie selbst arbeitet inzwischen an einer Vereinsgründung „Bewegungen zum Frieden hin“ und sieht darin neben Israel und Palästina auch Deutschland als Vermittler eingebunden: „Ich entferne mich von jeglichen Anschuldigungen. Die Palästinenser sehen sich als Opfer, die Israelis aber auch.“ Radu-Anton Maier, Kurator und Künstler, der mit „Agora borealis II“ von 2008 ein eigenes, großformatiges Bild zur Ausstellung beisteuerte, würdigte das aktuelle Schaffen des Künstlerkollegen Gavrieli, der inzwischen auch deutscher Staatsangehöriger ist, mit „Kein Manifest, keine plakative Aussage, ein mehr oder weniger wachrüttelndes Protokoll.“ Durchaus entsprechend der Definition von Avi Primor als ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland zur Lage in seinem eigenen Land: „…. Hoffnungslos, aber stabil!“. Maier riet Gavrieli abschließend dazu, „etwas geiziger mit der Verteilung von Heiligenscheinen und Gloriolen umzugehen …!“ Ausstellung „Heilige, Rabbiner & Piloten“ von Avner Gavrieli, in der Galerie RADUART, Fürstenfeldbruck, Ledererstr. 12, bis zum 6. April 2012. Öffnungszeiten: Mi u. Fr 14-17 Uhr, Sa 11-13 Uhr. Nach Vereinbarung: Tel. 08141-224595.

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