Jugendhilfe vor Ort 

Neues Konzept: Jugendamt rückt näher an die Lebensrealität der Familien

Auf einer digitalen Pressekonferenz informiert Landrat Thomas Karmasin über die Umstrukturierung des Jugendamts.
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Auf einer digitalen Pressekonferenz informierte Landrat Thomas Karmasin über die Umstrukturierung des Jugendamts.

Fürstenfeldbruck – Das Jugendamt wird zum 1. April weitgehend umstrukturiert: Sozialräumliches Arbeiten und Familienrat heißen die zentralen Elemente der neu ausgerichteten Jugendarbeit. Es geht um eine bessere Koordinierung bestehender Angebote und darum, dass Kinder und Jugendliche die passgenaue Unterstützung erhalten, die sie benötigen. 

Dies sei „ein großer Schritt für das Jugendamt“ erklärte Landrat Thomas Karmasin (CSU) eingangs der digitalen Pressekonferenz zur Neuorganisation des Jugendamts. Der Landkreis wird in fünf sogenannte Sozialräume aufgeteilt, die jeweils von einem „Jugendhilfe vor Ort“-Team (JvO-Team) betreut werden. Zum einen sinkt dadurch für Bürger die Zahl der unterschiedlichen Ansprechpartner innerhalb des Jugendamtes, zum anderen soll die räumliche Nähe und die Vernetzung mit den örtlichen Einrichtungen und Vereinen zu einer engeren und besser abgestimmten Arbeit mit den Kindern, Jugendlichen und Familien führen. Man wolle „näher am Menschen sein und Netzwerke nutzen, die vor Ort bestehen“, so Karmasin.

Die sozialpädagogischen Fachkräfte des Jugendamtes bringen damit Kenntnisse über das Lebensumfeld der Kinder, Jugendlichen und Familien in die sozialpädagogische Arbeit ein. Wesentliches Element des neuen Konzepts ist der Familienrat, der als neue Methodik zur Lösungsfindung verpflichtend angewandt wird. Dahinter steckt der Gedanke, Familien in schwierigen Lebenslagen in die Lage zu versetzen, ihre Probleme mit Hilfe von Freunden, Verwandten oder auch Nachbarn im Rahmen einer Familiengruppenkonferenz zu erörtern und Lösungen zu finden, die es ihnen ermöglichen, ihren Alltag so weit wie möglich selbstbestimmt in den Griff zu bekommen und zu entscheiden, welche Unterstützung sie darüber hinaus von außen, etwa dem Jugendamt, noch benötigen beziehungsweise annehmen wollen. Hierdurch erhalten junge Menschen und ihre Familien von Beginn an mehr Gelegenheit zur Mitwirkung. Speziell geschulte Familienratskoordinatoren stehen den Betroffenen bei der Organisation und Durchführung eines Familienrats unterstützend zur Seite.

„Potentiale wecken und nicht von oben herab bestimmen“

Die Jugendhilfe müsse „Potentiale wecken und nicht von oben herab bestimmen, was für die Familien das Beste ist“, erläutert Jugendamtsleiter Dietmar König. So sei die Akzeptanz der Maßnahmen auch größer, als wenn diese „vom Amt aufgesetzt werden.“ Eine Evaluation habe ergeben, dass etwa 25 Prozent der Jugendhilfemaßnahmen bisher scheitern. Dies sei nicht nur „rausgeworfenes Geld“, sondern „für die Betroffenen auch ein negatives Erlebnis.“ Durch ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt in Puchheim, in dem die sozialräumliche Arbeitsweise seit Ende 2018 erprobt wird, wurde herausgefunden, dass der Einsatz der Familienräte die Effizienz der Jugendhilfe erhöht und Familien auch Lösungen außerhalb der Jugendhilfe finden. Jugendhilfeplaner Max Makovec zeigt sich vom Familienrat überzeugt. Man könne mit diesem Instrument „Ressourcen der Familie und ihres sozialen Umfelds wecken und die Menschen aus ihrer augenblicklichen Hilflosigkeit herausholen.“

Hier finden Ratsuchende ein Angebot von Beratungsstellen und Unterstützungsmöglichkeiten.

Peter Fischer

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