Jahreshauptversammlung der Kreishandwerkerschaft

Handwerkern laufen die Gesellen weg

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Friseurin Corina Förg (Mitte) wurde für ihren guten Berufsabschluss mit dem Anton-Hoch-Gedächtnispreis ausgezeichnet.

Trotz einer positiven Grundstimmung gibt es einige Themen, die den Handwerkern im Landkreis unter den Nägeln brennen. Die Requirierung von Auszubildenden sowie die Abwanderung von Fachkräften sind zwei Beispiele.

Fürstenfeldbruck – Kreishandwerksmeister Harald Volkwein freute sich, dass er zur Jahresversammlung neben der stellvertretenden Landrätin Martina Drechsler, Kreis-Wirtschaftsreferent Johann Stürzer und Stadt-Wirtschaftsförderin Aliki Bornheim auch die beiden Bankchefs, Klaus Knörr von der Sparkasse sowie Walter Müller von der VR-Bank, im Hotel Post begrüßen konnte.

Beste Jung-Friseurin

Bevor Volkwein über die Arbeit der Kreishandwerkerschaft im vergangenen Jahr berichtete, holte der Beauftragte der Kreishandwerkerschaft, Franz Höfelsauer, eine Ehrung nach. Corina Förg aus dem Friseurladen von Claudia Rebscher in Türkenfeld wurde aufgrund ihres guten Berufsabschlusses im September nachträglich mit dem Anton-Hoch-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Neben einem Geldpreis erhielt die junge Gesellin auch eine Einladung der Bundestagsabgeordneten Katrin Staffler nach Berlin.

Fachkräfte werden "weggenommen"

Lehrlinge zu bekommen werde immer schwieriger, eröffnete Volkwein seinen Bericht. Der Einstieg müsste attraktiver gemacht werden. Die diskutierte Einführung eines Mindestlohns im ersten Lehrjahr von 500 Euro sei der verkehrte Weg. Und den Berufsnachwuchs nach der Ausbildung zu halten, gestalte sich ebenfalls immer schwieriger. Viele Betriebe seien deshalb ausbildungsverdrossen, weil die ausgebildeten Arbeitskräfte den Stellenanzeigen der öffentlichen Hand erliegen. Sie verdingen sich als Hausmeister an Schulen, wechseln zu Bauhöfen oder zu Berufsfeuerwehren und Bundeswehr. Da müsse man dagegen steuern. „Die nehmen uns die gut ausgebildeten Fachkräfte weg“, sagte Volkwein. Vielleicht sollte man über eine Ausbildungsplatzabgabe nachdenken. 

Facharbeiter aus Ausland keine ideale Lösung

Keine ideale Lösung sei es, den Fachkräftemangel durch Facharbeiter aus dem osteuropäischen Ausland zu beseitigen. Auch sieht Volkwein ein „Ausbluten“ der dualen Ausbildung durch Zusammenlegung von Schulstandorten. Ein Rückgang der Lehrlingszahlen bei einigen Gewerken sei schon feststellbar, weil für die Lehrlinge die Berufsschulen nicht mehr erreichbar sind. 

Voraussetzung für eine solide Finanzpolitik sei ein klar strukturierter Haushaltsplan, stellte Höfelsauer die Jahresrechnung 2017 vor.

Nur 88 Prozent der Berufsschulleher-Stellen besetzt

Die Leiterin der Staatlichen Berufsschule berichtete von großen Herausforderungen, die auf die Schule mit ihren 110 Lehrern, darunter 20 Lehrer allein für die Flüchtlinge, und ihre 2.400 Berufsschüler zukommen. Während die Schülerzahlen in den vergangenen drei Jahren leicht angestiegen sind, wandern dagegen viele Lehrer in die Wirtschaft ab, wo sie ein Vielfaches verdienen. Über Quereinsteiger versucht man die Lücken zwar aufzufangen, doch nur 88 Prozent der Stellen sind an der Berufsschule in Bruck derzeit besetzt. 

Neu: die "Berufsschule Plus"

Eine zusätzliche Herausforderung stellen die 100 Jugendlichen ohne Ausbildung und die 140 Flüchtlinge dar, sowie die beiden Klassen mit 25 Schülern in der Erstaufnahmeeinrichtung im Fliegerhorst. Immer mehr Abiturienten machen eine Berufsausbildung, so dass der Anteil in den vergangenen drei Jahren von elf auf 13 Prozent angestiegen ist. Seit September bietet die Schule mit dem Projekt des Kultusministeriums „Berufsschule Plus“ einen Weg zum Fachabitur an. Derzeit nutzen 27 Schüler das Angebot, drei Jahre lang am Abend fürs Fachabitur zu büffeln.

Schülerheime für Azubis

Durch die Kompetenzzentren an den Berufsschulen bilden sich immer größere Sprengeleinzugsgebiete, so dass die Landkreise vor der Situation stehen, aufgrund der hohen Mieten, den Auszubildenden Schülerheime bereit zu stellen. Auch für die Brucker Berufsschule ist das ein Zukunftsthema, sagt Reuß. Seit einigen Jahren ist die Berufsschule Referenzschule für Medienbildung, daher habe man sich beim Schulentwicklungsprofil für die Digitalisierung entschieden, berichtet Reuß. Damit habe man auf das richtige Pferd gesetzt, so Reuß, weil inzwischen an jeder Schule das Mediencurriculum verpflichtend eingeführt wurde. Innerhalb von zwei Jahren muss die Schule ein Konzept erarbeiten, welche Medienkompetenzen die Schüler in ihren jeweiligen Berufen in der Zukunft brauchen.

red

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