Gelebtes Beispiel für Inklusion

Menschen mit geistiger Behinderung servieren seit 15 Jahren im Landratsamt-Café

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Die sieben Mitarbeiter des Cafés im Landratsamt, das von der Brucker Werkstatt der Caritas betrieben wird, haben sichtlich Spaß an ihrer Arbeit.

Die Kunden des Cafés im Landratsamt bekamen am 12. Dezember zu ihrem Kaffee oder Tee einen Kuchen geschenkt. Denn das Café, das von der Brucker Werkstatt der Caritas betrieben wird, feierte sein 15. Jubiläum und wollte den Besuchern eine Freude machen.

Fürstenfeldbruck – Hektisches Treiben hinter der Theke: Gläser klirren, der Kaffeeautomat surrt, Platten mit Schnittchen und Nussecken werden aus dem Lager manövriert, die Arbeitsplatte wird abgewischt – die sieben Mitarbeiter des Cafés im Landratsamt haben alles im Griff. Als der Landrat und die ersten Gäste eintrafen, war alles perfekt. 

Mehr solcher Arbeitsplätze für die Zukunft

„Wenn man hier hereinkommt, mit einem Lächeln begrüßt wird, das professionelle Auftreten der Mitarbeiter bemerkt, das ist eine schöne Überraschung“, sagte Wolfgang Holmer, nachdem ihm ein Glas Sekt gereicht wurde. Gemeint hat der Leiter der Brucker Werkstatt an diesem Nachmittag nicht die Verwaltungsangestellten des Landratsamtes sondern die Mitarbeiter des Cafés, die in diesem Moment mit ihren roten Schürzen aufgereiht hinter der Theke stehen. Er dankte ihnen, dass sie hier jeden Tag ihre Aufgaben meistern und zeigen, was in ihnen steckt. Fünf der Mitarbeiter haben eine geistige Behinderung und dass diese in einer öffentlichen Einrichtung arbeiten, sei leider nach wie vor eine Ausnahme. Die Caritas versucht jedem Angestellten mit einer Behinderung, wo es passt und möglich ist, einen Außen-Arbeitsplatz zu ermöglichen. Das kann eine Arbeit in einem Seniorenheim, in einem Kindergarten oder eben in dem Café im Landratsamt sein. „Für die Zukunft würden wir uns wünschen, noch mehr solcher Arbeitsplätze in Betrieben und Verwaltungen zu schaffen“, so Abteilungsleiterin Gabriele Freitag. 

Keine Attitüde sondern Win-Win-Situation

Auch Landrat Thomas Karmasin bekommt einen Sekt mit Orangensaft gereicht: „Ich bin froh, dass der damalige Leiter der Brucker Werkstatt Ulrich Riendl die Idee hatte, die Pacht für das Café im Bürgerservicezentrum zu übernehmen“, erzählt er. Dass hier nun Menschen mit Behinderung arbeiten sei keine Attitüde etwas Gutes tun zu müssen, sondern eine klare „Win-Win-Situation“ für Landratsamt und Caritas. Letztere kann Arbeitsplätze nah an der Realität anbieten und das Landratsamt hat einen laufenden Café-Betrieb. Zu dem übrigens auch gern der Landrat selbst kommt. „Wenn wir mittags gleich mit ganz vielen Personen her kommen, wird es schon mal stressig“, weiß er. Doch die Mitarbeiter wüssten teilweise schon, was man gerne mag. In den 15 Jahren sind natürlich auch Mitarbeiter wieder zu einer anderen Arbeit gewechselt oder es sind neue hinzugekommen. „Aber es ist schön, wenn man sie beispielsweise beim Einkaufen wieder trifft“, erzählt der Landrat. Er lobte neben der gelungenen Inklusion zudem die Professionalität aller Mitarbeiter und die Führung der drei Gruppenleiterinnen. „Ich hoffe auf viele weitere Jahre mit euch“, sagte Karmasin abschließend.

Erste Schicht ab 7 Uhr

Angefangen hat das Café mit drei Beschäftigten, mittlerweile sind es fünf Beschäftigte aus den Werkstätten und zwei Leiterinnen, die in acht-Stunden-Schichten die Gäste und Mitarbeiter des Landratsamtes verwöhnen. Immer wieder gehen auch an diesem Nachmittag gefüllte Tassen und Teller mit Kuchen über die Theke Richtung Mitarbeiter des Landratsamtes, die direkt gegenüber des Cafés arbeiten. Der Job ist nichts für Langschläfer, die erste Schicht beginnt bereits um 7 Uhr morgens, wie Gruppenleiterin Diana Rahl erzählt.

Semmeln bis Kuchen

Belegte Semmeln, Gebäck, Obstsalat, täglich wechselnde Brotzeiten und vor allem die selbst gebackenen Kuchen kommen auch nach 15 Jahren nach wie vor super an. Warme und kalte Getränke wie Kaffee, Kakao und Cola runden das Angebot ab. Momentan gibt es sogar selbstgebackene Plätzchen, liebevoll in Tütchen mit Christbaum-Muster und roter Schleife verpackt. 

Kohr

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