Israelische Parlaments-Stipendiaten mit Hasselfeldt in Germering und Dachau

Jährlich bietet der Deutsche Bundestag Hochschulabsolventen vornehmlich aus den mittel-, ost- und südosteuropäischen Ländern sowie aus Frankreich und den USA die Möglichkeit, das politische, kulturelle und wirtschaftliche Leben in Deutschland näher kennen zu lernen. Auch in diesem Jahr haben wieder 115 Absolventen aus den verschiedenen Ländern ein Internationales Parlaments-Stipendium (IPS) in Berlin erhalten. Erstmals nehmen auch vier Stipendiaten aus Israel an dem Praktikum teil.

In knapp fünf Monaten lernen die Stipendiaten dabei das parlamentarische Regierungssystem Deutschlands sowie die Arbeitsweise der höchsten Deutschen Volksvertretung kennen. Daneben sollen aber auch die Beziehungen Deutschlands mit den teilnehmenden Ländern sowie die Verständigung unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gefördert und vertieft werden. Im Rahmen ihres Praktikums nahmen mit Radmila Abramov, Michael Rimmel und Yoav Sapir drei der vier israelischen Stipendiaten am Vortag des ersten Mais auf Einladung der Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt an der Einweihung des neuen Besucherzentrums der KZ-Gedenkstätte Dachau durch Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer teil. Für die jungen Israelis, die alle drei Holocaust-Opfer in ihren Familien zu beklagen haben, ein Moment des stillen Gedenkens. Am Abend besuchten die Stipendiaten mit Gerda Hasselfeldt die Maikundgebung der Arbeitnehmer-Union der CSU (CSA) in der Germeringer Stadthalle, wo Seehofer als Festredner auftrat. Am Rande der Veranstaltung ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit den ausgezeichnet deutsch sprechenden Israelis. „Ich glaube, dass viele Deutsche ein völlig falsches Bild von Israel haben“, sagte Michael Rimmel, der bereits von 2004 bis 2007 an der Freien Universität in Berlin einen Bachelor in Politikwissenschaften gemacht hat und als Referent bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas gearbeitet hat. „Bei der persönlichen Begegnung von Mensch zu Mensch kann man dieses Bild wohl am besten zurechtrücken“, erklärte der 30-Jährige, der in München geboren ist und aufgrund der Berufstätigkeit seines Vaters 1980 nach Israel umzog. „Lasst die Vorposten nicht im Stich“, forderte der 29-jährige in Israel geborene Yoav Sapir, der sich damit mehr Solidarität von den europäischen Ländern wünschte und dessen hebräischer Nachname übersetzt Speyer lautet. „Vor über 1000 Jahren gab es eine große jüdische Gemeinde in Speyer“, klärte Sapir auf. Die 27-jährige in Russland geborene Radmila Abramov, die 1996 mit ihren Eltern nach Israel kam, bezeichnete ihre neue Heimat als ein kleines, sehr vielfältiges und interessantes Land mit einer Multi-Kulti-Bevölkerung, wo es viel zu sehen gibt. Abramov wird demnächst eine Woche lang in Hasselfeldts Wahlkreis Dachau/Fürstenfeldruck die Arbeit der Bundestagsvizepräsidentin auf kommunaler Ebene kennenlernen. Landschaftlich gefalle ihr Deutschland sehr gut, speziell Bayern und die Berge, so Abramov. „Vielleicht schaue ich mir noch Aachen an“, meinte Sapir, der nach eigenen Angaben, „ansonsten schon überall war“, und dem das Wiener Schnitzel besonders gut schmeckt, während die beiden anderen die deutsche Küche eher als gewöhnungsbedürftig bezeichneten. „Es gibt Sachen, die ein Gentleman einfach nicht verraten darf“, beantwortete Sapir die Frage nach Kontakten mit Deutschen sehr diplomatisch und lächelte. Rimmel hat bereits während seiner Studienjahre in Berlin viele Freundschaften geschlossen und diese weiter gepflegt. Auch Abramov hat schon Bekanntschaft mit Deutschen beispielsweise während eines Praktikums beim EU-Parlament geschlossen. Übrigens: Auch für deutsche Hochschulabsolventen besteht die Möglichkeit, in ausländischen Parlamenten tätig zu werden. Partnerprogramme des IPS bestehen in Frankreich, Polen und Ungarn. Für die Zukunft ist beabsichtigt, dass auch in Israel ein solches Partnerprogramm aufgelegt wird.

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