125 Jahre Imkerverein FFB mit Festredner Professor Tautz – Noch nicht alles aus der Wunderwelt der Honigbiene ist erforscht

Prof. Jürgen Tautz (l.) im Dialog mit Besuchern bei der 125Jahrfeier des Brucker Imkervereins. Foto: Günter Schäftlein

Zur 125–Jahrfeier des Imkerverein Fürstenfeldbruck und Umgebung e.V. hatte die Vorstandschaft um Reinhard Biller und Ralf Müller in die vollbesetzte Brucker Marthabräuhalle eingeladen. Der Verein bietet Erfahrungsaustausch am Stammtisch jeden 1. Mittwochabend im Monat im Kolpingheim FFB, hilft beim Einstieg in die Imkerei, veranstaltet Ausflüge zu imkerlichen Betrieben, offeriert Einkaufsvorteile bei Futtermittel und übernimmt Sammelbestellungen von Arzneimittel zur Behandlung der Varroa-Milbe. Selbstbewußt sagt die Vorstandschaft „Wir Imker sichern die Artenvielfalt in der Natur!“ Zum Thema „Wunderwelt der Honigbiene“ gibt es viel Gedrucktes. Jedoch dem Würzburger Uni-Professor Tautz über sein Lieblingstier zuzuhören, vertieft dies alles - und lässt manches neu erscheinen. Und dabei sagt der Bienenspezialist ganz bescheiden „Wir wissen über die Honigbiene noch nicht genug, über die Königin-Begattung zu wenig und über die Drohnen fast nichts.“

Prof. Jürgen Tautz, Autor des Buches „Phänomen Honigbiene“, kann es nicht laut genug sagen, dass dieses kleine Wesen in Intelligenz, Anpassungsfähig- und Belastbarkeit zu den „erstaunlichsten Geschöpfen der Erde zählt“. Der führende Bienenwissenschaftler in Deutschland lässt „das Bild eines Superorganismus“ erstehen: In einem penibel geordneten Leistungsstaat zusammengehalten und von überragender Bedeutung für die Artenvielfalt und Erträge der Landwirtschaft. 80% aller bunt blühenden Wild- und Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch die Honigbiene angewiesen. Zur Bestäubung der Obstkulturen trägt die Honigbiene mit rund 77%, tragen Hummeln mit rund 8%, Fliegen mit rund 4% und solitäre Wildbienen mit knapp 3% bei. 170.000 Arten von Blütenpflanzen werden weltweit durch Honigbienen bestäubt. Ein Drittel unserer Lebensmittel hängt dabei von ihnen ab. Bereits im 18. Jh. schrieb der Pflanzenkenner Christian Konrad Sprengel „Fremdbestäubung ist ein Plan der Natur. Bienen müssten gehalten werden, selbst, wenn sie keinen Honig eintragen würden.“ Alle Insekten dieser Erde haben eine extrem hohe Vermehrungsrate - bis auf die Honigbienen. Die sind im Nachwuchs genauso sparsam wie die menschlichen Geburtsraten in Europa. Aber das ist es nicht alleine, was dem Professor die Honigbiene so ‚menschlich’ erscheinen lässt: Sie haben die exakt gleiche Körpertemperatur wie wir: 36 Grad. Ihre ‚Muttermilch’ zur Versorgung des Nachwuchses ist das Gelee Royal. Sie verfügen über einen geschützten Uterus und besitzen die höchste Lernfähigkeit. Honigbienen sind unabhängig und schaffen sich eine eigene Welt durch Arbeitsteilung und Kommunikation. „Jede Biene kann alles machen. Das macht sie so überlegen.“ In einem maximalen Tagewerk besucht eine einzige Biene bis zu 3000 Blüten. Was sie davon nach Hause bringen - Pollen und Nektar - erlaubt die volle Kontrolle über die Entwicklungsbedingungen des Nachwuchses. Der eingebrachte Honig im Stock ist in erster Linie ein Heizmittel für die so wichtige Stocktemperatur - und dafür sind spezielle Heizbienen zuständig. Wenn diese sich im Einsatz erschöpfen, päppeln ‚Tankstellenbienen’ sie wieder auf. Rund 300 Kilo Honig werden von einem Volk in einem Sommer als Heizmittel ‚verbrannt’. Was vom Imker geerntet wird, ist lediglich die Heizreserve. Bienen sind äußerst Temperatur-empfindlich und können schon Abweichungen im untersten Kommabereich messen. Der sechskantige, exakte Wabenbau wird von der Menschheit seit altersher bewundert. Der Astronom Nikolaus Kepler unterstellte der Honigbiene hierfür einen mathematischen Verstand. Prof. Tautz sieht für diese Perfektion eher einen physikalischen Vorgang. Bienen sind vielfach durch Krankheiten bedroht. Umso erstaunlicher, dass sich dennoch keine Epidemien im engen Beisammensein des Stocks entwickeln: Betroffene Tiere entfernen sich oder ändern ihr Verhalten. Begattungsvorgänge zwischen Königin und Drohnen sind bis heute rätselhaft. Die oft behauptete Luftbegattung ist bisher noch nicht bildlich belegt. Infos unter www.bruckerimker.de oder über www.hobos.de, dem Angebot der Uni Würzburg.

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