Wenn es kracht und knallt

Wie Wildtiere Silvester erleben

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Rehe müssen im Winter mit ihren Reserven gut haushalten, weshalb schon kleine Bewegungen an ihren Energien zehren.

Das Zischen aufsteigender Raketen, bunte Feuerbälle und krachende Explosionen am Nachthimmel. Ob Wild- oder Haustiere, der Schock über den plötzlichen Krach verschreckt in vielen Fällen beide gleichermaßen. Während sich der Hund in die hinterste Ecke des Kellers verkrümelt, sucht das junge Reh Schutz im Dickicht und wartet bis das Spektakel vorbei ist. Das Zusammenleben von Mensch und Natur wird immer wieder auf die Probe gestellt. Michael Pöllmann, Sprecher der Kreisgruppe Fürstenfeldbruck im Bayerischen Jagdverband (BJV) kennt die Problematik und hat Ratschläge, wie ein Zusammenleben von Mensch und Tier noch besser harmonieren könnte – und das nicht nur zu Silvester.

Landkreis - Wie unterschiedlich Menschen den richtigen Umgang mit der Natur einschätzen, zeigt sich bei einem Vorfall kurz vor Weihnachten in Eichenau. Eine Gruppe von etwa 40 Kindern sowie Aufsichtspersonen wollten einen weihnachtlichen Waldspaziergang mit Fackeln bei Eichenau unternehmen und sangen dazu Weihnachtslieder. Was vorweihnachtliche Stimmung bei den Teilnehmern verbreitete, stieß allerdings auf wenig Verständnis beim zuständigen Jagdpächter. Dieser sah neben der Gefahr eines Waldbrandes auch die Ruhe der Tiere im Forst gestört. 

Sich mit der Natur beschäftigen

Michael Pöllmann, Sprecher der Kreisgruppe Fürstenfeldbruck im Bundesjagdverband kann das nachvollziehen. „Durch die trockenen Sommer sei die Waldbrandgefahr immer noch hoch“, erklärt er. Noch dazu standen Kerzen auf dem Boden. „Es wäre vermutlich sinnvoll gewesen den Spaziergang anzumelden“, regt er an. Gerade in Bezug auf die Natur kennt der Puchheimer die unterschiedlichen Auffassungen im Umgang mit der Natur. „Ich würde mir wünschen, dass die Natur- und Outdoorfreunde sich mit der Natur beschäftigen“, erklärt der 51-Jährige. Wie diese Beschäftigung aussehen könnte, erklärt er an einem Beispiel.

Silvester wird für die Tiere zur Belastungsprobe

Michael Pöllmann, Sprecher der Kreisgruppe Fürstenfeldbruck im Bayerischen Jagdverband.

 „Man könnte am Wochenende einen Ausflug mit dem Rad durch den Wald machen. Das wäre ideal, wenn man Glück hat, sieht man sogar ein Reh“, erklärt der Puchheimer. Anders sehe es aus, wenn jemand bei Einbruch der Dunkelheit oder bei Nacht mit dem Fahrrad und starkem Halogenlicht durch den Forst radelt, sozusagen „die Nacht zum Tag macht“. „Die Tiere trauen sich nicht mehr raus, obwohl sie erst in der Dämmerung aktiv werden“, erklärt er. Gerade jetzt zu Silvester bahnt sich für die Tieren eine weitere Belastungsprobe an. „Für die Tiere ist ein Feuerwerk wie der vermeintliche Ausbruch eines Weltkrieges“, sagt Pöllmann. Wie der Hund, der sich im letzten Eck verschanzt und abwartet bis der Krach vorbei ist, suchen sich beispielsweise auch Rehe geeignete Verstecke. Da sie allerdings im Winter mit ihren Energiereserven gut haushalten müssen, nimmt diese beim Fliehen rapide ab. „Das macht das Überleben für die Tiere schwierig“, sagt Pöllmann. Dazu komme noch, dass die Wildtiere im Winter nur wenig Äsung finden, da das Angebot knapp ausfällt. 

Pöllmann verbringt Silvester in den Bergen

Nichtsdestotrotz hat Pöllmann natürlich Verständnis für diejenigen, die es krachen lassen wollen. „Früher, als meine Kinder noch klein waren, habe ich auch die ein oder andere Rakete gezündet“, sagt er. Um den Tieren aber dennoch einen Gefallen zu tun, helfe es schon, wenn sich die Menschen gemeinsam zu einem großen Feuerwerk treffen. „Das macht sowieso mehr Spaß als alleine“, sagt er. Michael Pöllmann hat dieses Silvester andere Pläne, er wird den Tag abseits von Raketen und Böllern in den Bergen verbringen. 

Felix Hamann

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