Trotz widriger Rahmenbedingungen präsentierte die VR-Bank FFB eine gute Jahresbilanz 2015

"Extrem niedriges Zinsniveau belastet gerade Regionalbanken"

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Sie präsentierten das sehr gute Ergebnis der VR-Bank FFB für das zurückliegende Geschäftsjahr 2015 (v. li.) Robert Fedinger, Rainer Kerth, Walter Müller und Joachim Lachnit.

Fürstenfeldbruck – „Wir haben keinerlei negative Sensationen zu vermelden, Gott sei Dank, der Jahresabschluss 2015 reiht sich in die guten Abschlüsse der vergangenen Jahre ein.“ Mit diesen Worten eröffnete der Vorstandsvorsitzende der Volks- und Raiffeisenbank (VR-Bank), Walter Müller, die Vorstellung der Bilanz für das zurückliegende Jahr. Das sehr gute Ergebnis verdanke man dem Vertrauen der Kunden und dem herausragenden Engagement der Mitarbeiter der Bank, so Müller. Im gleichen Atemzug verkündete Müller aber auch, dass es so einen Jahresabschluss wie 2015 in den nächsten Jahren wohl nicht mehr geben wird. Als Begründung nannte Müller das extrem niedrige Zinsniveau, das gerade die Regionalbanken immer stärker belaste. 

  „Alle Banken leiden darunter. Und es wird in den nächsten Jahren noch deutlich stärker werden“, sagt Müller. Für die privaten Geldanleger, die Pensionsfonds und die Lebensversicherungen werde das Niedrigzins-Niveau ein Problem werden. Aber auch die Banken werden sich in den nächsten Jahren darauf vorbereiten. So werde es Fusionen, Filial-Schließungen und Abbau von Arbeitsplätzen geben. Auch die VR-Bank werde da keine Ausnahme machen können. Die Aktivitäten der EU in Richtung eines europäischen Einlagensicherungssystems (EDIS) bereiten dem Bankchef darüber hinaus große Sorgen.

 Nach Vorstellung der EU sollen alle Banken für einander haften, wenn eine Bank in der EU, egal was sie treibt und dabei in Schwierigkeiten gerät, einspringen. Neben der eigenen Rücklagensicherung soll jede Bank jährlich 100.000 Euro in einen „EU-Sicherungstopf“ zahlen. „Wenn das kommt, wäre das schlichtweg eine Enteignung. Ich hoffe nur, dass unsere Bundesregierung und die Abgeordneten im Bundestag bei ihrem Veto bleiben.“ Er könne sich überhaupt nicht vorstellen, dass die mehr als 18.500 Mitglieder der VR-Bank damit einverstanden wären, dass ihre Bank für die riskanten Geschäfte beispielsweise einer griechischen oder zypriotischen oder portugiesischen Bank haftet.

 Das Wachstum der VR-Bank lag im vergangenen Jahr über den Planungen, informierte Müller. Die Bilanzsumme stieg um knapp sechs Prozent auf 1,438 Milliarden Euro. „Damit zählen wir nach wie vor zu den großen Genossenschaftsbanken in Bayern“, führte Müller aus. Der Gewinn vor Steuern und außerordentlichen Aufwendungen beläuft sich auf ca. 19,9 Millionen Euro und ist gegenüber dem Vorjahr (19,3 Mio. Euro) leicht gestiegen. An Steuern zahlt die VR-Bank für das zurückliegende Jahr ca. 5,8 Millionen Euro, davon entfallen 2,6 Millionen Euro auf die Gewerbesteuer. Über eine rege Kredit-Nachfrage berichtete Vorstandsmitglied Reiner Kerth. Das gesamte Kreditvolumen stieg um ca. 4,7 Prozent auf 1,091 Milliarden Euro.

 Erfreulich sei auch, dass es, bedingt durch die gute Wirtschaftslage in der Region, so gut wie kaum Kreditausfälle gab. Von einem überraschend hohen Zuwachs bei den Kundeneinlagen berichtete Prokurist Robert Fedinger. Sie stiegen um 70 Millionen Euro auf 1,195 Milliarden Euro. Allerdings verdiene die Bank damit kaum noch Geld, denn die Einlagen werden nur noch kurzfristig angelegt. Zufrieden sei man hingegen mit dem Wertpapiergeschäft, so Fedinger, der den Anliegern aufgrund des niedrigen Zinsniveaus aber riet, bei der Geldanlage zu streuen. Der Chef der Versicherungstochter der VR-Bank, Joachim Lachnit, berichtete von einer guten Geschäftsentwicklung. Trotz eines Zuwachses von drei Prozent bei den Lebensversicherungen bereite Lachnit aber das geringe Interesse an einer privaten Altersvorsorge Sorgen. Trotz neuer Vorsorgekonzepte sehe er nur eine geringe Bereitschaft bei den jungen Leuten, für das Alter vorzusorgen. Den Grund sieht Lachnit auch darin, dass die Lebenshaltungskosten ständig steigen und nicht mehr viel übrig bleibe für eine Altersvorsorge. Vorstand und Aufsichtsrat werden der Vertreterversammlung erneut eine Dividende in Höhe von 3,5 Prozent auf die Geschäftsguthaben vorschlagen. Müller wies darauf hin, dass die Mitglieder der Bank damit eine weit über dem Zinsniveau liegende Verzinsung erhalten.

 Dieter Metzler

 

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