Kardinal Reinhard Marx beim Zukunftsforum Schreiner 2011 – Mahnende Worte

Kardinal Reinhard Marx bei seinem Vortrag im Fürstenfeldbrucker Stadtsaal zum Thema Wirtschaft und Ethik. Foto: Günter Schäftlein

Für Kardinal Marx ist gelebte Ethik und praktizierte globale Wirtschaftlichkeit kein unvereinbarer Widerspruch. Das alles sei eine Frage der persönlichen Verantwortung im Zusammenleben und der Respektierung dieser einen Erde - und einer nicht nur auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Wirtschaftsorientierung. Für solche Maßstäbe verhielte sich das klein- bis mittelständige deutsche Handwerk vorbildlich.

Die Ausführungen des Kardinals im Fürstenfelder Stadtsaal vor rund 400 Zuhörern waren zunächst der eigenen Biografie („Ich hatte immer zwei linke Hände ..“) vorbehalten: Zwei Schreiner - ein Onkel, ein Neffe - zählen zu seiner Verwandtschaft und seit seiner Kindheit hätte er den Geruch vom Holz gemocht. Und heute schätze er die klare Aussage dieses Handwerks von 2002 „Wahre Werte. Echte Meister“ gegen Sprüche wie „Geiz ist geil!“ Oder auch gegen Werteorientierungen wie „Was Geld bringt, darf nie verhindert werden. Alles andere hat sich unterzuordnen.“ Reinhard Marx, der Wirtschafts- und Sozialdenker in der deutschen katholischen Kirche, sieht in der Zukunftsorientierung ratlose Politiker, beherrscht von Lobbyisten, Märkten und Ratingagenturen. „Wir leben aktuell mit einem beschleunigten Kapitalismus, ethisch bedenklich mit einer andauernden Gewinnorientierung: Eine abschüssige Bahn: Da gibt es kein Halten mehr. Wir sind nicht mehr die Gestalter des Lebens.“ Und: „Der Ruf nach Verantwortung ist deshalb so groß, weil heute fast alles machbar ist.“ Die einfachere Lösung aus dieser nicht mehr verantwortbaren Machbarkeit der Nutznießung um jeden Preis sollte sein, sich an soziale Prinzipien zu halten und dennoch vertretbar zu wirtschaften. Kardinal Marx erinnerte an die abendländische Tradition eines christlichen Menschenbildes in Freiheit und Verantwortung. „Der Glaube an christliche Werte ist nicht hinderlich. Tugend ist keine Last. Glücklicher wird man nicht durch das Übertreten der zehn Gebote.“ Und: „Europa hat was zu verteidigen. Es geht nicht nur um Märkte, um Geld. Es geht um Ideen, Wertvorstellungen des Zusammenlebens. Der Mensch ist grundsätzlich kein Egomane, die heilige Schrift ab dem ersten Kapitel keine Legende.“ Der Kirchenmann und Vordenker bezeichnete - ohne dabei emphatisch zu wirken - jedes menschliche Leben als eine revolutionäre Botschaft. Jeder sei in der Lage, gut und böse zu unterscheiden. Zum christlichen Menschenbild gehöre die Arbeit und die Welt zu verbessern. Marktwirtschaft könne nur funktioniren, wenn alle zunächst ihren Fähigkeiten, ihren Interessen, ihrem Antrieb folgten, um sich dann aber Regeln und allgemeingültigen Erkenntnissen zu unterwerfen. Die größte Fehlentwicklung der Jetztzeit wäre die kurzfristige Orientierung, die Abkehr vom langfristigen Denken und der Nachhaltigkeit im Umgang mit Menschen und Waren. „Die Herausforderung zur Ethik ist gewaltig. Bei allen Sachzwängen und der Teilhabe im Großen wie im Kleinen. Die Globalisierung ist die Verantwortung für die eine Menschheit.“ Fragen aus dem Auditorium beantworte der Kardinal locker und schnörkellos: Ob er es auch für richtig halte, dass bei öffentlichen Ausschreibungen immer nur der billigste Anbieter zum Zuge käme. Reinhard Marx verneinte nachdrücklich. Für ihn gelten wichtigere Maßstäbe wie Qualität, Nachsorge, Ökologie und Ortsnähe. Eine weitere Frage beschäftigte sich mit den kirchlichen Feiertagen, von denen ja alle Arbeitnehmer profitierten, auch die nichtgläubigen. Der Kardinal: „Feiertage gehören zu unserem Kulturkreis. Wollen Sie auf Weihnachten verzichten?“

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