Jugendschöffengericht FFB muss klären, ob sich ein alleinstehender 70-jähriger an minderjährigen Mädchen vergriffen hat

Rentner soll Mädchen missbraucht haben

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Das Jugendschöffengericht muss die Missbrauchsvorwürfe klären.

Fürstenfeldbruck – Netter Onkel von nebenan oder alleinstehender 70-Jähriger, der sich an minderjährigen Mädchen vergreift? Diese Frage muss das Jugendschöffengericht nun klären. Auf der Anklaggebank sitzt ein Mann aus dem westlichen Landkreis, bei dem über einige Jahre hinweg eine Pflegetochter lebte. Ihm wird zur Last gelegt, zwei Mädchen aus der Nachbarschaft, damals elf und 17 Jahre alt, sexuell belästigt zu haben.

Der 70-Jährige bestreitet die Vorwürfe, die Mädchen haben sie vor Gericht bestätigt. Die Verhandlung wird Ende Februar fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, sich den Mädchen sexuell genähert zu haben - mit erzwungenen Küssen, Umarmungen mit erigiertem Penis und Berührungen der Genitalien über der Kleidung. Die Elfjährige soll er außerdem dazu gebracht haben, sich auszuziehen. Dann legte er sich auf sie. Nun muss sich der 70-Jährige wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Dieses ist für den Fall zuständig, da viele Minderjährige involviert sind. 

Der Angeklagte, der - wie ein paar Zeugen bestätigten - stets einige Mädchen um sich geschart hatte, bestritt, sich seinen deutlich jüngeren Freundinnen mehr als erlaubt genähert zu haben. "Das ist überhaupt nicht meine Art", sagte er. "Ich mag halt Kinder", mit eigenen habe es leider nie geklappt, erklärte er seinen häufigen Kontakt zu den Nachbarsmädchen. Er hatte mit ihnen gespielt, ferngesehen, gegessen, sie in der Gegend herumchauffiert und ihnen gelegentlich Süßigkeiten, Plüschtiere oder Geld geschenkt. Dass er dabei manchmal gegen den Willen der Eltern gehandelt hatte, begründete er mit seiner Gutmütigkeit. Er lasse sich eben leicht von den Kindern überreden. 

Über die beiden mutmaßlichen Opfer sagte er wenig Positives: Die ältere heute 23-Jährige lüge "ohne rot zu werden", zudem sei sie sehr eifersüchtig auf seine Pflegetochter gewesen. Was er als mögliches Motiv für die Vorwürfe nannte. Die heute 13-Jährige beschrieb der Rentner als frühreif und materiell orientiert. Sie habe sich ein Smartphone von ihm gewünscht. Als sie keines bekam, habe sie gedroht, "was der Mama zu sagen". 

Die Vernehmung der 13-Jährigen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ihre Mutter berichtete aber über eine Erzählung ihrer Tochter: "Dass sie das Geschlechtsteil gesehen hat, dass sie sich ausgezogen hat." Auch eine Freundin des Mädchens bestätigte, dass die 13-Jährige ihr erzählt hatte, "dass der Angeklagte sie umarmt und geküsst hat". Der 23-Jährigen fiel es ganz offensichtlich schwer, etwas Belastendes über den 70-Jährigen zu sagen. "Ich will ihm auf gar keinen Fall etwas Schlechtes tun", sagte sie mit brüchiger Stimme. Doch auf die Fragen von der Vorsitzenden Richterin Anna Kappenschneider bestätigte sie die angeklagten Vorwürfe. Den Kuss auf den Mund, als er ihren Kopf festhielt, habe sie schweigend ertragen, "weil ich wollte, dass er mich weiter abholt". Der Angeklagte hatte den Teenager vor rund fünf Jahren öfter abends von Partys abgeholt. Danach gefragt, ob sie denn wegen der Vorfälle Anzeige gegen den Mann erstatten würde, rief sie: "Nein, niemals."

 Die frühere Pflegetochter des Angeklagten, Jahrgang 1995, bezeichnete diesen als "Freund der Familie". Als Teenager hatte sie über mehrere Jahre, teilweise gelegentlich, einmal ein ganzes Jahr am Stück, bei ihm gelebt. Immer wenn es Zoff mit ihren Eltern gab, zog sie zu ihm. Das Jugendamt hatte diese Konstellation abgesegnet. "Er ist wie ein Ersatzpapi gewesen", noch heute habe sie ein gutes, enges Verhältnis zu ihm. Als sie von den Vorwürfen erfahren habe, "war ich anfangs schockiert. Ich konnte es am Anfang gar nicht glauben". Ihr gegenüber habe der Angeklagte nie eine Grenze überschritten.

Ariane Lindenbach 

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