111 Jahre Gröbenzeller Eisenbahn - Heimatkundeverein Gröbenhüter präsentiert Geschichte

Was waren das für Zeiten, als die ‚Möserer’ in der dünn besiedelten Gröbenzeller Flur die etwas langsamer fahrende Eisenbahn der Linie München-Augsburg durch Absprung verließen, weil die Züge nur in Olching und Lochhausen hielten. Die Wege von dort wollte man sich ersparen, aber das war nicht ungefährlich - bis 1898.

Mit ihren Ausstellungsmaterialien und Begleitinformationen in der Galerie des Bürgerhauses zu 111 Jahre Haltestelle, Bahnhof und jetzigem S-Bahnhalt Gröbenzell weisen die ‚Gröbenhüter’ sich erneut als fundierte Heimatkundler aus. Mit dem Eisenbahnanschluß des vielteiligen Weilers im Torf- und Siedlergebiet „Olchingermoos“ wuchs Gröbenzell (bis 1952 in der Verwaltung von Langwied und Olching) zu seiner gemeindlichen Bedeutung heran. Man hat lange auf den direkten Anschluß an die bereits 1840 eröffnete Bahnlinie München-Augsburg warten müssen. Erst der Todesfall eines fünffachen Familienvaters 1885 beim Absprung aus dem Zug am heimischen Bahnübergang und die sich daraus ergebende Initiative des Justizrates Dr. Franz Troll erbrachten am 20. Nov. 1898 die Einrichtung einer ‚Haltestelle Gröbenzell’: Bestehend aus zwei Bahnsteigen von je 70 Metern Länge rechts und links der Gleise, ohne Wartehäuschen und mit Fahrkartenverkauf im Zug. 1906 wurden die Bahnsteige auf 160 m verlängert, die Station aber erst 1911 durch eine offene Wartehalle mit Fahrkartenausgabe aufgewertet. 1927 stellte die Bahn die Strecke auf elektrischen Betrieb um. Im gleichen Jahr bekam Gröbenzell seinen ersten „richtigen Bahnhof mit Warteraum“. Ab 1930 wurde man durch die Expressgutübernahme und ab 1934 durch eine Frachthalle für den Güterschwertransport von der Reichsbahn nochmals aufgebessert. Dazu erfolgte 1931 am Bahnübergang durch tödlichen Unfälle bei der Gleisüberquerung - selbst bei geschlossenen Bahnschranken - ein Durchlaß als Fußgängerunterführung. Aus 1954 existiert der Plan der Bundesbahndirektion München zum „Betriebsgebäude/Güterhalle Bf. Gröbenzell“. Gravierende Veränderungen brachten die 70er Jahre. Einmal durch das im Zusammenhang mit den olympischen Spielen installierte S-Bahnnetz, zum anderen durch bauliche Veränderungen. 1975 Schließung des Bahnhofs: Keine Annahme mehr von Fracht- und Expressgut und Einstellung des Fahrkartenverkaufs. Baubeginn der Bahnhofsunterführung für Fußgänger und Radler sowie der Unterführung für den allgemeinen Durchgangsverkehr an der Freyastraße. 1976 dann der Abbruch des Bahnhofs, Verlegung des Bahnsteigs nach Osten, Erweiterung des Gleiskörpers auf vier Gleise, Eröffnung der S-Bahnhaltestelle für die damalige S 3 (später S 8 und S 4, teilweise im 10-Minuten-Takt). 1996 erneuter Umbau der Unterführung am S-Bahnhalt, der sich auch noch 2008/2009 mit einer „optischen Umgestaltung“ fortsetzt. 1998 Lifteinbau zur Bahnsteigebene und für die ‚Gröbenhüter’ in ihrem Gründungsjahr eine großartige Gelegenheit, 100 Jahre Bahnstation Gröbenzell in und für die Öffentlichkeit zu organisieren und zu feiern. Jetzt, 11 Jahre später, ließ Bürgermeister Dieter Rubenbauer in der Begrüßungsansprache zur Sonderausstellung sein Bedauern durchblicken, nur noch einen simplen S-Bahnhalt vorweisen zu können: „Zum Bahnhof bräuchten wir wenigstens eine Weiche.“ Gröbenhüter-Vorstand Rudi Ulrich begrüßte zahlreiche Gäste zur neuen Erinnerungsveranstaltung und beschränkte sich - dankbar aufgenommen - auf eine kurze Lesung zu einer Eisenbahnfahrt. Albert Donhauser, 2. Vorsitzender und auch Museumsleiter, erläuterte Details zur Ausstellung im Bürgerhaus. Auch er monierte zum S-Bahnhalt Gröbenzell „Wir haben ja noch nicht einmal ein Häuserl …“ An eine eher unfreiwillige, aber spannende ‚Durchfahrt’ am Bhf Gröbenzell im Winter 1967/68 erinnert sich die damalige Neubürgerin und heutige stv. Landrätin Gisela Schneid: „Der Zugführer war wohl neu. Jedenfalls konnten wir erst in Olching aussteigen. Wie nun zurück? Taxifahrten konnte der dortige Bahnhofsvorsteher nicht verbuchen. Also hielt er den Schnellzug Augsburg-München an, der uns dann auch in Gröbenzell rausließ. Für den Schnellzug wohl das erste und einzige Mal auf dieser Strecke …“ Zum Programm und Imbiß mit gestifteter 111-Jahre-Brezn gestalteten die ‚Gröben-Reeds’ die musikalische Umrahmung: Unterhaltsame Werke aus der Barockzeit, gespielt von Holle Rohlfs, Gabriele Schmidt, Ingrid Steinsiek, Dr. Lothar Stengel-Rutkowski, Rita Thalmeier auf der Dulzian, Gambe, Blockflöte und dem Gemshorn. 111 Jahre Bahnstation Gröbenzell, Sonderausstellung der ‚Gröbenhüter’ in der Galerie des Bürgerhauses bis 13.09.2009. Öffnungszeiten Di. 18-20 Uhr, Fr u. So 10-12 Uhr. Eintritt frei. Di., 11. Aug., 19 Uhr, liest Toni Drexler „mit der Eisenbahn“, Di., 25. Aug., 19 Uhr, liest Wolf Euba „Verstehen Sie Bahnhof?“

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