Brigadegeneral  Johann Berger sprach in Fursty  vor dem Freundeskreis der Luftwaffe 

 Globale Risiken, Gewalt und Gesellschafts-Risiken bedrohen Frieden und Wohlstand 

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Sektionsleiter Heinz Gerrits (li.) und sein Stellvertreter Peter Aigner bedankten sich bei Brigadegeneral Johann Berger für seinen Vortrag.

Fürstenfeldbruck –  Mit der traurigen Chronologie 52 gefallener sowie 262 verwundeter deutscher Soldaten und 2.230 Fällen (vom 1. Januar 2010 bis 12. Juli 2012) mit posttraumatischem Belastungssyndrom (PTBS) allein in Afghanistan, eröffnete der Befehlshaber Landeskommando Bayern, Brigadegeneral Johann Berger seinen Vortrag vor dem Freundeskreis der Luftwaffe am 4. April 2013 im Fliegerhost  FFB. 

 „Streitkräfte sind kein technologisches Produkt, keine technische Maschine, wo im Falle eines Defekts ein kaputtes Steckmodul auszuwechseln ist, damit die Maschine wieder läuft, nein, Streitkräfte sind ein lebender Organismus mit Seele; zerstört oder verletzt man die Seele und entweicht sie, wird der Organismus irreparabel zerfallen.“ Mit diesen Worten schloss der Befehlshaber Landeskommando Bayern, Brigadegeneral Johann Berger, seinen Vortrag über „Deutschland und seine Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert“ vor dem Freundeskreis der Luftwaffe am 4. April im Saal des Offizierheims im Brucker Fliegerhorst. 

Berger sei bekannt für eine „klare Ansprache“, stellte der Münchner Sektionsleiter des Freundeskreises, Heinz Gerrits, den im „Flecktarn“ erschienenen Heeresgeneral vor. Die 55 Zuhörer erlebten einen spannenden und kurzweiligen Vortrag über die Bundeswehr als ein Instrument der deutschen Sicherheitspolitik, bei dem es sich aber um keinen offiziellen Bundeswehr-Vortrag handelte, sondern, wie Berger betonte, um seine rein persönliche Meinung, resultierend aus 43 Berufsjahren. 

Dabei zählten die Auslandseinsätze der Bundeswehr ebenso wie die Veränderungen der militärischen Strukturen in der Bundeswehr eine wesentliche Rolle in seinen Ausführungen.  

Er konfrontiere  stets die Zuhörer mit den Zahlen gefallener und verwundeter deutscher Soldaten  in  Afghanistan, weil „ sich die Bürger in unserer Wohlstands- und Spaßgesellschaft damit nicht auseinandersetzen“. Mit dem Thema „Sterben“ mag sich niemand beschäftigen, so der Brigadegeneral. Das Wort „Sterben“ sei für die Spaßgesellschaft ein „Unwort“.

 Bevor Berger die Risiken des 21. Jahrhunderts, die den Frieden und den Wohlstand in Deutschland und weltweit bedrohen, anhand von „drei G`s“ – Globale Risiken, Gewalt und Gesellschaftsrisiken –, näher erläuterte, rief er den Zuhörern zunächst Erinnerung, wie sehr sich die sicherheitspolitische Lage im vergangenen Vierteljahrhundert gewandelt hat. Von der Bipolarität der beiden Machtblöcke, NATO und Warschauer Pakt, während des „Kalten Krieges“ spannte Berger dabei den Bogen über die kurzzeitige Unipolarität nach Ende der Sowjetunion bis hin zur Frage der Multipolarität. Als globale Risiken bezeichnete Berger dabei u.a. den Klimawandel, Hunger, Armut aber auch den steigenden Energiebedarf bei rückläufigen Ressourcen. 

„Den Gegner kann man heutzutage nicht identifizieren, der schaut aus wie du und ich“, ging der General anschließend auf die Gewaltrisiken wie Extremismus, Terrorismus und Failed States ein. Und auch der Weg zur sozialen Explosion sei nicht mehr weit, meinte Berger zu den Gesellschaftsrisiken wie Alltagsgewalt, Kriminalität, soziale Existenzgefährdung, Migration und Demografie. 

Im Jahre 2050 leben ca. 9,1 Milliarden Menschen auf der Erde: Berger sieht  die Gefahr einer sich verändernden Weltordnung insbesondere aufgrund der demografischen Entwicklung und der Zerstörung von bestehenden Wirtschaftsstrukturen durch die Transnationale organisierte Kriminalität (TOK), wobei auch noch die Vernetzung mit der Politik, Wirtschaft, Finanzwelt, Medien und Gesellschaft dazu diene, diese kriminellen Erfolge abzusichern (Korruption, Geldwäsche). 

 Das Militär könne einer vernetzten Bedrohung allein nicht Herr werden. Vielmehr könne Deutschland nur mit einem vernetzten Sicherheitskonzept, in dem Politik, Militär, Justiz, Polizei, Wirtschaft, internationale Organisationen eingebunden sind, erfolgreich dagegen wirken. Deutschland habe zwar die stärkste Volkswirtschaft in Europa und sei das drittstärkste Exportland in der Welt, also ein Wirtschaftsriese, aber auch ein Politikzwerg, warf Berger der Regierung vor. 

 Um die deutschen Sicherheitsinteressen zu gewährleisten, müsse man die Auswirkungen von Krisen und Konflikten auf Distanz halten und sich aktiv an deren Vorbeugung und Einhegung beteiligen, so der General. So zählt neben der Landesverteidigung als Bündnisverteidigung im Rahmen der NATO, auch im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der Einsatz der Streitkräfte zu den Aufgaben der Bundeswehr. Aktuell nimmt die Bundeswehr an fünf unterschiedlichen Einsatzformen im Ausland mit insgesamt 6.600 Soldaten teil. Als eine große Herausforderung für die Zukunft stellte Berger das Ende des ISAF Einsatzes in Afghanistan zum Ende seines Vortrags heraus. 

Dieter Metzler 

 

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